Der Schock des Jahres 2001 saß tief. Am Neder-Keller war ein Stollen eingebrochen. Plötzlich stellte sich die Frage, inwieweit der Forchheimer Kellerwald überhaupt noch genutzt werden kann. Denn es zeigte sich, dass auch andere Keller durch Klüfte im Fels und durch das Sickerwasser vom Einsturz bedroht waren. Das Bergamt gab dann eine erschreckend nüchterne Empfehlung: Schließt die alten Keller und verfüllt sie.

Umweltfreundliche Kellernutzung

Gerhard Zedler, Chef des Bauamtes und oberster Forchheimer Denkmalschützer, war am Dienstag die Erleichterung darüber anzumerken, dass die Stadt der Empfehlung des Bergamtes damals nicht gefolgt war. Stattdessen ging sie, unterstützt von der Bundesstiftung Umwelt, der Oberfrankenstiftung und der Bayerischen Landesstiftung einen Weg, dessen Erfolg jetzt mit einem Abschluss-Kolloquium gewürdigt wurde: Auf dem Schützenkeller trafen sich jene Geologen, Ökologen und Bauforscher, die sich in den letzten beiden Jahren um die Vermessung, Erkundung und Sanierung dreier bedrohter Keller gekümmert hatten.
Unter der Regie des Bamberger Restaurierungswissenschaftlers Professor Rolf Snethlage wurden die konstruktiven Mängel im Bauernkeller, im Rappen - und im Weiß-Tauben-Keller behoben.
Snethlage habe mit diesem "beispielhaften Projekt ein Konzept zur umweltfreundlichen Nutzung vorgelegt", sagt Gerhard Zedler.
316 000 Euro flossen in die Sanierung der Stollen. Den Hauptanteil der Förderung übernahm mit knapp 100 000 Euro die Deutsche Bundesstiftung Umwelt. Und so können sich die Forchheimer künftig nicht nur "auf den 23 Kellern" vergnügen, freut sich Gerhard Zedler; sondern die Anlagen auch als "Baudenkmäler allerersten Ranges" schätzen lernen.

Idealtemperatur für die Hefe

"Ich bin Keller-Fan", bekennt Rolf Snethlage und meint offensichtlich nicht nur den felsigen Teil dieses Phänomens. Er beginnt eine kleine Geschichte über den Nutzen der kühlen unterirdischen Gänge zu erzählen. "Die untergärige Hefe braucht Temperaturen von 8 bis 12 Grad, damit das Lager-Bier reifen kann."
Wie diese, teils labyrinthartigen Stollen aussehen, davon können sich die Bürger jetzt wieder am Bauern-, Rappen- und Weiß-Tauben-Keller ein Bild machen. Diese drei Anlagen dürfen ab sofort als Vorbilder für eine denkmalgerechte Instandsetzung gelten.
Beim Kolloquium auf dem Schützenkeller sagte Oberbürgermeister Franz Stumpf (CSU/WUO), dass die Nutzung des Kellerwaldes immer wieder mal gefährdet war: Umstürzende Bäume hätten bereits in den 60er-Jahren eine Debatte ausgelöst. "Der Stadtrat machte sich sogar Gedanken, das Annafest abzuschaffen", erinnerte Franz Stumpf. Vor zehn Jahren sei der "für uns Forchheimer heilige Berg" dann von umstürzenden Bäumen bedroht gewesen. Damals mussten 140 Bäume sicherheitshalber gefällt werden.
Seitdem werden jährlich 500 Bäume einzeln überprüft. Und auch die Stollen, sagte Gerhard Zedler, werden ab sofort jährlich geprüft. Die ältesten wurden im 17. Jahrhundert angelegt, erzählte Dieter George. Der Kulturbeauftragte der Stadt Forchheim sorgte am Dienstag dafür, dass die Gäste des Kolloquiums nicht nur geologisches und vermessungstechnisches Wissen mit nach Hause nahmen; sondern auch Einblicke aus dem "heimatforschenden Milieu". So erzählte George von den zahlreichen "Fantasien", die sich seit jeher um die Anfänge der Forchheimer Keller ranken. Persönlichkeiten wie Karl der Große oder der Schwedenkönig Gustav Adolf würden "bemüht" und gedanklich auf die Keller versetzt, um deren Bedeutung aufzuwerten.

Wegweisende Glas-Forschung

Dieter George wies auf die jüngsten Archivalienforschungen von Reinhold Glas hin. Dank der Arbeiten des Forchheimer Historikers lasse sich "unschwer die Feststellung treffen, dass die Stadtgemeinde Forchheim 1691 damit begonnen hat, in einem Bereich des Bürgerwaldes, der Steinbruch genannt wird, systematisch Kellerstollen anzulegen". Dennoch habe die Jahres-Inschrift 1609 im Scheitel des Eingangs zum heutigen Schlößla-Kellerstollens "als Primärquelle durchaus Gewicht", betonte George. Möglicherweise war dieser Stollen eine "wilde Maßnahme" gewesen oder eine "isolierte Veranlassung der Stadtgemeinde".