Wie erst jetzt bekannt wurde, ist der Gößweinsteiner CSU-Ortsvorsitzende Hanngörg Zimmermann bereits am vergangenen Sonntag von seinem Amt zurückgetreten und aus der CSU ausgetreten. Zimmerman will nun eine eigene unabhängige Wählerliste ins Leben rufen, mit der er bei der Gemeinderatswahl im Frühjahr 2014 als Gegenkandidat von Bürgermeister Georg Lang (CSU) ins Rennen um das Bürgermeisteramt von Gößweinstein gehen will.

Zwei Bürgermeister-Kandidaten

Hintergrund von Zimmermanns Rückzug aus der CSU ist die gemeinsame Nominierung des CSU-Bürgermeisterkandidaten der CSU-Ortsverbände Gößweinstein und Wichsenstein, bei der es zum Eklat kam.
Während einer gemeinsamen Vorstandssitzung beider CSU-Ortsverbände im Gasthaus Greller in Wichsenstein am 1. Oktober wurde Hanngörg Zimmermann mit acht gegen sechs Stimmen zum CSU-Bürgermeisterkandidaten von Gößweinstein gekürt. Danach fand im Gasthof Fränkische Schweiz in Gößweinstein am 13. Oktober, erneut unter Ausschluss der Öffentlichkeit, eine Mitgliederversammlung beider CSU-Ortsverbände statt, bei der der amtierende Bürgermeister Georg Lang mit 29 zu 14 Stimmen erneut zum CSU-Bürgermeisterkandidaten von Gößweinstein gewählt wurde.

Daraufhin zog Zimmermann dann am vergangenen Sonntag seine Konsequenzen, legte den Vorsitz des CSU-Ortsverbands Gößweinstein nieder und trat als Fraktionsvorsitzender der CSU im Marktgemeinderat zurück und aus der Partei aus. Zimmermann ist nun bis zur nächsten Kommunalwahl fraktionsloses Mitglied im Marktgemeinderat.

Wie der 46-jährige Diplom-Kaufmann und Geschäftsführer eines renommierten Unternehmens in der Medizintechnik erklärt, sei er in den vergangenen Wochen verstärkt aus den eigenen Reihen der CSU und der Bevölkerung gebeten worden, für das Amt des Bürgermeisters von Gößweinstein zu kandidieren. Beruflich und damit auch finanziell hätte eine Wahl zum Bürgermeister bedeutet, auf vieles zu verzichten und vor allem deutliche Gehaltseinbußen in Kauf zu nehmen. Der Gewinn für ihn persönlich wäre jedoch ein aktives Leben in einer wunderschönen Marktgemeinde gewesen, mehr Zeit für Freunde und Familie und ein engerer Kontakt sowie eine stärkere Verbundenheit zur Bevölkerung. Unter Bürgermeister Georg Lang sei in Gößweinstein kaum etwas vorangegangen, sagt er.

Es gäbe viel zu tun in Gößweinstein

Als aktuelle Themen, die zeitnah einer Lösung bedürfen, nennt er unter anderem ein Nachnutzungskonzept für das Hallenbad, die Rathaussanierung, die Verbesserung der Gemeindestraßen und der Zustand der Straßen und der Feuerwehren. "Hierbei sind wir sicherlich im Handlungsspielraum durch unsere finanziellen Möglichkeiten eingeschränkt. Jedoch müssen wir mit Augenmaß und Sachverstand agieren und nicht nur reagieren", so Zimmermann.

Die größten Chancen des Marktes sieht er im Tourismus. "Hier gilt es ein klares und unverwechselbares Image aufzubauen. Neben Natur und Kirche sehe ich eine Fokussierung auf den Bereich Gesundheit, Wellness und Erholung für dringend erforderlich", so Zimmermann. Und zur Stabilisierung der Bevölkerungsentwicklung sollte man sich in Gößweinstein mehr mit generationsübergreifenden Themen auseinandersetzen.
Zimmermann hätte für eine bürgerfreundliche Verwaltung gestanden, er hätte sich persönlich um alle Sachverhalt kümmern wollen. Gewerbebetriebe müssten expandieren, neue Firmen müssten sich in Gößweinstein ansiedeln können. "Informationen müssen in Zukunft transparent gemacht und Versionen entwickelt werden und ein Bürgermeister müsste auch Aktivitäten entwickeln und aktiv begleiten", sagt Zimmermann.
Wie er ankündigte, wolle er nun zur Kommunalwahl 2014 eine oder sogar zwei eigene unabhängige Wählerlisten aufstellen, für die er selbst als Bürgermeister kandidieren will.

Georg Lang ist überrascht und enttäuscht

"Ich bin sehr überrascht und sehr enttäuscht", erklärte Bürgermeister Georg Lang gestern auf Anfrage. Über Zimmermanns Vorgehensweise sei er erstaunt, weil sich dieser noch im Vorfeld ganz anders geäußert habe.

"Man muss das alles jetzt erst einmal setzen lassen und alles andere wird die Zukunft zeigen", so Lang, der auf eine Presseerklärung von Marktrat Peter Helldörfer (CSU) verwies, die gestern Nachmittag unsere Redaktion erreichte. Helldörfer berichtet darin von einer weiteren Vorstandssitzung, die nach der Mitgliederversammlung stattgefunden hat. Eingehend sei dabei ein Entwurf eines Wahlvorschlages zur Gemeinderatswahl diskutiert worden. Hauptziel sei es, möglichst alle Bereiche, sowohl gebietsmäßig als auch gesellschaftlich, abzudecken. Möglichst noch vor Weihnachten soll bei einer Mitgliederversammlung die CSU-Wahlliste aufgestellt werden.
Wie Helldörfer weiter mitteilt, konnte Lang sich bei seiner Vorstellung bei der Nominierungsversammlung als CSU-Bürgermeisterkandidat gegen Zimmermann durchsetzten, da er offenbar durch seine erfolgreiche Arbeit überzeugen konnte. Bedauerlich sei allerdings, dass Zimmermann dies offensichtlich veranlasst habe, sich von der CSU abzuwenden. Helldörfer kündigte an, dass bei der nächsten Mitgliederversammlung auch eine Nachwahl des CSU-Ortsvorsitzenden stattfinden werde.

Kommissarische Führung

Bis dahin wurde der Morschreuther Ortssprecher Hans Heckel beauftragt, die Geschäfte des CSU-Ortsverbandes Gößweinstein kommissarisch zu führen. Aller Vorausicht nach wird es in Gößweinstein bei der nächsten Gemeinderatswahl dann erstmals vier Bürgermeister-Kandidaten geben. Denn sowohl Jürgen Kränzlein (SPD) als auch Rainer Polster von den Freien Wählern erklärten auf Nachfrage, dass sie mit einem eigenen Kandidaten ins Rennen gehen werden. Namen nannten sie aber noch nicht.