Thomas Fleischmann ist ein geduldiger Mensch. Das muss er auch sein, denn in seinem Beruf wäre Eile und Ungeduld nur ein großes Hindernis. Thomas Fleischmann ist Brenner. Er hat von seinem Vater Robert die Whisky-Destillerie "Blaue Maus" übernommen. Die "Blaue Maus", das ist immerhin die älteste Single-Malt- Whisky-Destillerie in Deutschland.

Seit 30 Jahren stellt Fleischmanns Familie in Eggolsheim den Malt-Whisky her. "Es war eine Schnapsidee", lacht Vater Robert Fleischmann. Dementsprechend steinig war auch der Anfang. Das erste Problem sei schon gewesen, überhaupt den notwendigen Malz zu bekommen.

Ein teurer Spaß
Aber Fleischmann, der wie sein Sohn Thomas nicht nur geduldig, sondern auch stur sein kann, hat eine Mälzerei gefunden, die ihn bei seinem Vorhaben unterstützt.

Nachdem das "Hauptzollamt Stuttgart-Zentralstelle Abfindungsbrennen" dem Brenner am 19. Februar 1983 die Herstellung von Branntwein genehmigt hatte, floss schon vier Tage später das erste Destillat aus der Brennblase. Das Ergebnis stellte Fleischmann aber nicht so recht zufrieden. Es fehlte dem Unternehmer einfach noch am richtigen Händchen für den Whisky. Außerdem war das Ganze damals noch ein ziemlich teurer Spaß. Steuern und der Wareneinsatz standen in keinem Verhältnis zu den Einnahmen.

Aber Scheitern bedeutet immer auch die Chance, es beim nächsten Mal besser machen zu können. Fleischmann las sich das nötige Wissen an. Vor allem aber probierte und probierte er. Irgendwann hatte Fleischmann dann tatsächlich den Kniff heraus. Schon 1996 würdigte der deutsche "Whisky-Papst" Walter Schobert die Erzeugnisse der "Blauen Maus".

Penible Männer vom Zoll
Zu seinem Glück hatte Robert Fleischmann zu diesem Zeitpunkt schon ein beträchtliches Whisky-Lager aufgebaut und konnte so die plötzlich einsetzende Nachfrage befriedigen: "Es war ein finanzielles Risiko. Es hätte auch anders enden können", sagt Fleischmann heute.

Der jährliche Branntwein-steuereinsatz summierte sich damals auf rund 6000 DM. Hinzu kamen die Ausgaben für das Malz und weiteres Zubehör in Höhe von rund 15 000 DM.

Diesen jährlichen Aufwand musste Fleischmann zu den üblichen Zinsen vorfinanzieren. Sein Sohn Thomas hat es heute deutlich leichter. Er kann das Reifen seiner Destillate mit mehr Gelassenheit abwarten. Im Schnitt um die acht Jahre ist sein Whisky alt, bevor er ihn verkauft.

In finanzielle Vorleistung muss aber auch er noch gehen. Denn die Beamten des Hauptzollamts aus Schweinfurt kommen regelmäßig nach Eggolsheim Der Rohbrand, aus dem der Whisky reift, unterliegt der Branntweinsteuer.

Thomas Fleischmann besitzt ein sogenanntes Brennrecht für 400 Liter Alkohol. Sein Vater betreibt weiterhin eine Abfindungsbrennerei mit einem Brennrecht von 300 Litern.

Und die Zollbeamten sind bei ihren Kontrollen naturgemäß peinlich genau. "Bei uns geht kein Liter an der Steuer vorbei", sagt Thomas Fleischmann.

Am liebsten hält sich Thomas Fleischmann in seinem Lagerkeller auf. Dort, wo sein Kapital in großen Eichenfässern lagert.

Hier kommt Fleischmann zur Ruhe. Denn Ruhe, das hat er längst gelernt, ist das Wichtigste für einen echten Whisky-Brenner.

An diesem Wochenende können interessierte Whisky-Freunde die Destillerie von Thomas Fleischmann besuchen. Sie hat am Samstag und am Sonntag jeweils ab 10 Uhr für Besucher geöffnet.