Schwarz färbt der Rauch den Himmel über dem Bahnhof. Auf dem Bahnsteig unterhalten sich zwei Zugführer. Der eine hat eine Mütze auf und heizt dem alten Dampfross ein. Der andere schaufelt keine Kohlen in den Kessel, sondern sorgt dafür, dass dem Wahlkampf genügend Feuer unter dem Hintern gemacht wird.


Ulrich Bahr heißt der Lok-, Hartmut Koschyk der Wahlkampf-Führer. Während der eine lautstark Dampf ablässt - Tut-Tuuut-Tut - plaudert der andere im Speisesaal darüber, wie er auf die tolle Idee gekommen ist, den CSU-Wahlkampf auf die Schiene zu bringen. "Die Idee war einfach 25 Tage vor der Landtagswahl, 32 Tage vor der Bundestagswahl, nicht irgendwo in einem Wirtshaus, sondern auf der Schiene mal eine Begegnung zwischen den Kandidatinnen und Kandidaten für die vor uns liegende bayrischen Wahlen zu ermöglichen, aber wir blicken auch über Landtags- und Bundestagswahl hinaus auf die Kommunalwahlen 2014", erklärt Hartmut Koschyk.
Deshalb hat er nicht nur eine Fahrkarte für Michael Hofmann (Direktkandidat der CSU für den Landtag) sondern auch für Kerstin Nestrojil (die Bezirkstagskandidatin ) gelöst. Sogar Hermann Ulm - der CSU-Landratskandidat - und Rainer Schmeußer, der Anwärter auf den Bürgermeister-Sessel in Ebs, haben eine Fahrkarte für den Museumszug bekommen.

"Der Walter Sieburg verteilt jetzt die Fahrkarten, weil wir wollen ja nicht, dass Sie nachher - ausgerechnet auf Einladung der CSU - als Schwarzfahrer erwischt werden", scherzt Koschyk, während ein bekannter Journalist mit Brille aus Bayreuth das "rustikale Frühstücks-Buffett" schon einmal vorsichtig aus den Augenwinkeln inspiziert.

Gedacht ist an alles. Eier in allen Variationen, gerührt oder gebraten, dazu Kaffee und O-Saft, sowie allerlei Fruchtiges und Käsiges zum Garnieren der Eierspeisen. Sogar Müsli haben die Konservativen vorbereitet.
Denn während die "CSU-Wahlkampflokomotive unter Dampf" gerät, soll beim Frühstück über Politik geplaudert werden. Beides nicht ganz einfach in einem Dampfzug. Denn nachdem der Schaffner gewunken, der Heizer geheizt und der Lokführer - Tut-Tuut-Tut - den Hebel umgelegt hat, geht das Dampfross ab wie die "Wilde 13". Es rumpelt und pfeift, dampft und bläst, dass Hartmut Koschyk wahrscheinlich denkt "Bierzelt nichts gegen Dampflok".



Dann ist erstmal Frühstücks-Zeit. Eier-Variationen werden auf Tellerchen transportiert. Keine leichte Aufgabe in einem wankenden Waggon. Seekrank schaut Hermann Greif drein. Aber nicht das Schwanken, sondern das Schweißen hat dem Landwirt und Listenkandidat aus Pinzberg aufs Gemüt geschlagen.
Von Übelkeit kann beim Landrats-Kandidat keine Rede sein. "Ich fahre heute zum ersten Mal mit dem Museumszug", sagt Herrmann Ulm und schaut verträumt durch die Fenster des rollenden Frühstück-Salons auf die Felder und Fluren, die er bald regieren will. Aber wie ein Landrat fühlt sich Ulm noch nicht, sagt er und strahlt und schaufelt noch etwas Rührei auf den Teller.

Erstaunlich weiße Westen
Die Hemden der Herren bleiben erstaunlich rein. Trotz voller Kaffeetassen auf wackliger Fahrt. Vollkommen in Fahrt bringt das Schaukeln offensichtlich Michael Hofmann. "Wie bei der Lokomotive geht es darum, nicht vom Gas zu gehen, wenn die Lok schon einmal am Rollen ist", sagt Hofmann und meint natürlich den CSU-Wahlkampf.

Wie das Stahlross soll der weiter seine Kraft entfalten können. Dann klappt es schon mit dem Landtag. Und dann? Dann wolle er dafür sorgen, dass Bayern das Schicksal vom Rot-Grün regierten Baden-Württemberg erspart bleibt. "Die nehmen vier Milliarden Schulden auf, wir bauen zweieinhalb Milliarden ab."
Wenn Hartmut Koschyk das gehört hätte, hätte er sicher genickt. Hat er aber nicht. Also genickt hat er nicht. Gehört vielleicht schon, weil er quasi fast vis-a-vis vom Hofmanns Michael sitzt. Aber viel schlimmer, weil beinahe wäre der Adlatus vom Schäuble, also der Herr Koschyk, verhaftet worden. Von wem? Vom Fahrkarten-Kontrolleur natürlich. Denn ohne Fahrkarte gibt es Ärger.

"Schwarzfahrer werden eingesperrt", sagt Walter Sieburg trocken und Marcus Knörrlein, der junge Kollege in FDJ-blauer Kontrolleur-Montur nickt und sagt: "Zahlen oder laufen."
Irgendwer muss dem Herrn Staatsfinanz-Sekretär dann wohl doch noch schnell ein Ticket zugesteckt haben. Weil der Koschyks Hartmut weder gelaufen noch eingesperrt worden ist. Weil wie sonst hätte er wenig später schon wieder in Forchheim beim Fischladen mit einem alten Spezi aus Forchheimer Tagen hocken können? Dazu muss man wissen, dass der Herr Koschyk in der Königsstadt auf die Welt gekommen ist. Jetzt wohnt er freilich woanders in Franken. Aber die meiste Zeit ist er sowieso in Berlin und muss sich über Griechen, Schulden und Investitionen das Hirn zermartern.

Dass plötzlich wieder so ein Wirbel ist, weil der Finanzminister gesagt hat, dass die Griechen nach den Wahlen freilich neue Milliarden brauchen, kann er nicht verstehen. Weil das habe der Schäuble doch schon im Dezember gesagt. Damals hatten es wohl alle überhört.

Verstehen kann er dagegen die Bürger, die nicht so viel Steuern zahlen wollen. Vor allen Dingen die armen Arbeitnehmer, denen das Finanzamt die Steuer gleich vom Lohn abzieht, müssten entlastet werden, findet Koschyk. Deshalb werde die CSU die kalte Progression abschaffen.

Das sei freilich keine echte Steuerabschaffung wie die Sektsteuer zu versenken oder den Solidaritätszuschlag auf das Abstellgleis der Geschichte zu parken. Aber immerhin. Und Steuererhöhungen - also die Mehrwertsteuer zum Beispiel, die kann Koschyk aber kategorisch ausschließen. Das sei so sinnvoll wie Eulen nach Athen zu tragen. Oder um beim Dampfgeplauder zu bleiben: Wie mit Steuergeldern den Kessel zu heizen.