Die Finanzsituation der Stadt macht Bürgermeisterin Christiane Meyer (NLE) am meisten Kopfzerbrechen. "Ich bin erschüttert, dass wir vielleicht nicht einmal mehr problemlos Kredite für Pflichtaufgaben wie den Bau einer Kinderkrippe aufnehmen dürfen. Das habe ich nicht gewusst", gesteht Christiane Meyer, die aber sonst nur Positives in ihrer neuen Aufgabe als Bürgermeisterin sieht.

"Die Arbeit macht enorm Spaß. Und sie ist enorm abwechslungsreich", resümiert Christiane Meyer. Vor allem der intensive Kontakt zu den Bewohnern der Stadt ist ihr wichtig. "Viele Leute sind auf mich zugekommen, um sich einzubringen. Da waren drei Damen, die eine Gesundheitswoche organisieren wollen, und da gibt es eine Gruppe, die sich um den Friedhof kümmern will. Wir müssen nun sehen, wie wir solche Aktivitäten unterstützen können", erklärt die Bürgermeisterin.

Probleme an der Wurzel packen

Die Fülle an Aufgaben, mit denen sie seit Dienstantritt konfrontiert ist, verlangt strukturiertes Arbeiten. Nur repräsentieren ist nicht. "Ich bin dabei, die Grundlagen für die Politik der nächsten sechs Jahre zu schaffen", erklärt Meyer. Soll heißen: "Die Arbeit hier unterliegt vielen Zwängen. Deshalb können wir nicht einfach so weitermachen wie bisher. Nehmen wird das Baugebiet Ehrlich. Dazu liegen bislang keinerlei Daten vor. Allein der Anschluss an die Staatsstraße in Richtung Ramstertal würde 200 000 Euro kosten. Geld, das die Stadt nicht hat. Um eine Basis zu haben, ob und wie wir hier sinnvoll weitermachen, brauchen wir das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK). Erst dann können wir entscheiden", findet Christiane Meyer.

"Wurde herzlich aufgenommen"

Sie zeigt sich positiv überrascht, wie herzlich sie in der Verwaltung aufgenommen wurde. Nach dem Wahlkampf habe sie Bedenken gehabt, dass es Vorbehalte geben könnte, doch diese Sorge habe sich als unbegründet erwiesen. Im Gegenteil: Nach dem einen oder anderen Zeitungsartikel habe sie sogar aufmunternde Worte von Kollegen erhalten. "Da gab es Anrufe, die mich in meiner Arbeit bestärkt haben. Und mir wurde angeboten, dass sie mich mit Rat und Tat unterstützen. Darüber habe ich mich sehr gefreut", gesteht Meyer.

Beim Vereinsempfang platzte das Rathaus fast aus den Nähten. Da waren die "Mutmacher" ebenso da wie der Elferrat, die Feuerwehr und alle anderen Vereine. Mit so einem riesigen Interesse habe sie nicht gerechnet, erzählt die Bürgermeisterin, die mittlerweile auch das Schützenhaus von innen kennt. Auch die Werbegemeinschaft will sich neu positionieren. Vor allem die Gratulationsbesuche möchte sie nicht missen. "Ich erfahre sehr viel über die Menschen. Ich freue mich darüber, was mir die Leute alles anvertrauen", betont Christiane Meyer.

Auch wenn sie in ihrem neuen Amt überrascht war, "dass die Personaldecke außerordentlich dünn" sei, "dass so viel ansteht" (Baulandausweisung, Kinderkrippe, Breitband, Schuldenberg), und "dass wir in vielen Bereichen sofort loslegen müssen", hat Meyer "enorm Spaß" an ihrer Arbeit. "Ich habe schon einen ganzen Stapel an Adressen von neuen Kontakten, die mir helfen können, meine Arbeit gut zu machen", freut sich die Stadt-Chefin.

"Ich neige zur Ungeduld"

Ob ihre Entscheidung richtig war, sich für das Amt der Bürgermeisterin zu bewerben, darüber habe sie noch keine Minute nachgedacht. Dafür sei ihr Elan viel zu groß, und da gebe es einfach viel zu viel zu tun. Manchmal muss sich Christiane Meyer selbst bremsen. "Ich neige zur Ungeduld, will am liebsten alles auf einmal erledigen", gibt Christiane Meyer zu. So könne es schon vorkommen, dass sie vier Tage in Folge erst kurz vor Mitternacht heim kommt. Die Tochter (bald 18) finde das klasse. Aber Ehemann und Sohn (10) sollen nicht unter der beruflichen Belastung leiden. "Es wird meine große Herausforderung werden, alles unter einen Hut zu bringen", räumt Christiane Meyer ein.

Aber sie ist gut vorbereitet. Als berufstätige Mutter musste sie das bisher ja auch. "Und ich habe auch in meinem neuen Amt jeden Tag sehr gut geschlafen", lacht die Bürgermeisterin, die nach eigenem Bekunden sehr gut abschalten kann.

Das will sie vor allem nach dem Altstadtfest tun, wenn sie mit ihrer Familie einen zweiwöchigen Urlaub genießt. Zu mehr war heuer keine Zeit.