Fasching 1993: Eine schwarz-weiß geschminkte Gestalt mit wilder Frisur, die genauso aussieht wie "Kiss"-Bassist Gene Simmons, mischt sich unters Partyvolk. Aber es ist natürlich nicht der echte Gene, sondern Thorsten Hänsel. Der ist im "echten" Leben Ruhestandsplaner und "Kiss"-Fan seit 1978. "Zu viert wäre es schon cooler", dachte er sich 1993 und begab sich auf die Suche nach drei weiteren "Kiss"-Fans. Was mit einer Faschingsidee begann, ist heute eine der erfolgreichsten "Kiss"-Tribute Bands Deutschlands. Seit 2007 tritt Hänsel als Gene Simmons zusammen mit Harald (Jess) Schuster (alias Ace Frehley), Heiko Grabmeier (alias Paul Stanley) und Thomas Stachow (alias Peter Criss) unter dem Namen "First Kiss" auf.
Oberstes Ziel der Band ist es, den Originalen optisch und in puncto Show näher als jede andere Tribute-Band zu kommen: selbstgemachte, originalgetreue "Kiss"-Kostüme und Pyro-Technik inklusive. "Das machen die meisten Cover-Bands nicht", sagt Hänsel. "Dabei ist es genau das, was die Menschen magisch anzieht. ‚Kiss‘-Konzerte sind immer ein Spektakel."

"Kiss"-Kostüm mit 6000 Steinen


Sein Lieblingssong von "Kiss" - wenn er sich denn für einen entscheiden müsste - ist "A Million To One". Bisher hat er seine Idole etwa zwölf Mal live gesehen. Erstmals 1996 bei Rock im Park (RiP) in Nürnberg. "In der Hinsicht war ich ein echter Spätzünder", sagt er.
Als "Kiss" dann 2010 wieder bei RiP auftraten, bestand Hänsel darauf, dass seine zwei erwachsenen Söhne Patrick und Mario ihn zum Konzert begleiten. Die waren bisher nicht übermäßig angetan von den amerikanischen Hard-Rockern, doch nach dem Auftritt waren auf mysteriöse Art und Weise alle "Kiss"-CDs aus Thorstens Sammlung verschwunden.
Nach der Familie ist seine Band das Wichtigste im Leben des Pinzbergers. Und das nimmt viel Zeit Anspruch: allein das Paul Stanley Kostüm wurde in mühevoller Handarbeit mit 6000 Swarovski-Kristallen beklebt. Die Website auf dem neuesten Stand halten, neue Songs einstudieren und so weiter. Einmal pro Woche probt er mit Jess Schuster aus Nürnberg und Heiko Grabmeier aus Steinsdorf, dem einzigen Berufsmusiker der Band. Auf Thomas Stachow müssen die drei meistens verzichten, weil der nur einmal im Monat aus seiner Heimat Berlin ins Frankenland kommen kann. "Beamen wäre da echt praktisch", lacht Hänsel. Obwohl die Band kaum Eigenwerbung macht, spielen sie zehn bis zwölf Shows pro Jahr. Sogar bei Shows im Fernsehen und im Berliner Hardrock-Café sind die "Kiss"-Fans schon aufgetreten.
2007 wurden "First Kiss" mit dem "Stars & Legends Award" in der Kategorie "Best Doubles Music Germany" und 2011 für die beste "Kiss"-Show in Deutschland ausgezeichnet. Sogar in einem Film namens "Annelie", der diesen Herbst in die Kinos kommt, haben sie schon mitgespielt. Thorsten Hänsels ganz persönliches Highlight kam aber 2010, als er Gene Simmons vor einem Konzert in Berlin Backstage in voller Montur traf: "Das war einfach gigantisch."

Ein Traum geht in Erfüllung


Was sie aber im März kommenden Jahres erwartet, übertrifft alles, was die Jungs bisher erlebt haben: Im Rahmen der "Movie Days" in Dortmund, findet die bisher größte "Kiss"-Expo Deutschlands statt. Mit dabei sind Thorsten Hänsel und seine Band. Doch die Vier treten nicht nur in der Westfalenhalle vor etwa 10 000 Zuschauern auf. Auch zwei echte "Kiss"-Bandmitglieder stehen für ein gemeinsames Konzert mit ihnen auf der Bühne. Um zu sehen, wie diese Idee bei den Fans ankommt, haben sie die Ankündigung für vier Stunden in zwei "Kiss"-Fan Foren gepostet. Das Ergebnis: über 4200 Klicks und 600 Karten-Voranfragen aus halb Europa. Im Vorfeld mit den beiden echten "Kiss"-Mitgliedern zu proben, wird jedoch nicht möglich sein: "Dafür haben wir vor dem Konzert vielleicht eine Stunde Zeit", sagt Hänsel. Aber wenn Thorsten Hänsel und seine Bandkollegen das Make-up auflegen und in ihre Kostüme schlüpfen, kann man sie von "echten" Rock-Stars sowieso kaum noch unterscheiden.