Am Freitag vor Weihnachten öffnet die Kita Schneckenhaus das letzte Mal ihre Türen. Danach ist Schluss für die Kinderbetreuung in der Sudetenstraße in Forchheim. "Die Entscheidung habe ich sehr, sehr schweren Herzens getroffen. Zu wissen, dass ich jetzt meinen Traum aufgebe", sagt Sandra Roth. Einerseits schließt die Leiterin ihre private Kita wegen ihrer angeschlagenen gesundheitlichen Situation. Aber: Der ausschlaggebende Grund seien die immer wieder eskalierenden Differenzen mit der Kindergarten-Aufsicht gewesen, betont die 35-Jährige.

Fronten verhärtet

In den vergangenen zwei Jahren musste sich die Kita-Chefin wiederholt mit dem Jugendamt des Landkreises Forchheim auseinandersetzen. Im Landratsamt hätten sich Beschwerden über das Schneckenhaus gehäuft, bestätigt Frithjof Dier, der Geschäftsbereichsleiter für kommunale und soziale Aufgaben, dem das Jugendamt angegliedert ist. Dem sei die Fachaufsicht jedes Mal nachgegangen. "Einige Eltern fühlten, dass die Kinder dort nicht gut betreut werden", erklärt Dier. "Wir vom Jugendamt haben nichts unternommen, das eine Schließung nötig gemacht hätte." Genauere Angaben über den Inhalt der Beschwerden dürfe er nicht machen. Roth war deshalb in der Vergangenheit mehrmals beim Landratsamt.

Die Kindergarten-Aufsicht wollte nun künftig, einmal im Monat einen Mitarbeiter in die Einrichtung in der Sudetenstraße entsenden. "Das hat das Fass zum Überlaufen gebracht. Ich bin Erzieherin geworden, um mit den Kindern zu arbeiten - bin aber stattdessen mehr damit beschäftigt, Hürden aus dem Weg zu räumen", klagt die Kita-Chefin. Sandra Roth legte dagegen Rechtsmittel bei der Regierung von Oberfranken ein.

Der Elternbeirat des Schneckenhauses steht hinter Sandra Roth. "Für unsere Kinder ist die Kita ein zweites Zuhause", betont Conny Hein. Roth sei "wahnsinnig kompetent und engagiert". Bei der angekündigten Hospitation der Fachaufsicht wollte ein Elternvertreter dabei sein, das habe das Landratsamt nicht gewollt. Elternbeirat Conny Hein hat sich gegenüber der Kindergarten-Aufsicht für Roth eingesetzt: "Wir wurden aber schnell abgefertigt und nicht ernst genommen."

Die Kita Schneckenhaus wäre im Januar 13 Jahre alt geworden. 2006 gründete Roth die private Einrichtung mit einer Krippengruppe in der Forchheimer Innenstadt. 2009 zog sie in die Sudetenstraße und vergrößerte auf zwei Kinderkrippen- und eine Kindergartengruppe mit insgesamt 39 Betreuungsplätzen. Das Gebäude hat Roth extra für den Betrieb der Kindertagesstätte gekauft und sei dafür auch ein finanzielles Risiko eingegangen. Wie es nach der Schließung weitergeht, wisse die 35-Jährige noch nicht. Zwei Mitarbeiter und eine ehrenamtliche Köchin arbeiten in der Kita.

Mangel Kita-Plätzen in der Stadt

Aktuell werden 13 Kinder im Schneckenhaus betreut. Elf von ihnen müssen ab kommendem Jahr in anderen Einrichtungen unterkommen. "Ich bedauere sehr, dass mit der Schließung dieser privaten Kinderbetreuungsstätte ein Betreuungsangebot in der Stadt wegfällt. Leider haben wir keine Möglichkeit, in die Angelegenheiten der Fachaufsicht für Kindertagesstätten einzuwirken", erklärt Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD). Die Stadtverwaltung habe vier der Kinder in andere Kitas vermitteln können, so Gabriele Obenauf, die städtische Leiterin des Amtes für Jugend. In Forchheim herrscht Mangel an Kita-Plätzen. In der Stadt könne laut Obenauf der Betreuungsbedarf für etwa 60 Kinder nicht gedeckt werden.

Am 18. Oktober verkündete die Kindergarten-Leiterin Roth den Eltern, dass sie die Einrichtung schließt. "Wir Eltern waren alle schockiert", erinnert sich Elternbeirat Conny Hein. Für ihre beiden Töchter (zwei und sechs Jahre alt) hat sie glücklicherweise bereits Zusagen für die Kita Rabbel Zabbel bekommen. Die Kinderkrippe in der Bayreuther Straße erweitert bald um einen Kindergarten mit 18 Betreuungsplätzen. Aber Hein fügt enttäuscht hinzu: "Es hätte nicht so weit kommen müssen, wenn das Landratsamt die Fürsprache der Eltern für voll genommen hätte."