Spielzeug-Tintenfische in blau und knallorange für die Tochter, eine grüne Handyhülle für die Ehefrau mit eigens entworfenem "I love my family"-Aufdruck und auch mal ein Ersatzteil für die Dunstabzugshaube.

Seit Dominik Scholz mit dem Bau seines 3D-Druckers fertig geworden ist, kostet er die Möglichkeiten des Geräts voll aus. Vor einem dreiviertel Jahr brachte ihn der Freund seiner Schwester auf die Idee, und der Wimmelbacher fing mit dem Basteln an: "Ich habe mir keinen Fertigbausatz gekauft, weil ich Lust aufs Tüfteln hatte." Einzelne Teile für das Gerät bestellte er auf speziellen Seiten im Internet, das meiste kaufte er "einfach in jedem gut sortierten Baumarkt".


Drucker vervielfältigt sich selbst

3D-Drucker - das klingt für viele noch nach unglaublich teuren und seltenen Geräten, aber tatsächlich bauen sich wie Scholz immer mehr Leute selbst einen kleinen 3D-Drucker für zu Hause. Die Tüftel-Fans haben sich im Internet zur sogenannten RepRap-Community zusammengeschlossen.

Der RepRap-Drucker war der erste, der viele seiner Bestandteile selber drucken und sich so selbst vervielfältigen konnte. So ist auch das Ziel der Internet-Gemeinschaft, Bauteile und Ideen zu teilen, um der Kommerzialisierung des 3D-Drucks durch große Firmen entgegenzuwirken.


Bauzeit: 20 Stunden

Dominik Scholz hat über Monate hinweg die einzelnen Teile zusammengekauft, das Zusammenbauen erforderte nur 20 Stunden bis zum ersten Druck. Investiert hat der 29-Jährige bis dahin rund 650 Euro. Schnell habe er dann den Bogen raus gehabt und den Druckvorgang verfeinert.

Wenn Scholz ein dreidimensionales Objekt ausdrucken will - wie etwa eine Oktopus-Figur - muss er entweder selber ein Produkt designen mit frei verfügbarer Software wie OpenSCAD oder er benutzt ein kostenfreies, fertiges Design aus dem Internet. Dort werden, auch Programme für 3D-Objekte geteilt. Für den Tintenfisch lädt er sich einfach die Informationen von der Internetseite www.thingiverse.de herunter. Vom Computer werden die Befehle per USB-Kabel an den Drucker übertragen.

Am PC kann Scholz dann die Produktion verfolgen. Für den Druck selber benutzen die Bastler hauptsächlich Plastikdrähte auf meterlangen Spulen, beliebt ist zum Beispiel der Kunststoff PLA, weil er gesundheitlich unbedenklich und geruchsfrei ist. Von der Kabelspule wird der Plastikdraht in den komplett beweglichen Druckkopf gezogen. Ein Gewinde drückt den Draht dann in die Druckdüse. Diese ist so heiß, dass der Plastikdraht sofort schmilzt.


Das Material erhärtet sofort

Durch die Bewegungen des Druckknopfes wird das geschmolzene Plastik dann mit einer Stärke von einem halben Millimeter auf eine Glasplatte gedruckt. Dort erhärtet das Material sofort, und die nächste Lage kann aufgetragen werden. So wird das Objekt Schicht für Schicht aufgebaut. Wenn der Druck abgeschlossen ist, kann das Produkt ganz einfach von der Glasplatte abgelöst werden. Für ein drei Zentimeter hohes Tintenfisch-Spielzeug braucht der Drucker "Marke Eigenbau" eine knappe halbe Stunde.

Den Alu-Rahmen, der die verschiedenen Bestandteile des Geräts verbindet, die Steuerungsplatine und das sogenannte Ramps-Board hat Scholz speziell für 3D-Drucker bestellt. All diese Bauteile seien auch für Branchen-Neulinge problemlos zu erhalten, aber "vergleichen und ein bisschen Recherche lohnt sich schon", sagt Scholz. So lasse sich viel Geld sparen.

"Die langfristige Idee ist ja, dass der Trend zur Kleinproduktion geht. Allerwelts-Sachen könnte man zu Hause oder in der Nachbarschaft fertigen", schwärmt Scholz. Er verfolge auch, was sich auf höheren Ebenen der 3D-Drucker-Bewegung tut: "Die NASA hat festgestellt, dass es billiger ist, Prototypen auszudrucken. Und bei Microsoft wurde diskutiert, den Treiber für 3D-Drucker im Betriebssystem Windows zu installieren." Auch Anwendungen in der Medizin kündigen sich an: Derzeit wird das Drucken von Knochenprothesen und Herzgefäßen erforscht.


Dritte industrielle Revolution?

Wer als Laie in die RepRap-Bewegung einsteigen will, kann sich entweder unter www.reprap.org Baupläne herunterladen oder einen Fertig-Bausatz bestellen. "Das ist dann von der Schwierigkeit etwa wie ein Ikea-Schrank", erklärt Scholz. Er schreibe selber auch Produkt-Programme, als Web-Designer sei er ja "eine Art Informatiker".

Für alle anderen gäbe es auf www.thingiverse.de genug Produktideen zum Herunterladen und Ausdrucken. Einige Fachleute sprechen sogar von der dritten industriellen Revolution. "Das kann schon sein", sagt Dominik Scholz und lacht. Fürs erste ist er froh, dass er auch noch in letzter Sekunde schnell Geburtstagsgeschenke zur Hand hat - einfach selbst ausgedruckt.