Das Schutzgebiet am ehemaligen Ludwig Donau Main-Kanals (LDM) ist im Laufe von zehn Jahren zerstört worden. Ein aktuelles Gutachten der Universität Erlangen belegt: "Die meisten wertgebenden Arten wurden nicht mehr gefunden." Die sogenannten Anzeiger für den schützenwerten Trockenrasen in dem 20 000 Quadratmeter großen Gelände sei um 55 Prozent gesunken. Gleichzeitig seien die "Anzeiger" für die unerwünschten Nährstoffe und für Feuchtigkeit um 126 Prozent gestiegen. Soweit die unbestrittenen Untersuchungen der Gutachter.
Umstritten dagegen ist diese Frage: Wie konnte es dazu kommen? Seit Juni 2004 ist das Areal entlang des alten LDM-Kanals ein Natur- und Vogelschutzgebiet. Und es ist als sogenanntes FFH-Gebiet (europäisches Schutzgebiet, das den Fauna-Flora-Habitat-Richtlinien unterliegt) ausgewiesen.

Seit Jahren wird über das Mulchen im Schutzgebiet gestritten. Mulchen ist eine Form der Landschaftspflege. Dabei werden die Flächen gemäht und das Mulchgut bleibt liegen und verrottet. Die so entstehenden Nähstoffeinträge "sind tödlich für den geschützten Magerrasen und die Arten, die dort leben", sagt Eduard Zöbelein, Chef der Eggolsheimer Ortsgruppe des Bund Naturschutzes. Er ärgert sich, dass eigens ein "Managementplan" erstellt wurde. "Das Mulchen im Schutzgebiet ist verboten, aber der Managementplan bleibt ohne Folgen."

Claus Schwarzmann, der Eggolsheimer Bürgermeister, sagt rückblickend auf den jahrelangen Streit: "Es ging darum, den Standort freizuhalten von Brombeeren, Disteln und Schlehen." Vier Jahre lang sei "ohne böse Absicht gemulcht worden, es galt nicht als problematisch". Die Schädlichkeit des Mulchens auf dem Magerrasen "wurde erst 2008 ein Thema". Schwarzmann weist die Vorwürfe zurück, mit böser Absicht gemulcht zu haben: "Wir haben in der ganzen Gemeinde Magerstandorte, die abgemäht werden. Vielleicht bin ich nicht Fachmann genug." Nachdem die Proteste der Naturschützer nicht verebbten, habe er sich an Regierung gewandt: "Ich wollte Klarheit haben."

In den letzten beiden Jahren entspann sich ein Brief - und E-Mail-Wechsel zwischen Naturschützern Behörden und Staatsanwaltschaft. Dieser Austausch an Informationen und Vorwürfen dokumentiert, dass das anfangs verbotene Mulchen schließlich erlaubt wurde.

Heinz Marquart (Vorsitzender der Schöffl-Stiftung) spricht von einer "brutalen Missachtung des Naturschutzes". Er und die Vertreter des BN und des LBV werden nun juristisch dagegen vorgehen. Grundlage ist das Gutachten der Universität Erlangen. BN-Aktivist Zöbelein fragt, ob die amtlichen Naturschützer "einen Meineid geschworen haben"? Die Gesetzte seien nicht eingehalten worden.

Claus Schwarzmann empfindet das Vorgehen der Naturschützer als "höchst unangemessen". Er werde zur "Zielscheibe gemacht, aber nicht eingebunden". Etwa kenne er das aktuelle Gutachten von Professor Nezadal nicht, dessen Arbeit er grundsätzlich schätze. Wenn das Mulchen die von Nezadal beschriebenen Folgen habe, sei er zu einem neuen Umgang in der Landschaftspflege bereit, sagt Schwarzmann: "Wenn es heute anders gewünscht wird, mach ich es gerne auch anders."