Die Bienen haben den Nerv der Bevölkerung getroffen. Kurz vor Ende der Unterschriftenaktion haben sich bayernweit allem Anschein nach genug Unterstützer des Volksbegehrens "Artenvielfalt - Rettet die Bienen" gefunden. Zwar gibt es noch keine offiziellen Zahlen, aber doch untrügliche Indikatoren dafür, dass die Initiatoren die erste wichtige Hürde genommen haben, um einen Gesetzentwurf einreichen zu können.

Die bayerische Staatsregierung hat sich offenbar bereits darauf eingestellt, denn sowohl Ministerpräsident Markus Söder als auch Umweltminister Thorsten Glauber aus Forchheim haben verbal schon die große Umarmung vollzogen und angekündigt, ein Gesetz auf den Weg zu bringen, das Befürwortern wie Gegnern des Volksbegehrens gerecht werden soll.

Im Schnitt rund 14 Prozent

Der Bund Naturschutz, der zum Unterstützerkreis des Volksbegehrens zählt, hat in Forchheim für Mittwochabend (20 Uhr) vorsorglich schon zu einer "Wahl-Party" in seine Geschäftsstelle in der Vogelstraße geladen. Die Auswertungen aus dem Landkreis (Stand 11.2.) geben den Naturschützern Recht: Zwölf Kommunen hatten ihre Zahlen am Montagabend aktualisiert, 7131 der dort bis zu diesem Zeitpunkt abgegebenen Stimmen entsprechen einem Anteil von 13,9 Prozent. In der Stadt selbst waren bis dahin 3415 Unterschriften abgegeben worden (14,5 Prozent), in Igensdorf (16,5), Eggolsheim (16,7) oder Poxdorf (17,0) war der Anteil am höchsten. Dazu kommen Gemeinden wie Neunkirchen am Brand, Langensendelbach oder Ebermannstadt, die ihre Zahlen vor dem Wochenende zuletzt aktualisiert hatten und schon zu diesem Zeitpunkt Werte zwischen 15 und 18 Prozent vorweisen konnten.

Mehr Skepsis auf dem Land

Was auffällt: Je urbaner die Kommune, desto höher der Anteil der Unterstützer, in den eher ländlich geprägten Gebieten herrscht mehr Skepsis. Frei nach dem Motto: Wer sich informiert, kann das Volksbegehren nicht guten Gewissens unterschreiben. Doch auch unter diesen Gemeinden findet sich fast keine, die die von den Befürwortern angestrebte Marke von zehn Prozent nicht erreicht hat oder zumindest an ihr kratzt. Die meisten Vorbehalte gab es in Obertrubach (6,8 Prozent am Montagabend), aber auch in Weilersbach (9,6) oder Leutenbach (10,2) verfingen die Argumente der Befürworter nicht so stark wie anderswo.

In der Annahme, dass einschließlich Mittwoch noch Stimmen dazukommen, sollte - hochgerechnet von Forchheim auf Bayern - aus Sicht der Unterstützer nichts mehr anbrennen. Die Chancen stehen sogar gut, dass das Volksbegehren "Artenvielfalt - Rettet die Bienen" zum erfolgreichsten seit mehr als 50 Jahren werden könnte. Im Münchner Umland gibt es Kommunen, in denen sich mehr als 30 Prozent der stimmberechtigten Bürger eingetragen haben.

Reaktionen

Lisa Badum, Bundestagsabgeordnete und Sprecherin des Forchheimer Kreisverbandes der Grünen: "Ich freue mich wahnsinnig. Nicht nur für die Bienen und andere bedrohte Arten wie die Regenwürmer, sondern auch für uns Menschen. Jetzt einen Gesetzesentwurf einzureichen, ist ein wichtiger Schritt, um auch in Zukunft eine gute Lebensgrundlage zu haben und gute Naturprodukte herstellen zu können. Es ist Wahnsinn, was wir aus der Opposition heraus bewegen können. Und das im Winter, wenn die pralle Natur eben nicht in allen Farben strahlt. Das zeigt, dass die Menschen in der Breite an Politik interessiert sind. Vor allem, wenn es um etwas Konkretes wie die Bienen geht, die sinnbildlich für die bedrohte Artenvielfalt stehen.

Ich hoffe, dass auch die Landesregierung dieses Zeichen nun richtig deutet und am Ende des nun folgenden Prozesses eine ordentliche Lösung steht. Ich erwarte nicht weniger als einen großen Wurf, denn es gibt noch weitere Themen wie den Schutz der Wälder oder die Wiederbelebung von Mooren, die mit der Artenvielfalt in Beziehung stehen und die es nun noch mit auf die Agenda zu heben gilt." Hermann Greif, Bezirkspräsident des Bauernverbandes Oberfranken: "Nach dem Run der ersten Tage wurden die Schlangen vor den Rathäusern kürzer. Ich denke, durch Aufklärung haben doch noch einige Leute erkannt, dass das Volksbegehren nicht das Ei des Kolumbus ist. Und es war ja auch nicht nur der Bauernverband, der sich gegen das Volksbegehren gestellt hat, sondern auch Jäger und einzelne Imker. Natürlich sind wir mit dem anzunehmenden Ausgang nicht glücklich, doch in jeder Krise steckt auch eine Chance. Die Regierung kann den Gesetzesentwurf annehmen, ablehnen oder - und danach sieht es meines Erachtens nach aus - einen Gegenvorschlag machen. Wir brauchen eine Lösung, die aus landwirtschaftlicher Sicht auch tatsächlich machbar ist und alle mit ins Boot nimmt. 150 Jahre Industriegesellschaft haben die Natur so geformt, wie sie heute ist. Jetzt mit dem Finger auf die Landwirtschaft zu zeigen, ist zu einfach. Aber wir gehen die Sache offensiv an und werden die Menschen herausfordern: Sind sie selbst bereit, etwas für das zu tun, was sie unterschrieben haben? Zum Beispiel mit einer Änderung ihres Konsumverhaltens?"

Helmut Schmitt, Kreisgruppenvorsitzender des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) in Forchheim: "Ich habe gerade erfahren, dass die Million wohl geknackt wurde. Schon jetzt hat das Volksbegehren Bewegung in unsere Sache gebracht. Die Ankündigung von Ministerpräsident Söder, einen Runden Tisch einzuberufen, werte ich als absolut positives Zeichen. Jetzt schauen wir mal, wie es weitergeht."