Manchmal lebt Peter Wohlfahrt in einem Bierfass. Immer, wenn der Schreinermeister aus Bayreuth auf Mittelaltermärkten zu Gast ist. So wie beim Ritterfest auf Burg Waischenfeld. 18 Gruppen hatten dort ihr Lager aufgeschlagen.

Tagsüber sitzt Peter Wohlfahrt vor seinem Fass und hinter seinem Flohmarktstand mit Dingen, die er nicht mehr braucht. Er nennt sich "Fozzibär" oder "Dietrich von Wolfhart" und verkauft. "Es ist einfach ein schönes Lebensgefühl auf einem Mittelaltermarkt zu sein", sagt Wohlfahrt und erklärt den Besuchern, wie er darauf kam, im Bierfass zu wohnen. In sein 9428 Liter-Fass aus der Oberpfalz hat sich Peter Wohlfahrt sogar ein richtiges Bett gebaut. Transportiert wird es mit dem Autoanhänger.

"Victus precarius" steht als lateinischer Schriftzug an Wohlfahrts Fass. Das heißt so viel wie "Gnadenbrot", erklärt der Schreinermeister. Zu ihm gesellt sich Anna Haberkorn aus Eckenthal. Sie häkelt Ketten, die sie gerne herzeigt und verkauft. Das ist ihr Hobby.

Unweit der beiden kochen Christian und Sylvia Zirkel aus Stegaurach bei Bamberg über dem Lagerfeuer ihr Mittagessen. Es gibt Linsen mit Spatzen und Rauchfleisch. Spatzen, das sind Mehlklöße. Ein Gericht, das es schon bei den Wikingern gegeben haben soll, wie sie erzählen. "Früher war das ein Festtagsessen und heute gibt es das bei uns an Heiligabend", erklärt Christian Zirkel. Er ist Landschaftsgärtner und seine Frau Floristin. An manchen Wochenenden schlüpfen sie in Wikingergewänder und schlagen ihr Zelt bei Mittelaltermärkten auf.

Freude an der Geschichte

"Sma Raben Klenen" haben sie ihre kleine Wikingergruppe genannt, die um 850 nach Christus - so oder ähnlich - gelebt haben könnte. "Wir haben Spaß an der Geschichte und ganz toll ist die Geselligkeit am Abend und der Zusammenhalt der einzelnen Gruppen untereinander", sagt Christian Zirkel. Außerdem sei es toll, an den Wochenenden mit der ganzen Familie etwas zu unternehmen.

Christian Zirkel hat so schon viel erlebt. "Da gibt es tatsächlich Leute, die dann fragen, ob wir nachts in dem Zelt schlafen oder wir das essen, was wir über dem Feuer kochen. Es gab sogar schon mal einen, der gefragt hat, ob das Feuer echt ist", lacht er. Es mache Spaß, den Besuchern von der Zeit der Wikinger zu erzählen, meint Zirkel. Er versucht, authentisch zu sein. Kartoffeln werden keine gekocht: "Die gab es bei den Wikingern noch nicht", sagt Christian Zirkel.

Daneben hat eine Gruppe, die sich "Die schwarzen Adler" nennt, ihre Zelte aufgeschlagen. Sie kommen aus Bamberg und Creußen und stellen Kreuzritter, Templer und Johanniter aus dem 13. Jahrhundert dar. Seit 2009 kommen sie jedes Jahr auf den Mittelaltermarkt von Burg Waischenfeld. "Einen Tag hat es immer geregnet", sagt Thomas Paul aus Memmelsdorf im Johannitergewand. Im richtigen Leben ist er Bibliothekar an der Universität Bamberg. "Der Markt hier ist super schön und schnuckelig", sagt Paul.

Werner Kachel ist von Beruf Glasbläser an der Universität Bayreuth. Unter der Woche stellt er für die Uni Reagenzgläser und andere Gefäße aus Glas her. So wie sie eben benötigt werden. Sein Hobby ist die Kunstglasbläserei, die er den Besuchern beim Ritterfest in Waischenfeld vorführt.

Kritik an den Preisen

Das Ritterturnier am Sonntag ist wegen des Regens buchstäblich ins Wasser gefallen. Die Betreuerin einer Jugendgruppe kritiserte deshalb: "Man muss 5 Euro Eintritt bezahlen und ist man drin, dann müssen die Kinder noch einmal alles extra bezahlen", meinte sie. So wie das Kinderkarussell, das Mäuseroulette oder das Kinderschminken.

Die achtjährige Lea Eßel aus Breitengüßbach war aber gerade vom Kinderschminken total begeistert. Mit ihrer Mutter Anja wollte sie an diesem Sonntag eigentlich die Binghöhle besuchen. Und da sahen sie in Streitberg ein Plakat vom Ritterfest in Waischenfeld und disponierten um.

Anja Eßel ist ein Fan von solchen Märkten und hätte sie mehr Zeit zum Planen gehabt, dann wären sie mittelalterlich gewandet gekommen. "Der Markt ist der Hammer, er ist genial und es wird sehr viel geboten", sagt Anja Eßel und deckt sich bei Mirko Thoma mit Kirschmet ein. Mirko Thoma ist einer der Eventveranstalter des Marktes und meint, das gerade für die Kinder vom Zauberer bis zum Puppentheater sehr viel geboten werde. Die 44 Händler würden den Markt zudem bereichern. Auf der Bühne im Burginnenhof unterhält die Gruppe Schattenschweif aus Nürnberg derweil die Gäste mit Klängen aus dem Mittelalter.