von Ute Fürböter

Die Truppe ist bunt zusammengewürfelt. Aussehen, Größe, Gewicht und Temperament könnten unterschiedlicher nicht sein. Aber keiner im Rudel tanzt aus der Reihe. Vom hochbeinigen Dalmatiner "Daisy" angefangen über den knuffigen braunen Labrador "Balou" bis hin zur kleinen, vom Tierschutz geretteten Mischlingshündin "Leila". Kein Wunder, dass das für Aufsehen sorgt.

Und so werden die Besitzer der Tiere während ihres eineinhalbstündigen Rundgangs durch Forchheims Altstadt mit Stadtführer Daniel Sauer an der Spitze immer wieder aus der Historie in die Gegenwart zurückkatapultiert. Die an sie gerichtete häufigste Bitte kleiner, aber auch großer Leute lautet: "Darf ich den Hund mal streicheln?"

Kein Problem! Dazu sind die haarigen Lieblinge da. Immerhin gehören "Daisy", "Balou" und Co. zur ASB-Besuchshundestaffel. Das ist deutlich an ihren leuchtend roten Geschirren zu erkennen. Jeder trägt das Gleiche - wie Aushängeschilder auf vier Pfoten. Heuer im März hat der Besuchshundedienst sein zehnjähriges Bestehen feiern können.

Wo die Einsatzgebiete liegen, wie breit das Spektrum der Arbeit ist und wie groß die Resonanz darauf, all das erzählen die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Staffel gerne jenen, die es wissen wollen. Egal, ob sie vorm Nürnberger Tor angesprochen werden, auf dem Paradeplatz oder an der Kaiserpfalz. Selbst am Ende der Tour, bei der Einkehr im "Stadtlockal", müssen die Zweibeiner in den auffälligen rot-blauen Jacken noch einige klärende Worte fallen lassen, bevor sie ihren Hunger stillen können.


Fellnasen stört der Rummel nicht

Die Fellnasen stört der ganze Rummel nicht. Die kuscheln Seite an Seite brav unterm Tisch. "Im März 2007 haben wir mit fünf Hunden angefangen, dann ging es Schlag auf Schlag", erinnert sich Karin Fenzl, die damals mit ihrem blonden Labrador "Basko" zu den Aktiven der ersten Stunde gehörte. Inzwischen ist "Basko" längst nicht mehr. Seine Stelle hat "Nero" eingenommen, ein bildschöner schwarzer "Labbi". U

Und sein Frauchen, übrigens auch Mutter von drei Kindern, hat beim ASB nun die Leitung des Besuchshundedienstes der Regionalgruppe Forchheim inne.

Die Idee dahinter lautet damals wie heute: Ältere und Menschen mit Behinderung, Kinder ebenso wie Kranke reagieren nachweislich positiv auf den Kontakt mit Tieren. Studien haben ergeben, dass Tiere auf Menschen stressreduzierend wirken können. In Experimenten fanden Forscher heraus, dass der Blutdruck der Teilnehmer sank, sobald sie ein Tier streichelten. Allein die bloße Anwesenheit eines Tieres kann kleine Wunder bewirken. Beim Kraulen seines Fells vergisst man die alltäglichen Sorgen und empfindet stattdessen Gefühle wie Zärtlichkeit oder Trost.

Doch nicht jedem ist es möglich, sich sein eigenes Haustier zu halten. "Wir gehörten zu den ersten Besuchshundediensten und dürfen uns inzwischen auch zu den größten in Bayern zählen", bilanziert Karin Fenzl. Tatsächlich ist die Staffel auf knapp 40 Hunde angewachsen. 35 sind gegenwärtig im Einsatz. Die Differenz ist auf Zwangspausen wegen Krankheiten oder Nachwuchs sowie Verletzungen von Mensch oder Tier zurückzuführen.

Besuchshunde gehen mit Herrchen und/oder Frauchen in Seniorenheime wie das im Forchheimer Jahnpark. Sie tun auch regelmäßig Gutes in Behinderteneinrichtungen. Genannt seien nur die Offene Behindertenarbeit (OBA) Forchheim sowie die Barmherzigen Brüder in Gremsdorf. Die Hunde sorgen in Schulen, Horten und Kindergärten in Forchheim und Umgebung für Abwechslung. Der Aktionsradius der Forchheimer reicht sogar bis hin zum Hospiz- und Palliativzentrum im Christine-Denzler-Labisch Haus in Bamberg.


Starke Nachfrage

"Die Nachfrage ist so stark, dass wir gerne noch weitere Hunde in den Dienst aufnehmen möchten", sagt Karin Fenzl. Dass jeder Hund dafür zunächst einen Eignungstest durchlaufen muss, ist selbstverständlich; der letzte fand am 28. Oktober erfolgreich statt. Vier neue Teams gibt es.

Wert auf besondere Fähigkeiten der Kandidaten auf vier Pfoten wird nicht gelegt. Schönheit spielt erst recht keine Rolle. "Schwere Jungs" von 35 Kilo und mehr dürfen genauso antreten wie niedliche Leichtgewichte, die nur wenige Pfund auf die Waage bringen. Aber worum geht es dann? "Wichtig sind guter Grundgehorsam, keine Scheu vor Streicheleinheiten und Sozialverträglichkeit. Denn mitunter", erklärt die Leiterin des ASB-Besuchshundedienstes, "sind fünf oder sechs unserer Hunde gleichzeitig im Einsatz, beispielsweise bei der OBA."

"Es muss dem Hund Freude machen", rät Monika Faber allen zweibeinigen Engeln in spe. Die Heroldsbacherin spricht aus Erfahrung. Ihr "Balou" hat den Eignungstest 2011 absolviert - und auch locker geschafft. Seitdem ist der braune Mini-Labrador mit "großem Eifer und viel Temperament" beinahe wöchentlich im Einsatz. "Ich bin voll berufstätig, aber ich wollte daneben auch sozial tätig sein", erläutert Monika Faber ihre Beweggründe. Bereut hat sie die Entscheidung nie. "Bei einem unserer Besuche im Hospitz- und Palliativzentrum in Bamberg wurden wir ans Bett einer Schwerkranken gerufen. Die Frau war erst Mitte Dreißig. Eine halbe Stunde lang wurde Balou von ihr gestreichelt. Mein Hund hat die Liebkosungen still genossen. Augenblicke wie diese gehen ans Herz."

Traditionell war die ASB-Besuchshunde-Staffel auch in diesem Jahr wieder auf der Seniofit-Messe in Forchheim vertreten. Neu dagegen sind die "Erste-Hilfe-Kurse am Hund", die vom ASB künftig in regelmäßigen Abständen angeboten werden. Die Kosten betragen 35 Euro, um Voranmeldung wird gebeten.