Wie kann man nur nach Forchheim ziehen? Diese Frage hatte sich die gebürtige Frankfurterin Ulrike Schreyer 1992 oft anhören müssen. "Weil es billiger war", kam sie damals von Erlangen nach Forchheim und richtete sich mit ihrer Familie im Stadtosten ein. Und noch vor drei Jahren war die Mutter von vier Kindern davon ausgegangen, dass ihr Haus in der Schlesierstraße auch ihr Alterssitz werden würde. Bis sie in der Zeitung von dem neuen Baugebiet las, das am Hallenbad-Gelände geplant war.

Die 48-Jährige fragte beim Bauamt nach. Damals stand noch nicht mal der Bauträger fest. Heute steht Ulrike Schreyer vor ihrem strahlend weißen Haus in der Merowinger Straße 10a und kann es noch nicht so recht fassen, dass sie hier im Mai mit zwei ihrer Kinder einziehen wird. "Es ist schon ein komisches Gefühl", sagt sie, "plötzlich mitten in der Stadt zu leben und trotzdem die Natur direkt vor der Haustür zu haben". Damit meint sie den Stadtpark, der an das alte Hallenbad-Gelände grenzt; und die Sportinsel, die fünf Gehminuten entfernt liegt.

Als Ulrike Schreyer vor zwei Jahren ihr altes Haus verkauft und sich für das urbane Wohnen entschlossen hatte, bekam sie wieder kritische Fragen zu hören. Diesmal hieß es: Wie kann man nur in diese Enge ziehen? Diese Frage pflegt Ulrike Schreyer mit vier Worten zu beantworten: "Es ist ein Stadthaus!"

Ein Leben ohne Auto

Kein Altbau biete all diese Vorzüge: Sie werde, sagt Ulrike Schreyer, in einem energetisch modern ausgestatteten Haus mit Dachterrasse, zwei Stellplätzen und Garten mitten im Zentrum leben. In unmittelbarer Nähe fänden sich Geschäfte, Schulen und Ärzte. Und im Alter sei dank der Infrastruktur rund um die Merowinger Straße ein Leben ohne Auto möglich.

Das Vorurteil vom "kasernenartigen Wohnen am alten Hallenbad-Gelände" ist auch Edgar Hubrich zu Ohren gekommen. Er wundert sich darüber: "Versuchen Sie mal einen Bauplatz in Forchheim zu bekommen. Da werden dir 1500 Quadratmeter angeboten. Ich will doch keine Plantage anbauen."

In fünf Minuten am Rathausplatz

Noch wohnt er mit seiner Frau Nadine am Kellerberg. "Eine unschlagbar schöne Aussicht", schwärmt der Forchheimer und freut sich dennoch auf den bevorstehenden Umzug. "Dann bin ich zu Fuß in fünf Minuten am Rathaus und der Einkaufsmarkt ist nebenan." Wer die dichte Bebauung beklagt, dem rät Edgar Hubrich "nach Erlangen zu schauen, da steht das Auto auf dem Gartengrundstück." Und was die "Schönheit" betrifft, bittet er um Geduld: "Natürlich muss da noch Leben reinkommen. Da warten wir mal ein Jahr ab. Da sind jetzt die Eigentümer mit ihrer individuellen Gestaltung gefordert. In der Innenstadt werden sie solche Gärten nicht noch einmal finden."

Letztlich, sagt Ulrike Schreyer, "machen es doch die Menschen aus, ob das Gebiet liebevoll ist". Bei den Kritikern vermutet sie so etwas wie "Angst vor was Neuem". Sie jedenfalls könne sich gut vorstellen, in einem grünen Garten mitten in einer lebendigen Stadt zu wohnen. Und wie lebendig Forchheim seit den 90er Jahren geworden sei, habe sie ja selbst miterlebt: "Ein Leben fand damals Abends auf den Straßen nicht statt. Das hat sich geändert."


Hintergrund: Neue Heimat für 220 Menschen

Gelände: 16.700 Quadratmeter groß ist das Areal, auf dem einst ein Hallenbad und die Stadtgärtnerei standen. Die Firmen Mauss (Bauträger) und die Sontowski & Partner GmbH (Vertrieb) erwarben das Gelände von der Stadt im Dezember 2011. Im Frühjahr 2012 waren die alten Gebäude abgebrochen worden, im September 2012 hatte das Bauen begonnen. Seitdem entstanden 48 Häuser; sie stehen mit einer Wohnfläche zwischen 133 und 138 Quadratmetern auf Grundstücken, die zwischen 140 und 230 Quadratmeter groß sind.

Außerdem hat das evangelische Siedlungswerk auf dem Areal 33 Zwei- bis Vierzimmerwohnungen gebaut. Wenn alle Wohnungen und Häuser Ende 2014 bezogen sein werden, leben hier rund 220 Menschen.

Wert: Für einen Kaufpreis zwischen 330.000 Euro und 420.000 Euro waren die Häuser auf dem ehemaligen Hallenbad-Gelände vor zwei Jahren zu haben. "Noch vor Baubeginn waren die Häuser weitgehend verkauft", erinnert sich Thomas Posch, der Prokurist der Firma Mauss. "Heute würde jedes Haus 15 bis 20 Prozent mehr kosten", sagt Thomas Posch. Als Grund nennt der Prokurist die gestiegenen Baukosten und den "Druck am Immobilienmarkt".