König Ammon", wie viele ihn liebevoll und mit Respekt noch heute nennen, hat nach dem Abschied vom Landrats-Thron 1996 sein privates Reich in der Familie gefunden. Mit dem Rückzug aus der Politik habe er keine Probleme gehabt, versichert er und betont: "Diejenigen, die nach ihrer Amtszeit nicht loslassen können, die bedauere ich."

Wir treffen ihn erstmals nach 16 Jahren wieder - und das Verblüffende: Er ist noch der Gleiche. Bescheiden in der Beurteilung eigener Verdienste, geradlinig in seinen politischen Ansichten und offen im Gespräch über sein privates Leben - und auf letzterem liegt der Schwerpunkt beim Besuch in seinem Arbeitszimmer. Zugegeben, mit dem Laufen klappt's nicht mehr so gut. "Die Bandscheibe", erklärt Ammon, als er langsam zum Schreibtisch geht. Früher allerdings, so erzählt er, sei er oft und gerne mit seiner Frau Charlotte Wandern gegangen. Und in den 50er-Jahren habe er gar das Deutsche- und Bayerische Sportabzeichen in Gold errungen - "jeweils zehn Mal in Folge!"


Geistvolles Hobby

Sein Arbeitszimmer ist nüchtern, obwohl die Dekoration auf dem Büroschrank hochprozentig ist. Otto Ammon beweist Sinn für Geist - nicht nur im Kopf ist er topfit und gut sortiert - sondern auch seine in Flaschen abgefüllten geistigen Erzeugnisse können sich sehen lassen. Seine große Leidenschaft: die Schnapsbrennerei. Das Können liegt in der Familie. Seine Schwiegereltern hatten eine Land- und Gastwirtschaft. Die Familie Ammon hat schon seit rund 60 Jahren ein Brennrecht. Dem Brennen edelster Schnäpse aus handverlesenen heimischen Früchten ist Otto Ammon bis heute treu geblieben. Seine Produkte sind ein Geheimtipp unter Liebhabern, beispielsweise der alte Apfelbrand, fünf Jahre gelagert im Eichenholzfass! Er selbst genießt am liebsten einen Williams oder einen Schlehengeist. Seine Überzeugung:"In Maßen genossen, kann's nicht schaden."

Die Brennerei mache natürlich Arbeit, gibt Ammon zu. Aber in seiner jetzigen (Ruhestands-)Situation könne er eigentlich gar nicht mehr einschätzen, was anstrengend ist, denn: "Ich kann mir's ja einteilen." Er sei noch nie in seinem Leben ein Langschläfer gewesen, betont der 85-Jährige. Wenn's zum Brennen geht, ist er schon um sechs Uhr aus den Federn. Und früher, als er noch Reden gehalten habe, sei er zur Vorbereitung schon früh um vier aufgestanden: "Dann ist man geistig am frischesten", erklärt Ammon.


CSU-Mitglied der ersten Stunde

Und dann ist er doch wieder bei der Politik: "Ich betone", so der Altlandrat, "bei der Kommunalpolitik!" Die habe ihn von Anfang an fasziniert. "Weil es Leute geben muss, die sich auf dieser Ebene engagieren." Er habe ein oder zwei Mal die Möglichkeit gehabt, ein Bundestags- oder Landtagsmandat anzunehmen, betont Ammon, erklärt aber: "Ich habe dies nicht wahrgenommen, weil ich immer die Lokalpolitik bevorzugt habe."

Mit Stolz erzählt er: "Ich war eines der jüngsten Mitglieder, als ich 1946 der CSU beigetreten bin." Die Politik liegt ihm im Blut. "Mein Vater war bis 1933 bei der Bayerischen Volkspartei - erzkonservativ und katholisch - musste dies aber auf Druck der Nazis aufgeben."

Mit 26 Jahren wurde Otto Ammon 1954 in Reuth zum damals jüngsten Bürgermeister der Bundesrepublik gewählt. Rund 50 Stimmen habe er mehr gehabt als sein Gegenkandidat, ein Landwirt aus Reuth. "Mit dem habe ich mich aber bis zum Ende seines Lebens gut verstanden", betont Ammon.

Und noch ein eindrucksvolles Ereignis: Mit einem Wahlergebnis von 99,3 Prozent (!) wurde Otto Ammon 1964 Landrat."Ich hatte allerdings keinen Gegenkandidaten", gibt er zu. Der Schock 1996, als er in den Ruhestand trat und Walter Hofmann kandidierte, war umso größer: In einer Stichwahl ging der so sicher geglaubte "Erbhof" der CSU an Reinhardt Glauber von den Freien Wählern.

Otto Ammon im Rückblick: "Ich hätte nie geglaubt, dass für die CSU jemals der Landratsposten verloren gehen könnte." Zu seiner Partei heute meint er: "Die CSU befindet sich auf lokaler Eben in einer äußerst schwierigen Situation". Sie müsse wieder ans Ruder kommen, um politisch wirken zu können. Aus "Prinzipien der Anstandswahrung" wolle er jedoch in diesem Thema nicht weiter "herumwühlen", hält sich das politische Urgestein in Weisheit zurück.

Statt über die CSU spricht Otto Ammon lieber über seine wirkliche Familie: "Ich bin glücklich, dass hier auf unserem Areal vier Generationen wohnen - so kann ich mich später einmal getrost die 'Altenheimleitung' meiner Tochter anvertrauen."

Wir wünschen dem Jubilar, dass er noch viele Jahre nach dem von ihm geliebten Spruch Don Boscos leben kann: "Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen".