Die Streetart-Arbeit in der Roonstraße in Nürnberg der beiden Künstler Guido und Johannes Häfner im vergangenen Jahr kam so gut an, dass sich der  der Vorsitzende des Gostenhofer Bürgervereins, Heinz-Claude Aemmer, fragte, ob sie nicht zusammen mit Gostenhofer Bürgern und Mitarbeitern der Datev-Genossenschaft gemeinsam ein Kunstwerk für den öffentlichen Raum errichten möchten.

Zusammen mit Pfarrer Peter Bielmeier (Dreieinigkeitskirche Gostenhof) entwickelten die Häfner-Bruder das Konzept für die außergewöhnliche Mitmach-Skulptur "Brückenbauer". Viele Gotteshäuser haben zwischenzeitlich das Problem, dass sie immer weniger von den Gläubigen genutzt werden. Somit sind die Kirchen die meiste Zeit leer. In Nürnberg versucht man daher, quasi als Pilotprojekt, vier Kirchen als Kulturkirchen umzugestalten. Das heißt, dass zukünftig neben den Gottesdiensten auch Lesungen, Musikveranstaltungen und Ausstellungen stattfinden dürfen. So soll die Kirche wieder ein (sozialer) Treffpunkt von Menschen werden. Vor diesem Hintergrund entstand die Konzeption der Skulptur. Sie soll die neue Ausrichtung der Dreieinigkeitskirche symbolisieren.

Die Begeisterung für das Streetart-Projekt zog weite Kreise und motivierte letztendlich auch dazu, weitere Projekte im Stadtteil gemeinsam zu verwirklichen. Gemeinsam, das heißt in diesem Fall, dass Datev-Mitarbeiter, Bewohner von Gostenhof und alle, die etwas mit dem Stadtteil verbindet, aufgerufen waren, Piktogramme für das neue Projekt einzusenden. Unter dem Motto "Brückenbauer" soll das gemeinschaftliche Kunstwerk die Verbundenheit zwischen der Genossenschaft mit Hauptsitz in Gostenhof und den Anwohnern des Stadtteils verdeutlichen und gleichzeitig neue "Brücken" bauen.

Das Endergebnis besteht aus insgesamt über 300 einzelnen Edelstahlplaketten, die teils von den Teilnehmenden selbst bemalt und letztendlich zu einer Skulptur zusammengesetzt wurden.

Die Idee dahinter

Die künstlerische Idee dahinter erläutert Johannes Häfner: "Wie bereits bei der Mitarbeiterstele vor dem Campus haben mein Bruder und ich nun die Idee einer Gemeinschaftsskulptur weiter gesponnen. Herausgekommen ist, dass die einzelnen Personen deutlicher zum Vorschein kommen. Sie konnten sich quasi als Teil der Skulptur verewigen."

Dabei würden sie auf den von Beuys verwendeten Begriff der "Sozialen Skulptur" aufgreifen und dem noch eine eigene Facette hinzufügen. Beuys versuchte, auf die Gesellschaft gestaltend durch Aktionen einzuwirken. "In unserem Fall ist es jedoch so, dass der Künstler nicht mehr absoluter Urheber des Kunstwerks ist - er teilt es mit vielen anderen", verdeutlicht Johannes Häfner.

Jeder Mensch ist auch Künstler

Dahinter stecke von Beuys der sogenannte erweiterte Kunstbegriff. Das schließe eben auch ein, dass nach Beuys jeder Mensch auch ein Künstler ist und Kunst hervorbringen kann. Und genau das werde mit der Skulptur gezeigt. Hinzu komme noch, dass die Form (zwei Strebepfeiler, die zueinander finden wollen) und der Ort der richtige sind. "Für die zukünftige Kulturkirche Dreieinigkeit passt die Skulptur bestens dazu und bereichert den Ort", meint Häfner.

Die Förderung von Kunst und Kultur in den eigenen Reihen hat bei der Datev Tradition. Im vergangenen Jahr sorgte das Streetart-Projekt mit den Häfners für viel Aufsehen: Seit Oktober 2018 ziert ein aufwendiges Kunstwerk das Datev-Gebäude in der Nähe des Nürnberger Plärrers. Entstanden ist es durch den Kunst- und Kulturbeauftragten der Datev, Johannes Häfner, seinen Bruder Guido Häfner und 170 und Mitarbeiter der Genossenschaft.

Eine von vier Kirchen

Das Besondere daran: Die Streetart-Arbeit ist seitdem für jeden sichtbar und bereichert das Gostenhofer Stadtbild. Als idealer Ort für das neue Gemeinschaftsprojekt wurde die Dreieinigkeitskirche ausgewählt. Sie ist eine von vier Kulturkirchen in Nürnberg und öffnet sich außer für seine traditionelle Funktion als Gotteshaus auch für viele Kunst- und Kulturevents.

Pfarrer Bielmeier sagt über das gemeinsame Kunstprojekt: "Es ist so, dass jeder, der hier teilnimmt und sein Symbol an diese Konstruktion hängen kann, etwas Persönliches damit verbindet - und das ist das Spannende: aus den vielen Geschichten eine zu machen. Und das verbindet eben auch, wie das Stichwort Brückenbauer schon sagt." Die Kreativität der Teilnehmer überraschte Johannes Häfner aufs Neue: "Von christlichen Symbolen über Friedenszeichen bis hin zu persönlichen Hieroglyphen ist alles dabei. Es ist immer wieder eine große Freude, die Arbeiten vieler verschiedener kreativer Individuen zu einem Ganzen zusammenzufügen - und so entstand ganz im Sinne von Joseph Beuys, der feststellte, dass jeder Mensch ein Künstler ist, eine Gemeinschaftsskulptur."

Gute Resonanz im Stadtteil

Häfner, der bereits viele Datev-interne Projekte umgesetzt hat, zeigt sich begeistert über die Resonanz im Stadtteil: "Intern haben wir seit jeher eine große Beteiligung an derartigen Projekten. Diesmal sind wir jedoch einen Schritt weitergegangen und haben Menschen außerhalb der Datev mit einbezogen - und das Konzept ging prima auf."

Beitrag zur Bewerbung

Das Projekt "Brückenbauer" leistet zudem einen Beitrag zur Bewerbung Nürnbergs als Kulturhauptstadt Europa 2025. Verschiedene dieser Bewerbungskriterien wurden auch bei der Umsetzung der Skulptur berücksichtigt (zum Beispiel kreative Räume im urbanen Umfeld schaffen).

Die Skulptur wird zunächst für etwa drei Monate direkt am Portal der Kirche stehen, danach auf der Grünfläche im Park mit Sichtachse zur Kirche. Neben dem Bürgerverein Gostenhof und der Kirchengemeinde wurde das Projekt auch von der Stadt Nürnberg, dem Prodekanat Nürnberg und dem Kulturbüro des Rates der Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) unterstützt.