Vor 100 Jahren geschah in Kugelau (bei Zeubach) ein Raubmord, der bis heute seine Kreise zieht und letztendlich nie aufgeklärt werden konnte. Außerdem freute man sich über Kriegsheimkehrer und gründete einen Verein "Zufriedenheit".

Es klang erschütternd, als der Wiesentbote am 24. August 1920 meldete, dass in Kugelau zwei Tage vorher ein Raubmord begangen worden war. "Die Ökonomiefrau Kunigunde Adelhardt, die in einem abseits der Straße liegenden Hause wohnt, wurde von ihren, aus der Kirche heimkehrenden Angehörigen mit durchschnittenem Halse, in einer Blutlache liegend, aufgefunden". Gestohlen wurden Geld, Fleisch und Würste.

Nach Raubmord in Kueglau: Bauernsohn aus Waischenfeld in Haft

Im Dezember gleichen Jahres vermeldet die Zeitung einen ersten Erfolg: Ein Bauernsohn aus Waischenfeld wurde unter dringenden Tatverdacht verhaftet, weil er die Familie der Getöteten gut kannte und von daher gewusst haben soll, dass das Haus am Sonntagvormittag nur von der alten Oma bewohnt ist. Ein halbes Jahr später musste auch der Verdächtige aus Mangel an Beweisen wieder aus dem Gefängnis entlassen werden.

Vermutung: Wanderte der Mörder nach Amerika aus?

Anton Adelhardt, 1940 in Zeubach geboren und als Münchner Landwirtschaftsdirektor wieder in seine alte Heimat zurück gegangen, hat diese Geschichte Zeit seines Lebens recherchiert und darüber sogar ein kleines Büchlein geschrieben. Seine Mutmaßungen deuten auf einen Einheimischen hin, der 1920 nach Amerika ausgewandert und dort auch gestorben ist. Gestützt wird diese Vermutung von einem Brief aus Amerika von 1927, in dem ein Scheck über 3000 Dollar lag und das Geständnis: "Was ich euch angetan hab, kann ich nicht wieder gut machen. Aber nehmt was ich erspart habe".

"Zuchtlose Jugend"

Im Februar 1920 kamen die ersten Krieger aus französischer Gefangenschaft des ersten Weltkrieges zurück. Dazu gehörten Büttnermeister Georg Scherl und Maurermeister Thomas Keller. Sie wurden wie kleine Könige empfangen. Die Lokalzeitung schrieb: "Die Schuljugend und Vereine sowie die Stadtkapelle hatten am Stadteingang Aufstellung genommen. Unter den Klängen der Musik zogen sie zur Wohnung, wo zwei Mädchen Gedichte vortrugen".

In Nankendorf feierte man sogar ein "Kriegerfest", aus Freude darüber, dass in der "oberen Pfarrei Waischenfeld" - Nankendorf hatte zu dem Zeitpunkt noch keine eigene Pfarrei - viele Krieger gesund nach Hause zurückkamen. Stadtpfarrer Gerstacker "hielt eine kernige Rede", so der Reporter, in der er die Heimkehrer aufforderte, "die durch den Krieg zuchtlose und verdorbene Jugend durch gute Lehren und Beispiel wieder auf bessere Wege zu lenken". Am Nachmittag, nach der Maiandacht wurde die Heimkehr groß gefeiert: Mit der Musikkapelle Ritter und dem Gesangverein aus Waischenfeld.

Großbrand im Ahorntal

Apropos Feier: In Siegritzberg gründete sich im Januar 1920 offiziell ein Verein "Zufriedenheit", dem alle unverheirateten Burschen beitraten. Gründungvorstand wurde der Privatier Franz Richter und sein Vertreter Johann Düngfelder, in dessen Wirtshaus auch die Gründungsfeier stattfand. Die Zeitung berichtet weiter: "Von hier aus ging es in geordnetem Zuge unter Musikklängen und begleitet von sämtlichen Dorfschönen und sonstigen Zusehern zum festlich geschmückten Saale der Brauerei Krug, Breitenlesau, wo sich viele Freunde und Gönner des Vereins und sonst viele Tanzlustige eingefunden hatten. Nur allzu schnell waren die Stunden des schönen Vergnügens verflossen, welche uns stets eine Erinnerung bleiben werden".

Weniger schön war der Großbrand im Ahorntal in der Nacht vom 29. auf den 30. März, als im gräflich Schönborn'schen Gutshof drei Scheunen und ein Göppelhaus abgebrannt sind, dazu eine Dampfdreschmaschine und zwei Futterschneidemaschinen. Besonders schlimm traf es die Tiere: "Mitverbrannt sind 66 Stück Schafe", meldete der Wiesentbote.