Die Zahlen belegen es deutlich: Mit 75.056 Ausleihen weist die Bücherei in Igensdorf die höchste Ausleihe auf und belegt in Mittel- und Oberfranken den ersten Platz.

Aber das ist nicht unbedingt neu, denn auf Platz 1, oder auf den vordersten Plätzen, ist diese Bücherei seit ihrer Gründung, seit Advent 1989, vertreten. "Der bayerische Schnitt liegt bei vier bis fünf Ausleihen pro Bürger im Jahr. Bei uns sind es 15 Ausleihen pro Bürger", meint Sonja Fiebig, während sie die Unterlagen für die Statistik durchblättert.

Lese- und Spielplatz

Die Zahlen meldet sie jährlich an die Landesfachstelle für das öffentliche Bibliothekswesen in Nürnberg, wo diese Zahlen aus ganz Mittel- und Oberfranken statistisch ausgewertet werden.

Das Geheimnis für den Erfolg der Bücherei liegt auf der Hand: "Es ist ein Kommunikationsort", erzählt Astrid Teumer und sortiert einige Kinderbücher in die kastenförmigen Regale, die neben einem großen Podest stehen: dem Lese- und Spielplatz für kleine Kinder. Dort kuscheln sich die jüngsten Leser gerne in die Plüschgiraffe oder das Nilpferd und blättern in einem Buch oder die Kleinsten krabbeln herum, während die Mütter sich bei einem Kaffee mit anderen austauschen. Einige Tische und Stühle laden dazu ein, zugleich haben die Mütter ihre Sprösslinge im Blick. "Diese Kinder haben von klein auf den Kontakt zur Bücherei", erklärt Sonja Fiebig. "Für diese Kinder gibt es später keine Hemmschwelle, in die Räume der Bücherei zu kommen."

Die Kinder und Jugendlichen bilden das Hauptklientel, zählen doch 43 Prozent der Ausleiher zu den Kinder und Jugendlichen bis zwölf Jahre. Allerdings macht sich hier inzwischen die sinkende Schülerzahl bemerkbar, denn noch in den Jahren bis 2010 lag die Gesamtausleihe im Schnitt konstant bei 80.000 und darüber. In der Altersgruppe der bis 59-Jährigen sind 52 Prozent der Leser vertreten.

Kooperation mit der Grundschule

Wer in jungen Jahren liest, wird auch als Erwachsener noch lesen, hat sich bestätigt. Nicht nur deshalb arbeitet die Bücherei eng mit der örtlichen Grundschule zusammen. In der ersten Klasse erhalten die Schüler eine Einführung in die Bücherei. Sie besuchen die Einrichtung dann zusammen mit den Lehrern alle vier Wochen, um die alten Bücher abzugeben und neuen Lesestoff für zu Hause in die Schultasche zu packen.

Um das zu ermöglichen, kommt das Team mit ihrer Leiterin Ulrike Kögel auch außerhalb der Öffnungszeiten. "Wir richten uns nach der Schule. Montags passt es dort am besten", sagen die beiden Mitarbeiterinnen und sperren auf, obwohl die Bücherei sonst nur mittwochs vormittags geöffnet hat. Doch das stört sie nicht. "Für uns ist die Bücherei unser zweites Wohnzimmer", sagen die beiden Frauen lachend und sprechen damit den Wohlfühlcharakter an. Hier herrscht keine sterile Atmosphäre. Die 418 Quadratmeter sind gemütlich eingerichtet, unterteilt in Fachgebiete, und die Leute, die in die Bücherei kommen, fühlen sich nicht nur gut beraten, sondern von der herzlichen, familiären Atmosphäre angezogen.

Hier zieht man nicht nur den neuesten Ken Follett oder andere in den Beststellerlisten vertretene Bücher aus dem Regal. Mit 18 000 Medien, dazu gehören auch Zeitschriften, CDs, DVDs, Konsolenspiele, Brettspiele oder die beliebten Asterix-, Simpsons- oder Muppets-Comics, ist für jeden etwas dabei.

Die Leser dürfen auch Wünsche äußern. Nicht nur die neuesten Medien, sondern auch die zahlreichen Aktionen, die das Team anbietet, machen die Bücherei attraktiv. Dazu zählen die Adventslesungen, bei denen Igensdorfer Bürger Gedichte und Geschichten vorlesen. Jährlich finden dazu etwa 70 Zuhörer den Weg in die Bücherei. Ein eher kleinerer Kreis trifft sich zu den monatlichen Literaturlesungen. Vorab wird im Amtsblatt der Gemeinde bekannt gegeben, über welches Buch der Literaturkreis diskutiert.

Den Lesewettbewerb in der Grundschule organisiert das Büchereiteam auch. Immer gut angenommen werden die Autorenlesungen, die Bilderausstellungen und das Ferienprogramm, für das sich die Mitarbeiterinnen für die Kinder und Jugendlichen immer etwas Originelles ausdenken. "Vergangenes Jahr waren die Oskar-Bücher so begehrt", erzählt Sonja Fiebig. Oskar, der eine Erbschaft machte, sollte sich in eine alte Eiche setzen. Er landete dann im mittelalterlichen Nürnberg. Sonja Fiebig und Astrid Teumer wussten aber auch von den dazu angebotenen Stadtführungen.

Jugtendliche als "Berater"

Mit dem Zug fuhren sie nach Nürnberg, um nach der Führung noch einige Zeit auf dem Spielplatz zu verbringen. "Das wollten die Kinder nicht. Sie wollten unbedingt die Lorenzkirche und die Frauenkirche sehen", erzählt Fiebig über die Faszination der jungen Leser von diesen Büchern. Nicht zuletzt deshalb nehmen die Igensdorfer an der Aktion "Kaufrausch" teil und fahren mit Jugendlichen, die gerne und oft lesen, in die Buchhandlung, um Bücher für die Bücherei auszusuchen. Jugendliche treffen eher den Geschmack der Gleichaltrigen.


Für die Pfingstferien-Reisetasche empfiehlt das Team:


Dora Heldt"Herzlichen Glückwunsch, Sie haben gewonnen"; zwei Rentner haben eine Reise gewonnen. All inklusive, dachten die beiden. Doch bald stellt sich heraus, dass es sich um eine Werbefahrt handelt. Dora Heldt spricht einem aus der Seele. Die Bücher sind lustig, wie aus dem richtigen Leben, doch nicht flach geschrieben und immer in den Beststellerlisten vertreten.

Sabine Weigand "Die Tore des Himmels"; dieser Roman handelt von dem Leben der Elisabeth von Thüringen. Im November war die Autorin zu einer Autorenlesung in der Bücherei. Es war die beste Autorenlesung, die wir je hatten. Nicht nur deshalb ist das Buch absolut empfehlenswert.

Andreas Franz "Tödlicher Absturz"; ein Krimi mit der Kommissarin Julia Durant. Er schreibt spannend und immer auf hohem Niveau. Ein Buch von ihm kann noch so demoliert aussehen, Andreas Franz wird immer gelesen.

Ros emarie Marscher "Das Mädchen am Klavier" beschreibt die Mädchenjahre der Clara Schuhmann.

Stefanie Mohr"Frühstück mit einer Fotografin"; eigentlich schreibt die Autorin Krimis, doch dieser Roman ist ein Frauenroman. Und absolut lustig. Manche Leser brachten ihn am Tag nach der Ausleihe zurück, lasen die ganze Nacht hindurch in dem erfrischenden Roman.