Schon seit vier Wochen treffen sich die 17 Wagenbauer des Vereins Schwarz-Gelb jeweils samstags im faschingsverrückten Jurahochdörfchen Kohlstein, um an ihren drei riesigen Motivwagen zu basteln und zu schrauben. Er soll schließlich beim größten Faschingsumzug der Fränkischen Schweiz am kommenden Sonntag in der Narrenhochburg Gößweinstein zu den spektakulärsten Gefährten gehören.

Immer strenger, immer kurioser

Vielleicht geschieht das heuer zum letzten Mal, da die Vorschriften und Auflagen immer strenger werden und eigentlich gar nicht mehr einzuhalten sind. Initiator und Ortsführer Lothar Held wird heuer 70 Jahre alt. "Wahrscheinlich ist es für mich als Verantwortlicher der letzte Faschingsumzug", sagt Held. Und das nicht nur aus Altersgründen, sondern weil die Auflagen der Gemeinde immer strenger, ja kurioser werden. "Wenn die Vorschriften noch weiter verschärft werden, müssen wir uns schon überlegen, ob wir beim Faschingsumzug überhaupt noch mit einem Fahrzeug teilnehmen", so Held. Denn der Verantwortliche könnte, wenn etwas passiert, zur Rechenschaft gezogen werden.

Eine neue Auflage ist zum Beispiel, dass zur Vermeidung von Unfällen während des Umzugs neben jedem Rad des Wagens eine volljährige und nüchterne Begleitperson mit Warnweste herlaufen muss. Außerdem braucht man auf jedem Hänger noch eine Sicherheitsperson, die aufpasst, dass der Wagen nicht umkippt. Und man bräuchte auch noch einen Statiker, der berechnet, wie viele Leute wo auf dem Wagen stehen dürfen.

14 Mann mit Warnweste

Weil die Kohlsteiner heuer drei Fahrzeuge haben, brauchen sie 14 geschulte Sicherheitspersonen mit Warnwesten, die von einer ebenfalls nüchternen und volljährigen Aufsichtsperson ständig auf ihre Einsatztauglichkeit hin überprüft werden muss. Kurios auch diese neue Vorschrift: "Die Personen auf den Wagen sind durch eine Brüstung mit einer Mindesthöhe von 1,20 Metern in ausreichender Stärke vor Herabfallen zu sichern." Kinder könnten dann überhaupt nicht mehr aus dem Wagen rausschauen, wundert sich Lothar Held, der selbst Sicherheitsbeauftragter ist und eine Brüstungshöhe von einem Meter für völlig ausreichend hält.

Neu ist auch, dass für jede Person auf dem Wagen auch noch eine Sitzfläche vorhanden sein muss, die rutschfest mit dem Fahrzeug verbunden ist. Held: "Man stelle sich nun vor, alle auf einem Faschingswagen müssen sitzen und die Brüstung ist 1,20 Meter hoch, dann würden die Zuschauer niemanden mehr auf dem Wagen sehen. Fehlt nur noch, das auch noch alle angeschnallt sein müssen."

"Wer kann das alles einhalten?"

Vier Seiten mit Vorschriften und ein Merkblatt hat der Dorfverein Schwarz-Gelb Kohlstein heuer von der Gemeinde Gößweinstein bekommen. Eine dieser Vorschriften regelt auch, wie die Bonbons ins Publikum geworfen werden dürfen. "Wer kann das alles einhalten ?", fragt sich Held. Da sei es kein Wunder, dass so mancher die Lust verliere, einen Faschingswagen zu bauen oder überhaupt noch am Umzug teilzunehmen.

Die Kleingeseer wollen heuer nur mit einer Fußgruppe kommen, die Hühnerloher wollen nach Helds Informationen auch keinen Wagen mehr bauen.

Pottensteiner nicht so streng

In Pottenstein ist das noch anders. Da bekommt man vor dem Umzug nur ein Merkblatt mit den wichtigsten Informationen. "Wir werden heuer auf jeden Fall die vorgeschriebenen Maße unserer Wagen einhalten", betont Held. So darf ein Wagen nicht breiter sein als 2,55 Meter und nicht länger als 18 Meter sein. Vorschriften hin oder her, die Kohlsteiner lassen sich ihre Freude am Wagenbau und am Umzug nicht vermiesen. Das Motiv der Wagen verrät Held natürlich noch nicht. Als kleiner Tipp: Es habe etwas mit einer Pistengaudi zu tun.

Mindestens vier Kubikmeter Bretter und Balken verbauen die Kohlsteiner, über 5000 Schrauben, Farbe, Planen und vieles mehr. Für die Technik an Bord sorgen zwei starke Stromaggregate. Über 1000 Euro investiert der Dorfverein auch heuer wieder in das Material sowie für Bonbons.

Rund 50 verkleidete Kohlsteiner werden am Faschingssonntag die Narrenhochburg Gößweinstein stürmen.

Der älteste Wagenbauer ist übrigens der ehemalige Marktgemeinderat Rüdiger Klose mit stolzen 81 Jahren.