Der Pretzfelder Theo Haas "blättert 60 Jahre zurück" und erzählt unter diesem Titel in der 2010 von ihm herausgegebenen Fibel treffende Begebenheiten von Freud und Leid eines Organistenlebens, dessen langer Weg von vielen Kuriositäten gesäumt wurde. Um so mehr passen diese Erinnerungen zu seinem 80. Geburtstag, den er am Mittwoch im Familienkreis feiert. Die Volks- und vor allem die Kirchenmusik prägte ihn nachhaltig und bestimmt noch immer sein Leben.

Der frühere Verwaltungsangestellte, in einer kleinbäuerlichen Familie aufgewachsen, wurde in eine Familie hineingeboren, in der Singen und Musizieren zum täglichen Leben gehörte. Als 18-Jähriger hat Haas am 1. Januar 1951 den Organistendienst in der Pretzfelder Kirche St. Kilian übernommen, nachdem er von Josef Spörl, dem früheren Bamberger Organisten der Pfarrei St. Martin, entsprechend ausgebildet worden war.

Seit 62 Jahren Organist

In den bislang 62 Jahren als nebenamtlicher Organist hat der Jubilar bisher sechs örtliche Pfarrer begleitet und somit zweifellos einen erheblichen Teil zu der Pretzfelder Kirchengeschichte beigetragen. Zur Musik gehört auch der Gesang und so lag es nahe, dass er bereits seit 1950 die Leitung des Kirchenchores St. Kilian sowie des Männerchores im damaligen katholischen Burschen- und Männerverein übernahm.

Bekanntlich sind aber aller guten Dinge drei; daher darf Haas als Leiter der Pretzfelder Kerschtnzupfer nicht unerwähnt bleiben. Die Kerschtnzupfer formierten sich 1968 nach einer Kirchweih aus einer Betzentanzgruppe und gehörten 37 Jahre lang als Gesangs- und Volkstanzgruppe zu den singenden Pretzfelder Kulturträgern, die auch durch den Bayerischen Rundfunk zu Fernsehehren gelangte.

Nach einem Abendgottesdienst im Mai 2010 blieb die "Kemmerten-Retl" als Zeitzeugin unvermittelt auf der Kirchentreppe neben dem Organisten stehen und meinte: "Du hast heute genau vor 60 Jahren bei unserer Hochzeit (Theodor und Margarete Kemeth) gespielt." Seither hat er unzähligen Hochzeiten, aber auch Beerdigungen, den würdigen Rahmen gegeben. Selbst sagt er: "Über dem Gehäuse der Orgel stand Soli deo gloria (Gott allein zur Ehre); diesen unausgesprochenen Auftrag habe ich mein ganzes Leben lang ernst genommen."

Fränkische Mundart

Gerade durch sein musikalisches Wirken hat Theo Haas unvergesslich schöne Erinnerungen an die stimmungsvollen Kappenabende in den Wirtshäusern bei Maria und Günther Püschel, der Kutlersch-Retl oder in der Schule.

Nicht nur der Obstgarten und die Pflege seiner Kirschbäume beschäftigen ihn, sondern bei vielen Lesern des FT, teilweise auch im Bayerischen Rundfunk, hat sich Haas als Zeitzeuge mit in Mundart geschriebenen Erlebnissen aus dem früheren Pretzfelder Dorfleben einen Namen gemacht und damit nicht nur die fränkische Mundart, sondern auch alte Pretzfelder Episoden der Nachwelt erhalten.