Die Sache mit dem Jubeln wird für Uwe Fürstmann am Montagabend nicht ganz einfach. Denn der gebürtige Badener und Wahlfranke - von Beziehungs-und Geschäftswegen her - hat sein Herz schon vor vielen Jahren an das Land mit den 3000 Sonnenstunden im Jahr verloren. "Nicht nur wegen der schönen Frauen", auch wegen des milden Wetters, aber vor allem weil er sich in die Küche des Landes verliebt hat. Bis vor einem Jahr hat er in Forchheim in seinem Laden am Paradeplatz portugiesische Leckereien angeboten. Heuer ist er nach Erlangen in die Hauptstraße 55 umgezogen, um noch in den nächsten Wochen seinen Laden "Delicioso" zu eröffnen. Wein, Stockfisch, Schinken - das "Feine aus dem Süden" hat Fürstmann nach Franken geholt.

Portugiesen "bluten"

Von der zwölften bis zur dreizehnten Fußball-Weltmeisterschaft, also von 1982 bis 86, hat Fürstmann in Portugal, im Großraum Porto, gelebt. Als "Ausländer" hat er ganz genau beobachtet, wie sich die Menschen im Süden verhalten, wie sie leben, mitfiebern - und vor allem, "wie sie leiden". Ob im kleinen Rahmen oder bei den ganz großen Fußball-Tunieren: "In Portugal, also wirklich, da bluten die richtig", sagt Fürstmann. Der Feinschmecker spricht schnell von diesem einen "Fußballgefühl". Und das, obwohl er die Meinung vertritt, dass "Fußball nur Fußball ist". Warum der Geschäftsmann aber zu keiner Saison ums Verfolgen der sportlichen Ereignisse herumkommt: "Bei Männern gibt es zwei Themen. Beide fangen mit ,F' an", sagt Fürstmann.

Von den schönen Frauen aus Portugal gibt es auch die eine oder andere in Franken, und vereinzelt in Forchheim. Alexandra Martins ist eine davon. Neben dem Portugal-Liebhaber ist sie eher zurückhaltend, ihre Landsleute als besonders emotional und außerordentlich leidenschaftlich in Sachen Fußball einzustufen: "Die Portugiesen sind schon sehr große Fans, aber ich denke, in Europa ist das bei allen Fans das Gleiche."

Das sieht der Deutsche anders, der sich Spiel für Spiel darin übt, die Kulturen zu beobachten und miteinander zu vergleichen: "In Portugal, oder allgemein im Süden, geht es beim Fußball schauen nicht nur darum, möglichst viel Bier in sich rein zu kippen und alles zu kommentieren." Und um was geht es den Portugiesen? Welche Frisur 90 Minuten am besten sitzt? Nein. "Das ist eine tiefe Emotionalität. Es geht den Portugiesen auch heute wirtschaftlich noch nicht richtig gut. Aber Fußball ist eine Sache, bei der sie für wenig Geld, sehr viel Spaß haben können", sagt Fürstmann. Wo es dem Land an Finanzen mangelt, können sich die Spieler, die auf dem Rasen für das Land von Martins auflaufen, nicht beklagen: "Ronaldo ist ein sehr guter Spieler.

Aber eben auch eine Primadonna. Das ist eigentlich schade", sagt sie. Wie weit die portugiesischen Fußballsternchen in diesem Jahr kommen, hängt unweigerlich auch von der Partie am Montag ab. Mindestens zwei Franken jubeln an diesem Abend, wenn Ronaldo trifft. Aber immerhin: Fürstmanns Frau drückt für Deutschland im ersten WM-Spiel 2014 die Daumen.