Ein 20-jähriger Mann musste sich vor Gericht verantworten, da ihm die Misshandlung einer Minderjährigen vorgeworfen wurde. Anfang des Jahres hatte er auf seine eineinhalb-jährige Tochter in der Wohnung seiner damaligen Freundin in Kirchehrenbach aufgepasst. Die junge Frau war morgens außer Haus gegangen, um ihren Bruder aus Kulmbach abzuholen.

In dem Zeitraum von neun Uhr morgens bis ungefähr zwölf Uhr mittags kümmerte sich der Angeklagte um seine Tochter. "Sie hat sich mit dem Hinterkopf am Tisch angestoßen", erklärte der 20-jährige Auszubildende. Sie hatte jedoch nur kurz geweint und ließ sich schnell wieder von ihm beruhigen, erklärt er weiter. "Ich weiß nicht wie es zu der Verletzung gekommen ist."

Verletzung fiel beim Baden auf

Nachdem seine damalige Freundin wieder nach Hause kam, aßen sie gemeinsam zu Mittag und die Tochter legten sie danach für ihren Mittagsschlaf ins Bett. Nachdem sie wieder wach war, spielte sie noch zusammen mit ihrem Vater und wurde gegen 17 Uhr gebadet. "Meine Tochter hat sich zwar gefreut, als ich wieder da war, aber sie wollte dann nur mit ihm spielen", erklärt die 22-jährige Mutter.

Da fiel das erste Mal ihre große Beule auf der rechten Schädelseite auf, woraufhin das junge Paar sofort mit ihrer Tochter ins Krankenhaus fuhr. Dort stellte sich nach einer ärztlichen Untersuchung heraus, dass das Mädchen einen Schädelbruch sowie eine kleine Hirnblutung erlitten hatte.

Widersprüche bei Zeugen

Bei den Aussagen der weiteren Zeugen, der Oma und Uroma des Kindes, gab es viele Widersprüche. Die Mutter des geschädigten Kindes erzählt: "Ich traue es ihm nicht zu, dass er sie verletzt hat. Er hat schon fünf bis sechs Mal auf sie aufgepasst, ich hatte keine Bedenken, die beiden alleine zu lassen." Die Polizei sicherte einige Nachrichtenverläufe von Whatsapp als Beweismaterial. In diesen Gesprächen mit ihrer Mutter hingegen sagte sie wieder das Gegenteil über den Angeklagten aus.

Die besorgte Oma hatte schließlich die Polizei aufgesucht. "Die zwei müssen irgendwas gemacht haben, aber meine Tochter war das nicht. Bei dem Angeklagten kann ich es mir auch nicht vorstellen", sagte sie aus. Sie vermutete, dass beim Spielen etwas passiert sei.

Da sich das Mädchen beim Spielen einen Tag vorher in der Kinderkrippe den Kopf an einer Holzplatte gestoßen hatte, wurden auch die Erzieherinnen befragt. Diese stellten jedoch keine Verletzungen an der Stirn des Kindes fest. Auch die geladenen Polizisten sowie der Gerichtsmediziner konnten nichts genaues zu dem Tathergang sagen. "Ich kann nicht genau sagen, ob die Beule durch einen Schlag oder Anstoßen an einem Gegenstand entstanden ist", erklärt der Peter Betz, Facharzt für Rechtsmedizin in Erlangen.

Staatsanwältin Christiane Schütte war mit den Ergebnissen der Verhandlung nicht zufrieden, aber auch nicht von der Schuld des Angeklagten überzeugt. Daher forderte sie in ihrem Plädoyer einen Freispruch des Angeklagten. "Die Zeugen haben sich widersprochen und die Beweise sind zu dünn. Vieles ist noch immer Unklar."

"Als Vater weiß ich, wie schnell sich Kinder weh tun können", erzählt Verteidiger Norbert Schreck und konnte dem Plädoyer der Kollegin der Staatsanwaltschaft nur zu stimmen.

Dem konnte sich auch nur Jugendrichter Philipp Förtsch anschließen und sprach den jungen Mann frei. Viele wesentliche Informationen seien von den Zeugen verschwiegen worden oder es habe sich dabei um Vermutungen gehandelt. "Das Urteil ist insofern unbefriedigend, weil das Kind nicht für sich sprechen und nicht erzählen kann, was ihm wirklich passiert ist."