"Ursprünglich dachten wir an Direktvermarktung von Beeren", erinnert sich Birgit. Aus persönlicher Überzeugung entschieden sich die Neu-Landwirte, nach den biologisch dynamischen Richtlinien des Demeter-Anbauverbandes zu arbeiten.

Als aber die ersten Erdbeeren reif waren und zum Verkauf in den Ökoläden der Umgebung standen, gab es Reklamationen. Weil es sehr viel regnete, begannen die Früchte bereits am nächsten Tag zu schimmeln oder zu faulen. "Deshalb begannen wir, die Ernte zu veredeln, produzierten Beerenweine, Liköre und Marmelade", erzählt Birgit.

"Marmelade ist der falsche Ausdruck", berichtigt Tom. "Es muss Fruchtaufstrich heißen, denn unsere Kreationen haben 70 Prozent Fruchtanteil. Marmelade hat eine höheren Zuckergehalt."

Eigengeschmack muss bleiben

Die Beerenbauern legen Wert darauf, dass der Geschmack der Frucht möglichst unverändert bleibt. Es wird nur leicht mit Rohrzucker nachgesüßt. Anfangs stammten die Früchte ausschließlich aus eigener Produktion, von Hand kultiviert. An dieser Qualität hat sich nichts geändert, doch wird jetzt auch zugekauft. "Von Demeter-Bio bauern, mit denen uns eine langjährige Freundschaft verbindet", betont Tom.

Gekocht wurde der fruchtige Aufstrich anfangs in der Küche in der Niedermirsberger Straße 15. So wie zu Omas Zeiten, im Zehn-Kilo-Topf. Jeden Tag 60 bis 100 Gläschen. Es wurde von Hand abgefüllt, die Deckel drauf geschraubt und die Etiketten mit Prittstift angeklebt. Dann regte Tom an, die Beeren zu mischen oder den Früchten ein Püree aus handgeernteten Blüten von Damaszener Rosen und einem Schuss Apfelsaft zuzusetzen.

"Die Rezepte wurden raffinierten und die Küche zu klein", resümiert Brigitte. Deshalb baute Tom 2004 das 50 Quadratmeter große "Marmeladenhäusla", Versuchsküche und Produktionsstätte der handveredelten Fruchtaufstriche zugleich. Um stets genügend frische Ware vorrätig zu haben, wurden Kühl- und Gefrierzellen angeschafft. Nun wurde in vier Schichten gekocht, von morgens 7 bis nachts um zwei", stöhnt Birgit. Da beschlossen die Beerenbauern zu investieren, kauften Maschinen und holten mit Christian Batz, Diplomingenieur für Weinbau, einen weiteren Gesellschafter ins Boot.

Frischobst im Visier

Heute werden pro Tag mindestens drei Chargen (a tausend Gläschen) produziert. Das Marmeladenhäusla bleibt Versuchsküche. Für neue Sorten wie den Mandarinen-Aufstrich, dessen Früchte aus Sizilien kommen. Den Lieferanten, einen Biobauern, lernten die Beerenbauern bei einem Urlaub kennen.

Tom und Birgit Bertelshofer haben aber noch mehr Ideen. So tüfteln sie über weiteren exklusiven Sorten von Fruchtaufstrichen. Und auch die Anfangsidee vom Frischobst haben sie noch nicht begraben. Da experimentieren sie mit einer speziellen Traubensorte.