Früher war nicht alles besser. Aber Platz hatte die Stadt im Jahr 1855 (Karte oben) noch in Hülle und Fülle. Heute platzt Forchheim fast aus allen Nähten (Luftbild unten).

Besonders für großflächige Gewerbeansiedlungen wird es langsam eng in Forchheim. Im Süden könne die Stadt die Nachfrage nach Grundstücken kaum decken, sagt der Wirtschaftsförderer Viktor Naumann. "Die meisten städtischen Flächen sind vom Markt. Besonders in den Gewerbegebieten Pfaffensee und Sandäcker mussten wir einigen Interessenten leider Gottes schon absagen", sagt Naumann. Im Gewerbegebiet Pfaffensee stünde beispielsweise nur noch eine städtische Fläche zum Verkauf. Um dem Platzmangel zu begegnen, verfolge die Stadt eine Doppel-Strategie. "Wir setzen einerseits auf die Re-Vitalisierung von bereits erschlossenen Flächen für das Gewerbe mit dem Ziel einer Arbeitsplatzverdichtung. Andererseits versuchen wir, langfristig neue Gebiete gezielt neu auszuweisen", erklärt Naumann.

Das Spiel ist kein leichtes

Gerade letzteres könne aber nicht über Nacht geschehen. Schließlich müssen die geeigneten Flächen gefunden und die Grundstücke erschlossen werden. Auch die Schaffung neuer Standorte innerhalb der bestehenden Stadtgrenzen sei kein leichtes Spiel. Über Möglichkeiten öffentlich spekulieren will Naumann gleich zwei Mal nicht. "Das würde die Verhandlungen unmöglich machen", sagt Naumann und will deshalb Stillschweigen über die konkreten Pläne der Stadt bewahren.

Begehrlichkeiten scheint es viele zu geben. Öffentlich im Gespräch sind beispielsweise immer wieder die innerstädtischen Sportflächen. Um die Fußball-Plätze des Sportvereins Jahn Forchheim direkt neben der Adenauer-Allee würden sich sicher einige Interessenten streiten.

Gewinn wolle die Stadt mit den Veräußerungen von Liegenschaften allerdings nicht machen, sagt Naumann. Freilich könne die Stadt ihre Grundstücke nicht unter Wert verkaufen. Allerdings gehe es darum, durch die Bereitstellung von Grundstücken für Gewerbetreibende aller Art die wirtschaftliche Dynamik in der Stadt zu verstetigen. Die einfache Gleichung lautet: Gewerbeflächen gleich Arbeitsplätze gleich Steuereinnahmen. "Wie bekommen wir zusätzliche Arbeitsplätze?" Das sei die entscheidende Frage, sagt Naumann und verweist auf die vergangene Erfolgsbilanz. 14 Prozent mehr Arbeitsplätze in den vergangenen sechs Jahren.

Manfred Hümmer, FW-Stadtrat und OB-Kandidat, fordert bei der Ansiedlung stärker auf die Branche zu achten. "Wir müssen mit unseren Flächen behutsam umgehen. Nachdem unsere Flächenressourcen begrenzt sind, kommt es sehr darauf an, was wir künftig in Forchheim ansiedeln werden. Weitere Logistiker brauchen wir beispielsweise nicht", sagt Hümmer und verweist auf Fehler, die seiner Meinung nach in der Vergangenheit gemacht worden seien. "Ein großer Baumarkt hat schon die dritte Fläche in der Stadt für seine Expansionen erhalten. Damit muss jetzt Schluss sein. Denn ein Umzug hinterlässt jedes Mal Leerstände." Der Quotient aus Bodenverbrauch und Arbeitsplätzen müsse optimiert werden, findet Hümmer. "Genau darin lag in der Vergangenheit der Fehler", kritisiert Hümmer. Außerdem müsste der Naturschutz und die Bedürfnisse der Anwohner stärker berücksichtigt werden, sagt Hümmer.

Der CSU-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, Udo Schönfelder, sieht dagegen woanders einen größeren Handlungsbedarf. "Erheblich größerer Handlungsdruck existiert beim Thema Wohnungsbau. Eine leistungsstarke Stadt mit guter Infrastruktur und attraktivem Freizeitangebot benötigt auch stabile Einkommensteueranteile", findet Schönfelder.

Neues Bauland für Kersbach

In Forchheimer Stadtteil Kersbach sollen über 26 Hektar neues Wohnbauland ausgewiesen werden. Damit ist Kersbach der Ortsteil mit dem größten Entwicklungspotenzial für den Wohnungsbau in Forchheim. Um den Erhalt der Wohnqualität im wachsenden Kersbach sorgt sich Manfred Hümmer. "In Kersbach sollte keine weitere Gewerbeansiedlung außerhalb der bestehenden Gebiete im Rittigfeld und am Sandäcker entstehen", fordert der OB-Kandidat. "Kersbach läuft ansonsten Gefahr, vom Fahrzeugverkehr gänzlich überrollt zu werden", sagt Hümmer und verweist auf die Zunahme. "Ein Anstieg in den letzten zehn Jahren um rund 160 Prozent!" Was Kersbach in der Zukunft braucht - da sind sich Schönfelder und Hümmer einig - ist ein neuer Supermarkt zur Nahversorgung.

Ausgemacht ist derweil nicht, dass neue Gewerbeflächen zwangsläufig auf der "grünen Wiese" entstehen müssen. Das ist ein bisschen wie beim Tetris spielen. Hier ein Grundstück, dort ein Grundstück - macht ein kleines Gebiet für die Ansiedlung neuer Unternehmen und die Erweiterung bestehender Unternehmen.

In die Bredouille kommt die Stadt bei Groß-Anfragen. Ab Wünschen über 10.000 Quadratmeter stößt die Stadt derzeit schnell an ihre Grenzen. Naumann versucht auch dann die Ruhe zu bewahren, und den Interessenten die "Potenziale in der Zukunft" vor Augen zu halten. Berge versetzen und die geo- und topographischen Verhältnisse ändern kann freilich niemand. An den politischen Gemeindegrenzen zu sägen dürfte auch schwierig werden. "Das ist eben die Kunst. Aus den limitierten Flächen der Stadt das Beste rauszuholen." Nervenflattern hat der Wirtschaftsförderer im Rathaus also derzeit noch nicht. Außerdem weiß Naumann: "Durch den permanenten Strukturwandel ergeben sich permanent Optionen."

Ein Beispiel sei das geplante Medical-Valley-Center in Forchheim. Wo früher eine Stadthalle geplant war, wird demnächst ein Bürogebäude-Komplex für innovative Unternehmen gebaut. Eine Stadthalle fehle trotzdem, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende Reinhold Otzelberger. "Es wird Zeit, dass Forchheim endlich für Tagungen, Kongresse und Kultur eine neue Stadthalle baut." Pläne und Wünsche gibt es also viele. Allein der Platz ist begrenzt.