Verbauungen an den Uferrändern des Brandbaches, illegale Erdaufschüttungen, Müllablagerungen, eingezäunte Plätze, auf denen gegrillt und Holz gestapelt wird, Silagen in Ufernähe, Kompost, Laub- und Grüngutablagerungen in Ufernähe und schließlich sogar unerlaubte Entnahme von Wasser oder Einleitungen in die Bäche: 139 Auffälligkeiten, davon 14 Fälle, in denen gegen das Gesetz verstoßen wird, hat eine Bachbegehung durch den Bund Naturschutz (BN), Ortsgruppe Neunkirchen am Brand und Umgebung, gebracht.

Diese Erkenntnisse, aber auch mögliche Gegenmaßnahmen sind mit Unterstützung des BN-Arbeitskreises "Wasser" in einem 150 Seiten starken Dokument zusammengefasst worden. Die Dokumentation wurde nun dem Neunkirchener Bürgermeister Heinz Richter (FW) und dessen Dormitzer Kollegen Holger Bezold (FW) überreicht.


Hochwasserschutzkonzept

Das von den Gemeinden in Auftrag gegebene Hochwasserschutzkonzept und der Gewässerschutz mit Gewässerentwicklung war Grund für die Bachbegehung gewesen. 9,3 Kilometer und 60 Stunden Arbeit stecken hinter der Begehung des Gewässers dritter Ordnung. Bernhard Birnfeld, Vorsitzender der Ortsgruppe Neunkirchen, dankte den Bürgermeistern, dass der BN in das Hochwasserschutzkonzept eingebunden werde. "Das ist nicht selbstverständlich", sagte Birnfeld.

Neben dem Bund Naturschutz bedauerten vor allem die beiden Bürgermeister Richter und Bezold den Ausstieg der Gemeinde Hetzles aus dem gemeinsamen Konzept. Am 12. Juni findet ein Gespräch mit dem Wasserwirtschaftsamt statt. Auch der Hetzleser Bürgermeister würde dazu eingeladen werden. Denn auch wenn Hetzles aus dem Hochwasserschutzkonzept ausgestiegen ist, so sei dieser Ausstieg nicht auf das Gewässerschutzkonzept bezogen.


Hinweise an Hetzles

Gerade der Bund Naturschutz möchte mit der Dokumentation sowohl den Hetzleser Bürgermeister als auch die Gemeinderäte und Bürger motivieren, wieder mitzumachen. Die Qualität des Fließwassers zu steigern und somit den natürlichen Rückhalt zu verbessern, sei wichtiger Bestandteil des Gewässerschutzes und somit auch für den Hochwasserschutz. Gerade eine Studie des Max-Planck-Instituts zeige, dass in den nächsten Jahren die Intensität der Niederschläge um 20 Prozent zunehmen werde. Unter diesem Gesichtspunkt sei die Entscheidung aus Hetzles nicht nachvollziehbar, das als Grund für den Ausstieg die Vergangenheit heranzog.

Der Gewässerschutz betrifft aber alle drei Gemeinden, und auch Hetzles ist in dem Dokument berücksichtigt. Auch in der Gemeinde sind solche Auffälligkeiten und Verstöße registriert worden. "Diese gesetzlichen Verstöße haben wir ans Wasserwirtschaftsamt gemeldet", sagte Birnfeld. Dort seien diese Verstöße nicht bekannt gewesen, man wolle sich jedoch darum kümmern und auch die Situation vor Ort besichtigen.


Verstöße der Anrainer

Birnfeld machte den beiden Bürgermeistern deutlich, wie wichtig die Pflege von den Gewässern sei, und dass die Gemeinden die Anrainer auf Verstöße aufmerksam machen sollten. Zugleich empfahl Birnfeld eine derartige Begehung auch allen politischen Mandatsträgern.

Diese Priorität wiesen die beiden Bürgermeister nicht von der Hand. Sie machten jedoch zugleich auf die Fülle der weiteren dringenden Aufgaben aufmerksam. Den Hinweis, dass die Verstöße nicht gemeldet oder nicht dagegen angegangen würden, konnten weder Bezold noch Richter so stehen lassen. "Wir haben klare Gespräche geführt und sprechen die Anrainer regelmäßig an. Es gab sogar schon Gerichtsverhandlungen", machte Richter deutlich. "Im Wasserwirtschaftsamt sind alle Probleme bekannt", betonte auch Holger Bezold.


Die richtige Pflege

Beide Bürgermeister bekräftigten, regelmäßige Gewässerpflege durchzuführen. Günter Schulze Vowinkel-Schwedler (BN) regte an, die Anrainer einzubeziehen. So könnte laut Karin Weber (BN) eine Broschüre herausgegeben werden, in der die richtige Pflege von Bachbetten und Uferrändern aufgezeigt wird. Wichtig war ihr herauszustellen, dass diese einfachen Maßnahmen kein Geld kosten, aber schon viel ausrichten könnten.

Ulrich Buchholz, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Forchheim, lobte die Arbeit der Neunkirchener Ortsgruppe. "Es ist ein großes Geschenk, was die Kreisgruppe gemacht hat. Das gibt es in ganz Bayern nicht. Das Thema ist viel zu ernst, als dass man es liegen lassen kann", meinte Buchholz lobend.