Wie oft sie von Serlbach nach Gößweinstein gepilgert ist? Das weiß Gertrud Knorr nicht mehr und auch nicht genau, wann es das erste Mal gewesen war. "Nach'm Krieg", grenzt die Zeitungsausträgerin den in Frage kommenden Zeitraum ein wenig ein: "In meiner Kindheit, da bin ich jedes Jahr mit meinen Eltern mitgegangen, wirklich gern."
Zwei Tage habe die Wallfahrt gedauert: Am Samstag lief man hin, und sonntags ging es ebenfalls zu Fuß wieder heimwärts. Und dann erzählt Gertrud Knorr, dass es für sie und die meisten anderen der 80 bis 100 Einwohner des kleinen Forchheimer Ortsteils wohl der erste und einzige Urlaub war. "Wir sind gern mit, wir sind doch nicht fortgekommen und mit dem Wallfahrtsführer hat man doch mal was Anderes gesehen."
Das letzte Mal war sie 2010 dabei. Da ist sie mit den anderen um etwa sieben in der Früh losgelaufen, hat mit ihnen in Wannbach gerastet, um gegen ein Uhr in Gößweinstein anzukommen. Die Gruppe betete dann den Kreuzweg und nahm am Pilgeramt teil. "Heimgefahren sind wir mit dem Bus", berichtet Knorr von ihrer letzten Fußwallfahrt.

"Ein Anliegen von ganz Selbach"


2011 war Knorr der weite Fußmarsch denn doch zu viel. Das tat ihr leid. Denn: "Die Wallfahrt ist doch ein Anliegen von ganz Serlbach; wir müssen doch zusammenhalten."
Gertrud Knorr hat eine Lösung gefunden: ihre Enkelin Christina. Die 24-Jährige übernahm die Verpflichtung ihrer Großmutter. Christinas Freund engagiert sich sogar als neuer Wallfahrtsführer.
Am vergangenen Samstag ist Christina wieder einmal von Serlbach nach Gößweinstein mitgelaufen. Zum wievielten Mal? Auch Christina ist sich da nicht sicher. "Beim ersten Mal war ich fünf. Da bin ich mit meinen Eltern mitgelaufen", erinnert sie sich. Sie sei jedes Jahr dabei gewesen, soweit sie nicht krank war. Das schätzt sie zumindest. Das Faszinierende daran? "Es ist schön in der Gruppe hoch zu laufen. Es ist ja auch eine schöne Strecke."
Laufen ist ohnehin Christinas Hobby. Aber laufen und beten? "Die Rosenkränze sind schon ein knackiges Programm", sagt lacht sie. Sie v ersteht deshalb schon, dass das manche Jugendliche abschrecke. Aber ihnen würde dann auf der anderen Seite auch das tolle Gefühl abgehen, wenn am Ortseingang des Wallfahrtsorts die Pilger von den Geistlichen begrüßt werden. "Da denkt jeder: Wir haben es wieder geschafft."
Das verbindet die Serlbacher Gruppe, die sich untereinander schon lange kennt. "Früher waren es aber mehr", sagt sie - durchaus in der Tradition ihrer Großmutter Gertrud.