Wo sonst Bagger und andere schwere Geräte am Werk sind, wird seit dieser Woche mit Besen und Kelle gearbeitet. Der Grund ist ein überraschender Fund in der Eisenbahnstraße. Arbeiter entdeckten unmittelbar unter dem alten Straßenbelag ein Fundament der Festungsmauer Forchheims.

"Es handelt sich vermutlich um die Grundmauern des sogenannten Reuther Tores", erklärt Archäologe Reiner Burkard. Dies war das wichtigste Zugangstor der Fränkische Schweiz. Durch dieses 1567 fertig gestellte Tor führten die Bauern ihr Vieh direkt auf den Viehmarkt.

Das Tor war Teil einer kleinen Bastion. Zusätzlich zu den bis zu sechs Meter dicken Mauern war der Befestigungsanlage ein breiter Graben vorgelagert. In diesem befand sich ein riesiges Vorwerk. Von der Mauer und von der Spundwand des Grabens fanden die Arbeiter ebenfalls Überreste.
"Die Dimension der Befestigung ist gigantisch.Es wundert mich nicht, dass Forchheim nie eingenommen wurde", meint Reiner Burkard.

Die aufwendigen Festungen verloren im 19. Jahrhundert militärisch an Bedeutung. 1875 begann der Abbruch an der Reuther Bastion. Die einst so stolze Festungsmauer wurde zu einem riesigen Steinbruch.
Aufgabe der Archäologen ist es jetzt, den Fund vorsichtig freizulegen. Für diese mühsame Kleinstarbeit braucht das zweiköpfige Team zwei Tage. Anschließend wird der Fund durch Fotos, Zeichnungen und detaillierte Beschreibungen dokumentiert. Aber die Zeit drängt, denn um die Ausgrabung herum wird weitergebaut.
Dann wird das Fundament seinen Dornröschen schlaf fortsetzen. Es wird verfüllt und mit der neuen Straße überbaut.

"Die Pflege und Konservierung wäre zu aufwändig, wenn man die Überreste offen lassen würde", bedauert Reiner Burkard. Wissenschaftlich sei der Fund für die Lagebestimmung der Mauer ein Erfolg.