Es war nicht die erste handgreifliche Auseinandersetzung zwischen Vater und Sohn. Aber ein Familienstreit im April hatte nun zur Folge, dass ein 25 Jahre alte Forchheimer in Fußfesseln vor das Amtsgericht Forchheim geführt wurde.

Laut Anklageschrift schlug er am 19. April gegen 6.15 Uhr seinem Vater mit der Faust ins Gesicht und auf den Oberkörper. Der 55-Jährige erlitt dadurch blutige Verletzungen an der Stirn und am rechten Auge. "Ich habe nie als Erster meine Hand gegen ihn erhoben und ihn nicht mit den Fäusten geschlagen", beteuerte der Angeklagte, der keinen festen Wohnsitz hat.


Streit wegen Fernsehlautstärke eskalierte

Bei dem blutigen Vorfall wohnte er zeitweise in der Wohnung seiner Eltern in Forchheim. Der 25-Jährige schaute gerade fern und war betrunken, als der Vater aggressiv in sein Zimmer gestürmt sei. "Auf Polnisch drohte er: ,Ich bring dich um, wenn du den Fernseher nicht leiser machst'", meinte der Angeklagte. Der Vater habe ihn daraufhin in den Würgegriff genommen und mit der Faust aufs Gesicht geschlagen. Beim Versuch, sich zu befreien, seien beide auf den Schrank gestürzt.

Die Rauferei ging weiter und der Angeklagte habe versucht, die Hände des Vater festzuhalten. "Es kann gut möglich sein, dass ich ihn dabei erwischt habe. Aber ich habe ihn nicht geschlagen", rechtfertigte er sich. Der Vater rief anschließend die Polizei und die Beamten nahmen den Sohn vorübergehend fest. Damals sei er nicht vernommen worden, beklagte sich der 25-Jährige.


Drei Wochen im polnischen Gefängnis

Er setzte sich später nach Polen ab, dem Land aus dem die Familie stammt. Vater und Sohn sind deutsche Staatsbürger. Im September erging gegen den jungen Mann Haftbefehl, im November wurde er festgenommen und er saß drei Wochen in einem polnischen Gefängnis, bevor er in Bamberg untergebracht wurde.

Der Angeklagte betonte, dass sein Vater öfters gewalttätig gegen ihn gewesen sei. "Er kam immer so geladen von der Arbeit und hatte manchmal solche Attacken." In seiner Jugend kam der Sohn deshalb auch bei Pflegeeltern unter. Bereits 2015 habe der Vater ihm beispielsweise durch einen Faustschlag einen Zahn abgebrochen.

Als der Vater vor dem Amtsgericht erschien, verweigerte er als Angehöriger seine Aussage: Der 55-Jährige wollte seine Anzeige bereits bei der Polizei zurücknehmen. Amtsrichtern Silke Schneider stellte daraufhin das Verfahren ein, appellierte aber an den Angeklagten: "Sie sollten nicht mehr dort hingehen." Der 25-Jährige will sich nun bei der Obdachlosen-Unterkunft im Eggolsheimer Weg bewerben.

Obwohl er im polnischen Gefängnis "viel durchgemacht" habe, verzichtete er auf eine mögliche Entschädigung. Noch im Gericht wurden seine Fußfesseln gelöst und er konnte den Sitzungssaal als freier Mann verlassen.