Das Gasthaus "Zur Linde" hält, was es verspricht. Es steht im Kersbacher Ortskern direkt neben einer Linde. Im vergangenen Jahr ist rund um die Linde einiges passiert. Der Platz um den Baum wurde renoviert und mit einer Mauer und einem Zaun umfriedet. Das hat seitdem schon manches leicht erregbares Gemüt in Kersbach in Wallung gebracht.
Wahrscheinlich werden sich jetzt viele Kersbacher darüber gewundert haben, dass das Gasthaus vom Bamberger Amtsgericht zur Versteigerung ausgeschrieben worden ist. Ein Käufer hat sich beim ersten Termin nicht gefunden. Offenbar haben sich mögliche Interessenten auch vom aufgerufenen Kaufpreis von 348 000 Euro abschrecken lassen. Wie es mit der "Linde" weitergeht, bleibt damit bis auf Weiteres im Dunkeln. Das wird vor allem jene Kersbacher umtreiben, die mit dem Gasthaus eigene Erinnerungen verbinden. Von geselligen Abenden und schönen Feiern. In der Zeit, als Kersbach noch eine selbständige Gemeinde gewesen ist, war "Zur Linde" eine beliebte und weit bekannte Gaststätte. Eine eigene Metzgerei gab es ebenfalls im Gebäudekomplex der "Linde" und einen Veranstaltungssaal noch dazu.

Die Heimat vieler Vereine

Wirtin Babette Hofmann konnte noch gut fränkisch kochen, und so wurde so manche Familienfeier oder Vereinsfeier in diesem fränkischen Wirtshaus abgehalten. Auch Ausflügler hielten gerne hier an, um eine kräftige Brotzeit einzunehmen und im Schatten der Linde oder im Gastraum zu verweilen. Auch Kersbacher Vereine wie der Gesangsverein, Krieger- und Soldatenverein, politische Vereinigungen oder auch viele Stammtische hatten dort ihre Heimat gefunden. Im Keller des Gasthauses, so erinnern sich Mitglieder des Gesangsvereins, lag der Probenraum mit Klavier. Nach den Übungsstunden blieben dann viele Sänger noch zum Reden und Trinken in der Gaststube.
Regelmäßig trafen sich Stammtische und Kartler im Dorfgasthaus "Zur Linde", und so wurde am Samstag und Sonntag dort mancher Schafkopf ausgespielt. Der Sohn der Wirtsleute Hofmann machte für viele Kersbacher und auch auswärtigen Kunden seine bekannten fränkischen Bratwürste. Wer früher welche wollte, musste die Würste schon frühzeitig reservieren. Der Veranstaltungssaal des Gasthauses war darüber hinaus viele Jahre lang ein wichtiger Ort der Kommunikation und auch des Frohsinns. Die Vereine hielten dort ihren Faschingsball ab, und auch die Feste und Jubiläen des Gesangsvereins fanden dort statt.
Die Schlagerband "Die Flippers" hat in ihrer Anfangszeit häufig in der "Linde" gespielt.

Der Kersbacher "Heiratsmarkt"

Die Veranstaltung "Disko 2001" war im ganzen Landkreis bekannt. Am Wochenende herrschte deshalb in der "Linde" Hochbetrieb. Spannend ist es immer dann geworden, als die Sperrstunde langsam nahte. Denn zur Not war es Bürgermeister Preusch höchstpersönlich, der das Licht abdrehte.
Der eine oder andere wird dort auch den Partner für das Leben gefunden haben. Das erklärt, weshalb die "Linde" eine eine Zeit lang auch als "Kersbacher Heiratsmarkt" bekannt gewesen ist. Zuletzt war der Drogeriemarkt Schlecker im Tanzsaal untergebracht. In der "Linde" selbst treffen sich noch einige Kersbacher und trinken ein Bier zusammen. Allerdings aus der Flasche.
Denn Bier aus dem Fass darf die "Linde" ebenso wenig anbieten wie warme Speisen. Das hat das Gesundheitsamt untersagt, nachdem weder Küche noch Sanitäranlagen die Ansprüche erfüllen, die heute an ein Gasthaus gestellt werden.
Vielleicht findet sich aber ja tatsächlich ein Investor für das Gasthaus "Zur Linde". Klar ist aber auch, dass der anschließend einiges Geld in die Hand nehmen müsste, um die "Linde" wieder auf Vordermann zu bringen. Klar ist aber auch, dass ihm dies viele Kersbacher hoch anrechnen würden. Keineswegs nur die, die aus nostalgischen Gründen an der "Linde" hängen.