Das Malen ist dem pensionierten Landratsamts-Mitarbeiter Rainer Schrüfer ein Bedürfnis. Die große Leidenschaft des Hobby-Künstlers ist aber seine acht Quadratmeter große Krippe ganz nach Motiven des Biedermeier-Malers Carl Spitzweg. Hier bringt der Klapperstorch das Christkind.

Angefangen hat alles damit, dass Schrüfer vor Jahren begonnen hat, den Spitzweg-Figuren Leben einzuhauchen. Er modellierte den "ewigen Hochzeiter", den "Briefboten im Rosenthal" oder den "Mönch", der betend einer hübschen Sennerin einen verstohlen-verlangenden Blick zuwirft.

"Diese Figuren sind dann einfach so rumgestanden und verstaubt", erzählt Schrüfer. Dafür waren sie ihm zu schade. Da kam er auf die Idee, diese Figuren zu Gruppen zusammenzufassen, sie in eine Szenerie einzubetten. So entstand eine Krippenlandschaft nach Spitzweg-Motiven. Im Dachzimmer liegt sinnierend der Arme Poet, der sich mit einem Regenschirm vor durchtropfender Nässe schützt, während im Torbogen eines herrschaftlichen Gebäudes Maria und Josef vor einer leeren Krippe stehen. Das Christkind bringt der Klapperstorch, der über den Dächern der Bilderbuch-Szenerie schwebt.


Verbindungen finden

Die Herausforderung bei der Umsetzung der zweidimensionalen Spitzweg-Bilder in eine Biedermeier-Landschaft liegt darin, die einzelnen Motive miteinander zu verknüpfen, die richtigen Übergänge zu finden. Auch vom Maßstab her müssen die Figuren zusammen passen. Wie lange der Hobbykünstler bisher daran gearbeitet hat, kann er nur noch überschlagsmäßig zusammenrechnen.

"Es waren sicher ein paar hundert Stunden bis die Krippe stand", schätzt er. Anfangs holte er die Teile jedes Jahr aus dem Keller, zeigte sie auf Ausstellungen. In der Bamberger Matern-Kapelle stand die Spitzweg-Krippe im Mittelpunkt einer Sonderschau. Das ist aber schon 20 Jahre her.

In Büchern suchte Schrüfer nach Spitzweg-Motiven, die er in die Gesamtszenerie einbauen konnte. Die Krippe wuchs Jahr für Jahr. So kamen "Der abgefangene Liebesbrief", "Der Briefbote im Rosenthal" oder "Der Sonntagsspaziergang" hinzu. Selbst der "Kaktus-Liebhaber" ist Teil der Krippenlandschaft aus Styropor. Rund 70 Figuren beleben mittlerweile 38 unterschiedliche Motive.


Garage ausgeräumt

Das Kunstwerk ist so umfangreich, dass Schrüfer dafür seine Garage ausgeräumt hat. Seit die Krippe hier fest installiert ist, ging der Bastler auch daran, seine Szenerien ins rechte Licht zu rücken. Hinter den Häusern verlaufen etliche Kabel für eine individuelle Beleuchtung. Fällt da ein Birnchen aus, bedeutet das größere Umbau-Arbeiten.

Zurückgebaut werden musste der Wasserfall, der die Bilderbuch-Landschaft belebt hat. "Das Wasser ist eingefroren", bedauert Schrüfer. Deshalb hat er die Wasserstellen gemalt. Zu sehen ist die Spitzweg-Krippe in Wimmelbach, Willersdorfer Straße 8, ab 26. Dezember täglich von 16 bis 19 Uhr.