Das Motto Sommer-Reporter passt diesmal eher weniger gut, denn der Himmel ist bewölkt und ein paar Tropfen platschen auf meine Windschutzscheibe, als ich auf den Parkplatz des Erlebnisparks Schloss Thurn einbiege. Trotzdem versuche ich mir heute vorzustellen, wie es ist, wenn man bei sonnigen 30 Grad im Park seine Brötchen verdient.

Damit ich mich unauffällig unter die Mitarbeiter mischen kann, bekomme ich vom Geschäftsführer Benedikt Graf Bentzel höchstpersönlich ein weinrotes Schloss-Thurn-Shirt mit Dinolino-Aufdruck überreicht. Das Maskottchen läuft mir auch prompt über den Weg. Ein Erinnerungsfoto wird natürlich gleich geschossen und insgeheim bin ich trotzt des kühlen Wetters heilfroh, dass ich mich nicht in das grüne Kuschel-Kostüm zwängen muss.
Für meine erste Station muss ich nur drei Meter weit laufen. Im Eingangsbereich unterstütze ich Luise Büttner: Sie kontrolliert, ob auch jeder Besucher die richtige Eintrittskarte hat. Da muss man richtig schnell sein, besonders, wenn eine Gruppe mit 36 Kindern in den Park stürmt. Ich überreiche den Leuten einen Park-Plan und versuche, das Gequassel des Papageis hinter mir zu ignorieren.

Der Plastikvogel spricht leider nur zwei Sätze, die er aber in einer Dauerschleife wiederholt
Luise Büttner könnte man als Urgestein des Parks bezeichnen. Sie arbeitet schon seit der Eröffnung 1975 dort und kennt die großen und kleinen Geheimnisse von Schloss Thurn.

Schwimmwesten verteilen

Nach einer halben Stunde ziehe ich weiter zur Piraten-Flotte. Dort verdient sich die 15-Jährige Jasmin Unrein in den Sommerferien ein bisschen Geld dazu. Sie erklärt mir, was ich zu tun habe: Wenn ein Piratenboot angefahren kommt, helfe ich den Leuten beim Aus- bzw. beim Einsteigen und erkläre ihnen, wie sie steuern müssen.
Die kleinen Gäste bekommen von mir eine neongelbe Spongebob-Schwimmweste angezogen. "Reingefallen ist bisher zum Glück noch keiner", sagt Jasmin. Zum Glück, denn in den 1,80 Meter tiefen, braunen Tümpel zu springen, würde ich heute nicht unter "erfrischende Abkühlung" verbuchen.

Mein Weg führt mich weiter durch den 40 Hektar großen Park in die Westernstadt. Im Coffee-Shop treffe ich Jasmins Mutter, Silvia Böhm, die schon die dritte Saison in Schloss Thurn arbeitet. "Ich komme immer wieder gerne her, weil die Arbeit einfach sehr viel Spaß macht", sagt sie und strahlt über das ganze Gesicht.
Heute geht es im Park eher ruhig zu, die meisten Leute haben wohl mit mehr Regen gerechnet. Ich bin ganz froh über das kühle Wetter, denn hier im Café herrscht ohnehin schon eine ziemlich hohe Temperatur. Ich verkaufe ein paar Cappuccinos, Slush Eis und Brezen, bevor ich mich von Silvia Böhm verabschiede.

Würste brutzeln

Draußen haben sich schon einige Leute um die Western-Arena versammelt und warten sehnsüchtig auf den Beginn der Stunt-Show. Ich schlendere über den Platz zu einer der neusten Anschaffungen in Schloss Thurn, dem Bratwurstfahrrad. Hier brutzelt der Student Sebastian Zahn Brat- und Currywürste, die er an die Gäste verkauft. Dank seines fahrbaren Untersatzes ist er stets mobil und kann an die verschiedensten Stationen im Park radeln. Seine Arbeit ist aber eher eine One-Man-Show, denn zu zweit kann man sich in dem kleinen Stand kaum rühren. Gott sei Dank, denn unter der Überdachung staut sich die Hitze und verwandelt den Stand in eine kleine Sauna.

Ein erstaunter Blick auf die Uhr verrät mir, dass meine Arbeitszeit schon wieder vorbei ist. Ich sehe mir noch einen Moment die Westernshow an, bevor ich wieder zurück zum Ausgang laufe, wo Lusie Büttner den neuen Gästen einen schönen Aufenthalt wünscht.

Als Dank bekommt sie leuchtende Kinderaugen und vor Begeisterung offen stehende Münder. Nach diesem Tag verstehe ich, warum sie seit fast vierzig Jahren in Schloss Thurn arbeitet.