Die Frau hinter der Wurst-Theke ist völlig deprimiert: "Was da passiert ist ganz grausam für uns." 41 Jahre lang war die Metzgerei-Fachverkäuferin bei Belzer beschäftigt, bevor der Laden im Juli an die Metzgerei-Kette Weckerlein vermietet wurde - und nun der Insolvenz-Antrag!

Jörg Weckerlein (44), Chef der Seukendorfer Großmetzgerei mit insgesamt zwölf Filialen, bestätigt: "Wir haben ein Insolvenzverfahren angemeldet". Wie lange der Laden in Forchheim noch laufe, sei noch nicht geklärt.
Für die Gründe des geschäftlichen Misserfolges in Forchheim macht Weckerlein seinen Vermieter Alfred Belzer verantwortlich. Der habe beispielsweise Vereinbarungen nicht eingehalten, wie den Umbau des Kühlhauses bis Ende Dezember. Außerdem, so der Vorwurf Weckerleins, habe Belzer "Stimmung gemacht" gegen die neu eröffnete Filiale. Auch seien interne Gespräche an Mitarbeiter weitergegeben worden. "Mit dem Ergebnis, dass einige Beschäftigte gekündigt haben", behauptet Jörg Weckerlein. Außerdem äußert er Zweifel daran, dass die bei der Verpachtung vorgelegten Umsätze des Vorbetreibers der Wirklichkeit entsprechen. "Bei der Eröffnung im Juli haben wir im Vergleich dazu nur 75 Prozent des Umsatzes gemacht", erklärt Jörg Weckerlein.

Alfred Belzer gibt sich zunächst zugeknöpft. Nur so viel ist von ihm zu erfahren: Es habe Differenzen gegeben - die Angelegenheit laufe deshalb über Anwälte. Nach Rücksprache mit seinem Rechtsvertreter meldet er sich kurz darauf jedoch nochmals und erklärt die Sachlage so: Mit der Firma Weckerlein, die die Ladenräume ab 1. Juli angemietet habe, sei vereinbart worden, dass bis Ende des Jahres seitens des Vermieters eine Betriebsküche und ein Kühlraum hätte eingerichtet werden sollen. Mitte September aber habe Weckerlein um einen Aufhebungsvertrag des Mietverhältnisses gebeten - Ende Oktober habe dieser dann ein Insolvenzverfahren beantragt . "Somit haben wir keine Veranlassung mehr gesehen, die Umbauten vorzunehmen", erläutert Belzer. Die ganze Geschichte sei ihm zu unsicher gewesen. Im Übrigen bestreitet Alfred Belzer die Weckerlein-Filiale schlecht geredet zu haben: "Das wäre ja kontraproduktiv - ich hätte mir damit nur selber geschadet", betont der Vermieter.

Personalzahl ist geschrumpft

Während zu Belzers Zeiten hinter der Ladentheke oft ein halbes Dutzend Verkäuferinnen und mehr herumwurstelten, bedienten gestern gerade mal zwei Frauen die Kunden, eine andere machte Kasse. Derzeit sind insgesamt noch rund zehn Mitarbeiter in der Forchheimer Filiale beschäftigt. Sechs reguläre Beschäftigte und drei Aushilfskräfte hätten bereits gekündigt , erklärt Jörg Weckerlein. "Nach der Sommerferienzeit ist die Personalzahl merklich zurückgegangen", bestätigt eine der Verkäuferinnen. "Früh sind wir jetzt nur noch zu dritt, nachmittags zu zweit." Eine der Frauen hat schon gekündigt. 27 Jahre lang war sie in der Metzgerei beschäftigt.

"Der Geschäftsgang ist schlecht", gibt sie unverblümt zu und versichert: "Mir gefällt's einfach nicht, nur herumzustehen und nichts zu tun zu haben." Schon kurz nach der Neueröffnung sei die Stammkundschaft verloren gegangen: "90 Prozent davon sind weg." Die Gründe seien vielschichtig - auf einen einfachen Nenner gebracht: Ein anderer Metzger - eine andere Wurst. "Das ist doch individuelle Geschmackssache - ich koche doch auch anders, als ihre Frau", erklärt die Verkäuferin. "Die Kunden haben's nicht angenommen."

Sachwalter als "Aufpasser"

"Wir wissen nicht wie's weiter geht, aber wir vermuten, dass das Geschäft im neuen Jahr zu ist", befürchtet eine Verkäuferin. Inzwischen ist die Emskirchener Rechtsanwaltskanzlei Raab als Sachwalter eingesetzt. Man fungiere quasi als "Aufpasser", erklärte ein Kanzleisprecher. Das heißt: Weckerlein führt die Geschäfte zunächst weiter, ist entscheidungsbefugt - benötigt bei wichtigen Handlungen allerdings die Zustimmung des Sachwalters. "Zum jetzigen Zeitpunkt zu sagen, was passieren wird, ist schwierig", betont der Kanzleisprecher.

Wurst-Aktie sorgt für Bauchweh

Vor rund einem Jahr hatte der findige Seukendorfer Metzger Jörg Weckerlein mit seiner Wurst-Aktie für Schlagzeilen gesorgt. Für seine Genussscheine versprach er den Anlegern zwischen sieben und "fetten" zehn Prozent Zinsen pro Jahr. Jetzt werden die Wurst-Spekulanten Bauchschmerzen haben: Denn wenn Weckerlein pleite gehen sollte, verlieren die Anleger ihr Geld!