Vor 19 Jahren hat Werner Hennig sein Auto abgeschafft. Seitdem ist er ein begeisterter Nutzer des Carsharing. Und das, obwohl es in Forchheim gar kein Carsharing gibt. Henning hat sich dem Verein Meiaudo angeschlossen. Bevor er sich hinter das Steuer setzen kann, muss er mit dem Zug nach Bamberg. Dort holt er sich eines der 24 Meiaudo-Fahrzeuge, das er nach der Nutzung natürlich wieder am selben Standort abstellen muss, um per Zug nach Forchheim zurückzukehren.

Diese umständlich anmutende Form der Autonutzung stört Werner Hennig nicht. Er sei gerne mit Fahrrad und Zug unterwegs. Aber natürlich würde er sich über ein Carsharing in Forchheim freuen. Daher steht Hennig hinter der Initiative, die Emmerich Huber ergriffen hat.

Der ist bei den Forchheimer Grünen und in der Neunkirchener Genossenschaft Bürger-für-Bürger-Energie (BfB) engagiert. Huber arbeitet daran, das Bamberger Modell in Forchheim zu etablieren. In Neunkirchen werden bereits Autos geteilt, doch in Forchheim kommt der Sharing-Motor nicht so recht ins Laufen.

Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) betont zwar, dass ihm Carsharing "ein ganz besonderes Anliegen" sei; und die Stadtwerke signalisieren, dass sie selbst gerade "verschiedene Möglichkeiten der Durchführung prüfen". Doch Huber kommt das alles sehr zögerlich vor: "Ich habe nicht den Eindruck, dass was passiert. Was ich vermisse, ist ein Zeithorizont."

Er selbst hat einen: "Wenn wir den zentralen Parkplatz hätten, könnten wir im Frühjahr starten." Wobei Huber das Carsharing durchaus "kritisch" sieht. Es sei kein grundsätzlicher Beitrag für die Umwelt und zur Verkehrswende; daher müsste das Car-Sharing zumindest auf Elektroautos setzen. Die BfB-Genossenschaft würde die Beschaffung und Wartung der Autos übernehmen; sie würde die Vermietung organisieren und sich auch um die Einweisung der Nutzer und um die Plattform kümmern. In einem Punkt müsste die Stadt diesem ehrenamtlichen Betrieb aber entgegenkommen, sagt Huber: "Die Stadtwerke stellen kostenfrei zwei zentrale Parkplätze mit Ladepunkt für zwei Elektroautos zur Verfügung und beteiligen sich möglicherweise an einem Kümmerer."

Das Interesse am Auto-Teilen in Forchheim ist unübersehbar. Emmerich Huber hat es getestet. Über seinen privaten E-Mail-Verteiler hat er 200 Personen informiert und ihre Bereitschaft abgefragt. "13 würden sofort mitmachen, das ist viel", sagt Huber. Pro Auto bräuchte die Genossenschaft 30 Nutzer. Aber eben auch die Zusage der Stadt für einen zentralen Standplatz. Doch diese Zusage gibt OB Kirschstein bislang nicht. Dem FT sagte er: "Bezüglich einer Betreiberschaft ist noch keine Entscheidung getroffen. Deshalb ist es noch zu früh, um über die Verfügungstellung von Parkplätzen und Infrastruktur zu sprechen."