"Wir wollen Geiger noch 100 Jahre bei uns in der Fränkischen Schweiz haben", meinte der Wirtschaftsreferent des Landkreises Forchheim, Andreas Rösch. Er war einer der Gäste bei der Vertragsunterzeichnung zum Verkauf der Geiger-Fertigungstechnologie-GmbH an die chinesische Firma Zheijang Tieliu Clutch Co. Ltd. Rösch bezeichnete das Unternehmen als wichtigen Arbeitgeber und bedeutenden Ausbildungsbetrieb. Der Forchheimer Landtagsabgeordnete der Freien Wähler, Thorsten Glauber, meinte: "Der chinesische Investor kann sich freuen, denn er findet einen Standort vor, der stark in der Ausbildung ist." Weiter lobte er die hohe Motivation der jungen Leute, die aus funktionierendem Elternhaus stammten. "Und es gibt hier gut ausgebildete Fachkräfte. Schließlich ist das Personal das Kapital des Unternehmens", sagte Glauber. Nach seiner Erfahrung schätzen Chinesen die typisch deutschen Werte wie zum Beispiel Pünktlichkeit.

Nicht genau an den Plan gehalten

Allerdings hielten sich die chinesischen Gäste nicht genau an den deutschen Plan für den Ablauf der Veranstaltung. Bei einem Firmenrundgang informierten sie sich über die Produktionsabläufe. Hier trafen sie auf Mitarbeiter wie Heiko Schmid, der von seiner Arbeit bei Geiger begeistert ist. Allerdings ist beim Personal die Sicherheit der Arbeitsplätze ein großes Thema. Dritter Bürgermeister Gerhard Kraft (FW) vertrat die Marktgemeinde Pretzfeld und hofft ebenfalls, dass es in Zukunft so positiv weitergeht für die Mitarbeiter. Geschäftsführer Daniel Kerper berichtete von der gut besuchten Betriebsversammlung, die am Tag zuvor stattgefunden hatte. Der neue Chief Executive Officer (CEO), also der neue oberste Leiter des operativen Geschäfts, Ning Guo, hatte sich dort vorgestellt und Fragen beantwortet.

Frage nach Entlassungen

"Da kam auch die Frage nach möglichen Entlassungen auf. Das hat Herr Guo aber entschieden verneint", erzählte Kerper und sagte weiter, dass die Firma nicht verkauft werden musste. Zehn Jahre lang gehörte Geiger der Beteiligungsgesellschaft KAP AG. Diese restrukturiert derzeit ihre Portfolios. Und Geiger wurde eben zum Verkauf angeboten. Die Resonanz sei positiv gewesen.

1960 gegründet

Die Firma wurde 1960 von Ernst Ludwig Geiger in Ebermannstadt als Ein-Mann-Unternehmen gegründet. In den 70er Jahren zog sie auf das heutige Firmengelände um. Als der Gründer in Ruhestand ging, wurde das Unternehmen 1994 an die Firma Daun verkauft und vergrößert. Derzeit hat Geiger etwa 420 Mitarbeiter. Es werden vorwiegend Präzisionsdreh- und Frästeile in Großserie für Kraftstoffeinspritzsysteme produziert. Bisher fehlten dem Unternehmen internationale Standorte. Das soll zukünftig anders sein. "Tieliu ist da gut aufgestellt. Da passen wir gut dazu, denn wir wollen ja weiter wachsen", erklärte Kerper. Die Verkaufsgespräche mit Tieliu laufen seit Anfang 2018. Über den Verkauf wurde auch der Betriebsrat informiert. "Im ersten Moment war die Reaktion der Mitarbeiter negativ, doch wir konnten sie davon überzeugen, dass der Verkauf etwas Positives ist", erzählte die Vorsitzende des Betriebsrates, Carmen Zöbelein. Und auch ihr Stellvertreter, Kemal Köksal, bestätigte, dass die Auftragslage bis 2019 gut sei. Beide verstehen, dass bei den Mitarbeitern noch ein wenig Unsicherheit herrscht, denn es könnten noch Umstrukturierungen vorgenommen werden. "Wir hatten das auch schon, aber da wurde nur umstrukturiert und es sind keine Arbeitsplätze weggefallen", meinte Köksal. Carmen Zöbelein ergänzte: "Wir blicken positiv in die Zukunft."