Es dauert nicht mehr lange, bis die Hohezeit der Prunksitzungen, Faschingszüge, Büttenreden beginnt. Die eingefleischten Karnevalisten sind dagegen schon seit Mitte voll in ihrem Element. "Mit der Fasernachtsdämmerung am 11. November eröffnen wir die Faschingssaison", sagt Steffen Habel. Er ist seit 2007 Präsident des Neunkirchner Carnevals Verein.

Die erste der drei großen Prunksitzungen in Neunklrchen findet am 26. Januar statt. Sie finden alle in der Mehrzweckhalle statt. Und die Vergangenheit lehrt, dass es den Neunkirchner Karnevalisten eigentlich immer gelingt, ihr Publikum zu begeistern. Das Besondere daran ist, dass die Neunkirchner alles selber machen. Sie müssen jedenfalls keine Humorspezialisten von außerhalb einkaufen.

Das gelingt dem Carnevals Verein zum einen durch die vielen Tanzgarden. Und dazu tragen auch die beiden Gruppierungen "Junge Wilden" und die "Bösen Jungs" bei. Während bei letzteren sich Jungs zwischen 15 Jahren und 20 Jahren in der Kunst des Männerballetts üben, führen bei den "Jungen Wilden" Jugendliche zwischen neun Jahren und 14 Jahren Sketche auf.

Doch während in den Faschings-Hochburgen in Köln, Düsseldorf oder Mainz die Menschen bereits bei den ersten Takten der Musik auf den Tischen stehen, sieht das in Franken dann doch etwas anders aus. "Der Franke freut sich mehr nach innen", meint beispielsweise Lori Hahn.

Und er muss es wissen. Immerhin ist Hahn seit vielen Jahren beim Neunkirchner Carnevals Verein dabei - und dann ist er auch noch ein waschechter Rheinländer.


Sie nehmen es nicht so genau

Schon bei der Vereinsgründung haben die Neunkirchner deshalb auch beschlossen, keinen rheinländischen, sondern einen fränkischen Fasching zu feiern.

Deshalb gibt es auch kein Prinzenpaar und der Elferrat sitzt auch nicht auf der Bühne. "Unser Elferrat kann auch einmal aus 20 Leuten bestehen", lacht Hahn. Die närrische Zahl 11 hat eine tiefgehende historische Bedeutung. Im Karneval taucht die Zahl 11 als Datum für den Beginn der Karnevalsaison und im auch Elferrat auf. Der Elferrat ist quasi das Parlament des Narrenreichs, das aus elf Mitgliedern besteht.Die Zahl 11 steht im Karneval aber auch für die Einheit und Gleichheit der Menschen.

Die Neunkirchner haben aber keine Funkenmariechen wie die Rheinländer, sondern Tanzmariechen. Der Verein gehört dennoch zu einem der aktivsten und bekanntesten Faschingsvereinen über den Landkreis hinaus.
Inzwischen ist ein Platz bei einer der Tanzgarden so begehrt, dass es Wartelisten gibt und schon vor Ostern Castings stattfinden, um eine erste Auswahl zu treffen. "Die Mädchen müssen Taktgefühl haben, sie müssen ein Rad schlagen und einen Spagat machen können", erläutert Ingrid Habel, die ihrerseits als Gardetänzerin schon Deutsche Meisterin gewesen ist.

"Wir halten hier auf den klassischen Gardetanz, der auch akrobatische Elemente beinhaltet und mehr Eleganz bringt", erklärt Habel. Die Gardeuniformen und Showkostüme schneidet Ingrid Habel zu und näht diese auch, mit Unterstützung allerdings einiger Helfer. Und sie ist auch Headcoach der Garden (Kindergarde, Jugendgarde, die Große Garde) mit je 25 Mädchen und Frauen. Da kommen dann 75 Showkostüme pro Jahr zusammen.
"Früher hatten wir noch mehr Auftritte im gesamten Landkreis. Doch inzwischen hat fast jedes Dorf, jeder Verein eine Garde aufgemacht", merkt Habel an.

Zudem haben die Faschingsbälle allgemein nachgelassen. Nicht so in Neunkirchen. Nach einer sechswöchigen Pause nach Aschermittwoch, geht es mit den ersten Vorbereitungen bereits wieder los. Karneval, das ist für Menschen wie Ingrid Habel im Grunde genommen das ganze Jahr.