Auf den ersten Blick wären die beiden nicht zu unterscheiden: Das gleiche Grinsen, das selbe Funkeln in den Augen. Wenn, ja wenn der liebe Gott den Zwillingen aus Effeltrich nicht unterschiedliche Fußball-Gene verpasst hätte. "Ich bin Bayern-Fan", sagt Stefan. "Ich bin Dortmund-Fan", sagt Geo. Am Samstagabend (20.45 Uhr / live im ZDF) stehen sich die Lieblingsmannschaften der fußballverrückten Zwillinge beim Endspiel im Wembley-Stadion gegenüber. Die Nerven liegen bei den 45-Jährigen blank. Je näher das Spiel rückt, desto schlimmer. Die Atmosphäre wird angriffslustig.



"Wenn Dortmund gewinnt, was nicht passiert, darfst du, Geo, eine Woche die schwarz-gelbe BVB-Fahne aufhängen", ärgert Stefan seinen fünf Minuten jüngeren Zwillings-Bruder. Derzeit weht im Derrfuß´schen Garten stolz die Bayern-Fahne im Wind. Faustregel: Bayern in der Meisterschaft vor Borussia gleich FCB-Flagge am Fahnenmast. Und umgekehrt. "Wenn ich gewinn`, verliert halb Effeltrich", lacht sich Geo (genau der Jüngere) ins Fäustchen. Warum? Weil Effeltrich quasi Bayern-Hochburg. Dortmund-Fan gibt es nur noch einen im Ort: "Matze", der Grieche.

Von Club-Fans und Uli Hoeneß
"Die anderen Effeltricher sind Club-Fans", erzählt Geo. Die sind besonders leicht reizbar, weil Nürnberg noch nie in der Königsliga mitkicken durfte. Weil Club-Fan quasi gleich Bayern-Hasser. Der Geo weiß wohin das führen kann. "Manche Club-Fans gehen soweit und sagen: Ist uns egal, wenn wir absteigen, Hauptsache der Hoeneß wird eingesperrt", sagt der Geo, der sich irgendwann für die Borussen entschieden hat, weil die so gut gespielt und so viel gewonnen haben. Weil in Effeltrich musst du irgendein Fan sein.

"Wenn wir gewinnen, dann kann ich mir von einigen was anhören", fürchtet der BVB-Anhänger. In Effeltrich kennt die Zwillinge praktisch jeder. Richtige Legenden ranken sich um die Heldentaten der (Singles aufgepasst!) ledigen Männer mit dem kleinen genetischen Unterschied im Fußball-Herzen. "Ich war schon mal eine echte Prinzessin", erzählt der Stefan. "Ja, du die Prinzessin Stefanie, ich der Prinz Geo", nickt der Geo. "Bei ,Bauer sucht Frau' waren sie auch schon mal fast dabei", erzählt Ulrich Werner, ein guter Freund der Zwillinge und nebenbei bemerkt: Hardcore-Bayern-Fan.
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Bolzen in London
"Das wird das Spiel des Jahres", sind sich beide ausnahmsweise mal einig, wenn es um die Bedeutung der finalen Bolzerei in London um die Fußball-Krone geht. Die Fahne der Gewinner-Mannschaft kommt wie gesagt in den Genuss, in Effeltrich am Mast der Brüder zu baumeln. Wetten ist nicht ein Ding für die Zwillinge aus Effeltrich. Wie das Spiel ausgeht? "Wir gewinnen", sagt Stefan. "Wir gewinnen", sagt Geo. Warum? "Heuer machen wir die Dinger rein und versieben nicht die Chancen wie im letzten Jahr", sagt der Stefan. Zur Erinnerung: Im letzten Jahr haben die Bayern das Champions-League-Finale "dahoam" im eigenen Stadion gegen Chelsea verloren.

Zu den Stärken der Borussen sagt Geo, der Jüngere, nur ein Wort: "Lewandowski!" Der Stürmer aus Polen wird die Kirsche schon ins Netz donnern. Da kann der Stefan nur müde lächeln. "Dante. Ich sag' nur: Dante!" Der Abwehrmann mit der turmhohen Rastafrisur wird die Sache vor der Sechzehner schon schaukeln, ist sich Stefan sicher. Ein bisschen reden sich die zwei die Köpfe heiß. Über die Stärken der einen, und die Schwächen der anderen Elf.

Abkühlung tut Not
Für ein bisschen Abkühlung in der hitzigen fußballphilosophischen Debatte sorgt ein Schluck aus der Pulle. "Prösterla. Aufs Endspiel!", sagt Geo. "Prost! Der Bessere möge gewinnen. Und das werden wir sein!", sagt Stefan. Die Mama beruhigt ihre zwei Lieblinge und serviert ihren Jungs ein selbstgemachtes Küchla. "Ich drück' allen zwei die Daumen", sagt Ottilie.

Daheim schauen sich die Brüder das Spiel auf keinen Fall an. Niemals. Ehrensache. Couch kommt für die Zwillinge nicht in Frage. Einschlafgefahr gibt es in der Kneipe nicht.

"Ich geh` zum Wirt. In die Bayern-Festung." Der "Wirt" aus dem Gasthaus "Zur Linde" sperrt extra seinen Laden auf, damit sich die eine Hälfte fußballverrückter Effeltricher (Bayern-Fans) das Finale gemeinsam anschauen kann. "Ich gehe zu Freunden und schau da das Spiel", sagt Geo. Später werden sie sich treffen. Irgendwo in Effeltrich. Lange nach dem Schlusspfiff. Wenn sich die Gemüter wieder abgekühlt haben. Beim Wirt. Oder beim Griechen. Je nachdem, wie das Spiel ausgeht.