Juden nehmen in der Weilersbacher Geschichte einen festen Platz ein. Der Weilersbacher Trachtenverein hatte nun zu einem Vortrag über sie eingeladen. Und zahlreiche interessierte Zuhörer kamen. Referent war der Heimatforscher Rolf Kießling, der auch schon in Forchheim seine Forschungsergebnisse über die jüdische Bevölkerung Weilersbachs vorgestellt hatte.
"Damit möchten wir einen Beitrag zu unserer Dorfgeschichte leisten", sagte Vorsitzender Bernhard Hack. Er plädierete auch dafür, dass die vom ehemaligen Seelsorger von St. Anna, Pfarrer Adolf Schrenk, angebrachten Bilder in der Wallfahrtskirche bleiben. "Es ist wichtig, Menschen im Leben einen Platz zu geben, die bei uns in Weilersbach gelebt haben", betonte Hack.
Referent Kießling spannte in einem lebendigen und anschaulichen Vortrag, den Alexander Krause mit einer Bilderreihe bereicherte, einen Bogen von den Anfängen im Schloss (1688) bis zur Auflösung der jüdischen Gemeinde in Weilersbach Ende des 19. Jahrhunderts.
"Sie haben zum Dorf gehört - zu Mittlerweilersbach", so der Referent. Noch heute ist in der Weilersbacher Bevölkerung der "Güdenhof" (Judenhof), der heutige Schlossplatz, ein Begriff. "Zum Judenhof" hieß auch das ehemalige Gasthaus Nagengast. Um 1682 hat der damalige Mittelweilersbacher Schlossbesitzer Damian von Weitershausen die Juden angesiedelt. Doch nicht aus reiner Menschenliebe. Er wusste, dass die Juden mit der Miete Geld bringen.Als das Schloss von dem letzten Adeligen Karg von Bebenburg ans Hochstift Bamberg überging, war der Fürstbischof für die Juden zuständig. Auch er wollte auf die rentablen Einkünfte nicht verzichten.
1763 lag der jüdische Bevölkerungsanteil bei 20 Prozent. Der Bischof von Bamberg verkaufte das Schloss an den begüterten Dorfamtmann Balthasar Schütz, der das baufällige Schloss abtragen ließ und auf dem Platz acht Wohnungen für Juden errichtete, die sogenannten "Traufhäuser". Nach einer Planskizze gab es im Schlossplatz/Judenhof zehn Häuser, unter ihnen eine Synagoge und eine Mikwe. Bekannt ist, dass Ende des 19. Jahrhunderts 15 jüdische Familien Weilersbach verließen und nach Forchheim zogen. Nach ihrem Weggang wurde die Synagoge samt Wertgegenständen verkauft.
Aufmerksam lauschten die Zuhörer, als Kießling einige spannende Lebensgeschichten erzählte. Wie die des Metzgers Moses Lazar Münster, geboren 1781. Mit 30 Jahren bat dieser am zuständigen Landratsamt Ebermannstadt darum, ihn als Metzgerlehrling zu übernehmen. Er war ja immerhin schon 30 Jahre, war verheiratet und hatte drei Kinder. Er besaß ein Vermögen von 1368 Gulden. Doch man glaubte ihm das nicht und schickte Kontrolleure. Moses Lazarus Münster hatte jedoch ein halbes Haus (200 Gulden), drei Äcker, 80 dürre Rinderhäute (600 Gulden). Zudem fanden sich in seinem Haushalt wertvolle Silbergegenstände (Bestecke, Becher, Salzfass). Dies alles mußte er der Ebermannstädter Behörde vorweisen. Nun brauchte er aber auch noch einen Lehrherrn. Den fand er in Konrad stiller, der den 30Jährigen als "Lehrbub" aufnahm. Münster absolvierte seine Lehre und ging als Geselle auf Wanderschaft. Erwarb seinen Meistertitel und konnte seine Söhne ausbilden, die ebenfalls nach Forchheim gingen.
Wissenswert auch die Erzählung über die Familie Prager. So war das Doppelhaus am Schloßplatz (heute Hs.Nr. 4 und 6) im Besitz der beiden Brüder Salomon und Moses Lämmlein. Erst später nahmen sie den Namen Prager an. Neben weiteren vier Kindern hatte Salomon die Söhne Moses und Lehmann.
Moses kaufte 1869 ein Haus in Forchheim. Sein Bruder Lehmann, der in Weilersbach die katholische Elementarschule besuchte, schwarzhaarig und nur 1,58 Meter groß war, heiratete 1854 die Weilersbacherin Sophie Schmitt. Er übernahm mit ihr den Krämerladen von seinem Schwiegervater Salomon Hecht mit der Verpflichtung, das bedürftige Ehepaar Hecht lebenslänglich zu unterhalten. Doch auch Lehmann und Sophie Prager gingen nach Forchheim und erwarben ein Haus in der Apothekenstraße.
Als einen den bekanntesten Weilersbacher Juden beschrieb Kießling Joseph Wolff, der 1795 als Sohn des David Wolff in Weilersbacher geboren wurde. Was das besondere an ihm war: Er ließ sich 1812 in Prag taufen und ging zum Christentum über. Doch dann lockte Rom.
Von dort aus ging es nach England, wo er sich der englischen Kirche anschloss. Wolff zog es in die Welt hinaus, nach Afrika und Asien, wo er als Missionar wirkte. Er eiferte dem heiligen Paulus nach. Seine Mutter, die in Pretzfeld lebte, litt zeitlebens unter der Konvertierung ihres Sohnes.
Wie Kießling zurückrecherchierte, muss Wolff ein unternehmungslustiger Mensch gewesen sein, sonst hätte er solche Reisen nicht unternehmen können. 1947 nahm er dann eine Pfarrstelle in der Grafschaft Somerset an. Um 1862 verstarb er in England.
Zu sehen waren auch zwei Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof in Baiersdorf, deren Inschrift Kießling übersetzt hatte. Einiges erzählte er noch über die Familie Frank, deren Tochter Selma mit ihrem Mann Mayer Reich nach Ausschwitz kam. Auf einer Wand des Memorial de la Shoah in Paris sind die Namen der 1874 geborenen Selma Reich und ihres Manns zu lesen.
Wie der Referent weiter wußte, waren die Juden fleißigeMenschen und vor allem als Händler und Hausierer unterwegs, die auch in den umliegenden Dörfern Wiesenthau, Kirchehrenbach, Forchheim lebten. In Weilersbach haben sich die Juden sehr wohlgefühlt. Sie konnten mit ihresgleichen leben, es waren ideale Verhältnisse und sie hatten auch die Synagoge in der Nähe.
Auch das Miteinander von Juden und Christen im Dorf war im Einklang.
Zum Schluss erzählte eKießling noch eine kleine heitere Begebenheit: Schon immer habe der Auerbergwald in Weilersbach eine große Rolle gespielt: Man brauchte Brennholz, auch wenn einem der Wald nicht gehörte. Und so hat sich so mancher selbst einen Baum umgelegt. Auch ein Herr Frank hat das gemacht und wurde prompt verraten.
Als er von einer Kontrolle hörte, räumte er flugs das Holz unter das Bett und er selbst legte sich plötzlich krank geworden ins Bett. Die anderen Juden kamen angelaufen, jammerten und beteten für ihn. So nahmen die Kontrolleure von einer Untersuchung Abstand und meinten "man muss sie schon trauern lassen".
In Weilersbach ist die jüdische Bevölkerung nicht vergessen. Ein Gedenkstein im Schlossplatz erinnert an die jüdischen Einwohner, die einst das Weilersbacher Dorfleben mitprägten.