Das Logistik-Zentrum der Firma Lidl ist eröffnet. Aber die Frage, ob beim Bau der Gabionenwand (sie trennt das Naturschutzgebiet vom Lidl-Gelände, siehe Bild) das Naturschutzrecht verletzt wurde, ist noch nicht beantwortet.
Auch die Europäische Umwelt-Kommission, die sich seit Februar letzen Jahres mit dem Fall beschäftigt, hat ihr Urteil noch nicht gefällt. Im Dezember hatte Paul Speight, der Chef der EU-Kommission, dem Eggolsheimer Umwelt-Aktivist Heinz Marquart mitgeteilt: "Die Prüfung der Antwort der deutschen Behörden und ihrer Stellungnahmen dauert noch an."

EU fragt bei Behörden nach

Mit "deutschen Behörden" sind unter anderem das Landratsamt Forchheim, die Verwaltung der Gemeinde Eggolsheim, die Naturschutzbehörde der Regierung von Bayreuth und die Wasserschutzpolizei Bamberg gemeint. Sie alle haben sich schon mit den Protesten von Heinz Marquart beschäftigt und seine Vorwürfe von sich gewiesen. Marquart betont immer wieder, dass bei der Genehmigung des Logistikzentrums einiges falsch gelaufen ist: "Die Gemeinde und die beteiligten Behörden hatten nie beabsichtigt, die EU-Kommission zu unterrichten." Diese "Unterrichtung" wäre aber bei einer Bebauung dieser Größenordnung (vier Hektar) laut FFH-Richtlinien zwingend notwendig gewesen.

"Gehorsam unter den Beamten"

Dass der Missbrauch des Naturschutzgebietes bislang nicht aufgeklärt sei, habe auch mit dem "Gehorsam unter den Beamten" zu tun, kritisiert Marquart. So habe er beispielsweise einen Beamten des Landratsamtes angezeigt. Doch die Strafanzeige ("Verdacht des unerlaubten Umgangs mit Abfällen") bei der Wasserschutzpolizei sei ins Leere gelaufen, weil die Bamberger Behörde den Sachverhalt gar nicht eigenständig geprüft habe; sondern ihn stattdessen "inhaltlich eins zu eins vom Landratsamt Forchheim übernommen hat".
Rückendeckung erhält Marquart jetzt von seinen CSU-Parteifreunden aus Eggolsheim. Gemeinderat Peter Eismann geht davon aus, dass Marquarts These von der Überbauung des Naturschutzgebietes in Kürze vom Vermessungsamt bestätigt werde.
Heinz Marquart hat privat einen Vermesser finanziert. Dessen Ergebnis liegt Peter Eismann vor: Die Aufschotterung nördlich der Gabionenwand, die Lidl an der Grenze zum Naturschutzgebiet hochgezogen hat, bedeckt demnach eine Fläche von 5000 Quadratmetern.
"Bisher hat Bürgermeister Schwarzmann gesagt, alles sei in Ordnung. Doch wenn diese Vermessung stimmt, dann stimmt die Aussage des Bürgermeisters nicht", stellt Peter Eismann fest.
Er will nun das offizielle Ergebnis des Vermessungsamtes abwarten. Jedes Bauprojekt werde nach der Fertigstellung "nachvermessen", sagt Eismann, die Vermessung des Lidl-Projektes stehe noch aus.
Im Bauamt von Eggolsheim ist davon noch nichts bekannt. "Eine Nachvermessung ist nicht vereinbart", sagt Bauamtsleiter Robert Huber. Die "Böschungsbefestigung" (gemeint ist die umstrittene Aufschotterung nördlich der Gabionenwand) sei bereits im Sommer von Vertretern der Regierung von Oberfranken "anerkannt und bei einem Ortstermin akzeptiert" worden, sagt Huber.

Doch unabhängig davon, ob die Aufschotterung nördlich der Gabionenwand insgesamt naturschutzrechtlich haltbar ist - die Ausmaße der Aufschotterung sprechen dafür, dass Grenzen überschritten wurden.
Denn erlaubt war (laut offiziellem Bebauungsplan) die Aufschotterung auf einer Fläche von 3400 Quadratmetern. Doch diese Fläche scheint deutlich überschritten worden zu sein.
Daraus folgert Heinz Marquart: Die Gemeinde muss für diesen Eingriff in das Naturschutzgebiet Ausgleichsflächen schaffen. Im Gegenzug müsse die Gemeinde von der Firma Lidl den "Erwerbspreis" für die genutzte Fläche erhalten. Marquart spricht von bis zu 300 000 Euro.

"Grobe" Darstellung

Um den genauen Preis einer möglichen Ausgleichszahlung zu berechnen, muss also zuerst geklärt werden, wie groß die aufgeschotterte Fläche genau ist. Zu diesem Sachverhalt sagt Bauamtschef Huber: "Auf den Quadratmeter genau ist die Fläche nicht bilanziert worden - weder vorher noch nachher." Der Eingriff in das Naturschutzgebiet sei "nur grob dargestellt" worden.
Da es bei diesem Streit "um einen Haufen Geld geht", wie CSU-Gemeinderat Peter Eismann sagt, sei nun das Ergebnis des Vermessungsamtes entscheidend. "Ich gehe davon aus, dass das Vermessungsamt zum selben Ergebnis kommt, wie der von Marquart beauftragte Vermesser. Und dann muss Ausgleich geschaffen werden."