Etwas Neid liegt in den Blicken, als Regionalkantor Georg Schäffner in einem Gasthaus seinen Schnupftabak herauszieht und sich eine Prise gönnt. Spitze Bemerkung hat der bekennende Schnupfer auch eingefangen, müssen doch die anderen Tabakfans ins Freie, wenn sie ihrer Lust frönen wollen.

Schäffner hat nie geraucht. Zum Schnupfen ist er als Student an der Fachakademie für Kirchenmusik in Regensburg gekommen. In den Übungsräumen herrscht dort absolutes Rauchverbot. Die Raucher unter den Kommilitonen griffen deshalb zur Tabakdose.

Gibt es ein ähnliches Phänomen heute, in Zeiten des Rauchverbots? Sabine Warmuth von Tabak Hocke in Forchheim ist sich da nicht sicher. Sie weiß nur, dass der Verkauf von "richtigem Schnupftabak" nicht zurückgegangen ist. Sie hat viele regelmäßige Kunden.

Über 40 Jahre schnupft Schäffner schon; vor sechs, sieben Jahren hat er die Menge reduziert. "Weniger wegen der Gesundheit, sondern um mir zu beweisen, dass ich die Sucht im Griff habe", sagt er offen.

Was die Gefahren für die Gesundheit angeht, ist er als Schnupfer im Vergleich zum Raucher auf der besseren Seite. Die sogenannte Süddeutsche Nasenkrebsstudie, die vom Institut für Präventionsforschung der Universität Bremen geleitet wurde, hat bei sonst nicht rauchenden Schnupfern kein erhöhtes Krebsrisiko festgestellt. Anders bei Rauchern und Menschen, die exzessiv Nasenspray verwenden. Die Ergebnisse der Studie wurden von der Weltgesundheitsorganisation bestätigt.


Gut für die Kommunikation

Schnupfen ist für Schäffner eine kommunikative Tätigkeit. Es sei durchaus üblich, dass andere auf einen zugehen, der gerade seine Dose aus der Tasche zieht. Das sei wohl heute unter Rauchern anders, meint er. Eine Prise so mit jemandem teilen, das macht er gerne. Sonst pflegt er keine besonderen Schnupferrituale.
"Schnupfen tut gut bei Stress", ist er sich sicher. Bei ihm ist so eine Situation das Vorfeld eines Konzerts. "Da ist so eine Prise erfrischend".

Dieses Wechselfeld mit Stress kennt auch FT-Redakteur Josef Hofbauer. Er hat mit dem Schnupfen angefangen, als er sich das Rauchen abgewöhnte. "Immer wenn ich eine Zigarette wollte, habe ich eine Prise genommen."
Später auch das Schnupfen zu reduzieren, sei ihm dagegen viel leichter gefallen. Über die kommunikationssteigernde Wirkung des Schnupfens sind sich die beiden Konsumenten allerdings einig.

Und den verhinderten Rauchern im Wirtshaus raten beide: "Schnupft halt selber!" Hofbauer gibt ihnen sogar noch ein Stück Volkslyrik mit: "Wenn schon Ohr und Mund sich laben, muss die Nase auch was haben."

Auch Wilhelm Busch hat sich des Schnupfens angenommen. Er reimte: "Ja! sehr erheitert uns die Prise, vorausgesetzt, dass man auch nieße."

Dem kann sich Georg Schäffner nicht anschließen. Nur Anfänger - er sagt Probierer - erwische der Nießreiz mit hoher Wahrscheinlichkeit. Wohl bekomm's!