Die Arbeiter stehen mit Plakaten, Fahnen und Trillerpfeifen auf dem Hof des Feag-Werkes in der Daimlerstraße 22. Am Anfang des Jahres habe die Auftragslage noch gepasst, sagt Rudolf Dietz. "Wohin ist das ganze Geld verschwunden?", fragt der 58-Jährige, der seit 43 Jahren in diesem Betrieb arbeitet. "Gute Frage", sagt Thilo Kämmerer, der 2. Bevollmächtigte der IG-Metall-Verwaltungsstelle Bamberg.

Die Gewerkschaft hatte Dienstag Nachmittag zu einer Kundgebung aufgerufen. Die Schließung des Forchheimer Standortes ist seit Juli beschlossene Sache, 70 Arbeiter der ehemaligen Siemens-Tochter sind betroffen.
Thilo Kämmerer und Stephan Sartoris, der Anwalt der Belegschaft, kommen gerade aus der Verhandlung mit der Geschäftsleitung. Der Geschäftsführende Gesellschafter Tom Peiffer lässt sich an diesem Nachmittag nicht auf dem Hof blicken, auch später ist er für keine Stellungnahme erreichbar.

IG-Metall-Sprecher Kämmerer klärt die Belegschaft über den Stand der Verhandlungen auf. Es sehe nicht danach aus, als ob man sich in den nächsten Tagen einigen könne, sagt er. Die Vorstellungen der Geschäftsleitung und des Betriebsrates lägen "sehr, sehr weit auseinander". Wirtschaftsprüfer seien eingeschaltet worden, sagt Kämmerer. "Uns fehlen von Wirtschaftsprüfern bestätigte Daten - ohne die gibt es keinen Sozialplan."

Offenbar waren die vorangegangenen Verhandlungsstunden sehr trist gewesen. Auch die Hoffnung, die Produktion von Schaltschränken aus Forchheim könne andernorts fortgesetzt werden, habe sich nicht erfüllt, sagt Thilo Kämmerer: "Alles zerschlagen, alles unerfreulich." Nun werde die Einigungsstelle eingeschaltet; die Möglichkeit einer Transfergesellschaft werde geprüft. Minimalen Trost bringt der Gewerkschaftsmann mit aus den Verhandlungen: "Im August wird es noch keine Kündigungen geben." Ob die Schließung des Standortes endgültig sei, fragt ein Arbeiter. "Ja, Forchheim wird komplett stillgelegt."

Etwas Hoffnung versucht dann der katholische Betriebsseelsorger Norbert Jungkunz aus Bamberg zu machen. Obwohl "die Aussichtslosigkeit erdrückend" scheine, sollten die Arbeiter nicht vergessen, dass es so wichtige Instrumente wie den Betriebsrat, die Gewerkschaft und die Einigungsstelle gebe. Jungkunz appelliert, die Köpfe nicht hängen zu lassen; und stattdessen das "Ausstiegsszenario" aktiv zu gestalten: "Es geht darum, im Handeln zu bleiben, darum steht ihr hier."

Einer der Handelnden ist Betriebsrat Wolfgang Grund. "Bleibt uns treu, damit wir einen Rückhalt bei den Verhandlungen haben", ruft er den Protestierenden zu. Wie schwer es aber den Arbeitern fällt, bei der Sache zu bleiben, das deutet Franz Drummer an. Seit 32 Jahren ist er im Betrieb. "Es ist schwierig, jetzt noch 100 Prozent Leistung zu bringen, wenn du denkst, du bist schon weg."

Viele seiner Kollegen seien damit beschäftigt, dass ihnen demnächst "die Bank auf den Nacken rücken wird", sagt Drummer. Seit Jahresanfang habe er ein schlechtes Gefühl gehabt: "Der Hauptkunde, die Firma Siemens, hat den Preisdruck erhöht. Dann wurden bei uns keine Azubis mehr beschäftigt, und die Firma begann sich zu Tode zu sparen. Von wegen soziale Verantwortung, davon sehe ich bei Siemens nichts."

Die Ernüchterung ist allgegenwärtig. Auch Stefan Puttke, seit 13 Jahren im Betrieb, weiß, wie schwer es wird, "wenigstens die übliche Abfindung" zu bekommen. "Das wäre ein Bruttogehalt pro Jahr Zugehörigkeit", sagt der 45-Jährige. Die Chance, dass Puttke auf seine Rechnung kommt, ist nicht hoch. "Nach dem Jahresabschluss 2013 schien noch genügend Geld für einen anständigen Sozialplan da zu sein", weiß IG- Metall-Sprecher Kämmerer. Und wundert sich über die angeblich eine Million Euro Verluste im Jahr 2014. Um einen ordentlichen Sozialplan zu finanzieren, müsste Feag rund sieben Millionen Euro ausgeben, schätzt Thilo Kämmerer.