Der Begriff "Kompromiss" zog sich wie ein roter Faden durch die Haushaltsrede von SPD-Fraktionssprecher Rainer Büttner. Zwar würden "Kompromisse oft als faul und falsch bezeichnet"; aber trotz der 26,6 Millionen Euro Investitionen enthalte der städtische Etat eben "nicht alles, was uns Stadträten wünschenswert ist."

Vor allem das Thema Kolpingshaus machte am Donnerstag erneut deutlich, wie unterschiedlich die Wünsche der Räte gewichtet sind. Grundsätzlich hatten die Fraktionen dem Etat 2019 ja schon im Finanzausschuss zugestimmt. Doch auch dort waren die Mittel für die weitere Planung des Kolpingshauses als Kulturzentrum zum Zankapfel geworden. "Eine weiterführende Planung lehnen wir ab", sagte Büttner am Donnerstag erneut. Erst müssten Kulturentwicklungsplan und Rathaussanierung erledigt sein, betonte Büttner und verwies auf die vielen Kulturschaffenden, die das ebenso sähen. "Quatsch", rief Udo Schönfelder, der CSU-Fraktionssprecher dazwischen.

Doch letztlich waren sämtliche Stadträte außer Sebastian Platzek (FDP) und Franz Noffke (REP) kompromissbereit und stimmten für den Haushalt. "Ein starkes Ergebnis für unsere Arbeit im kommenden Jahr", zeigte sich Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) zufrieden.

Der hatte den Reigen der Haushaltsreden eröffnet und zwei Fragen in den Mittelpunkt gestellt, die er dauernd von Bürgern zu hören bekomme: Wo finde ich eine Wohnung? Wo finde ich eine Betreuung für mein Kind? Während Kirschstein die konstruktive Seite der Stadtrats- und Verwaltungsarbeit betonte, bekam er von den Fraktionen immer wieder harte Brocken der Kritik hingeworfen. "Der Steinbruch, aus dem die Rathaus-SPD ihre Steine holt, um diese unter Missachtung eindeutiger Beschlusslagen in den Weg zu legen, ist scheinbar unerschöpflich", kritisierte etwa Udo Schönfelder und warf dem OB vor, ein "Klima des Misstrauens" zu erzeugen.

Sorgen, Kopfschütteln

Viel von "Sorgen" (etwa wegen der Kindergarten-Planung) und "Kopfschütteln" (wegen der Vorgehensweise bei der Rathaussanierung) war in der Rede von Ulrich Schürr (JB) zu hören. "Die Fehler bei der Ausschreibung wurden von der Stadt gemacht, nicht vom Stadtrat", betonte Schürr und hielt Uwe Kirschstein vor, er habe die Aufarbeitung der Rathaussanierung durch FDP-Stadtrat Sebastian Körber (FDP) "durch ein Höchstmaß an Gängelung und Überwachung begleitet".

Annette Prechtel (Fraktionssprecherin der FGL) sagte, "dass das Erreichen eines ausgeglichenen Haushalts, sogar ohne Nettoneuverschuldung, nicht darüber hinwegtäuschen darf, dass die Stadt Forchheim einen schweren Rucksack mit sich herumschleppt". Schulden in Form maroder Straßen und Brücken und sanierungsbedürftiger städtischer Liegenschaften gebe es zu beklagen. Prechtel adressierte an Kirschstein unter anderem den Vorwurf, dass ihm "die energetische Sanierung der städtischen Liegenschaften nicht wirklich wichtig ist".

Dennoch entdeckten die Grünen viele "Aufträge" im Haushalt als ihre eigenen. Ähnlich formulierten es FBF und Freie Wähler. Paul Nerb (FBF) sah die Vorstellungen und Ziele seiner Fraktion im Etat gespiegelt. Obwohl er Themen wie das Millionendefizit im Königsbad oder die mangelhafte Finanzierung der Infrastruktur als "belastend" empfinde.

Ähnlich der Tenor bei den Freien Wählern. "Wir sehen die Schwierigkeiten, aber auch die Chancen, die sich für Forchheim daraus ergeben", sagte Arnd Feistel. Er hielt es angesichts des Investitionsstaus für unwahrscheinlich, dass Forchheim in künftigen Jahren ohne Neuverschuldung auskommen werde. Einen Rüffel erteilte Feistel dem OB und der SPD, weil sie die "objektive Arbeit" des Rechnungsprüfungsausschusses (bei der Rathaussanierung) nicht würdigten.

Einen Etat, der beim Kolpingshaus Geldverschwendung vorsehe und zugleich den Investitionsstau nicht löse, den lehne er ab, sagte Franz Noffke (REP). Und auch Sebastian Platzek sah ziemlich schwarz. Hier werde in einer Weise gewirtschaftet, dass Forchheim in den nächsten Jahren die Genehmigung seines Haushaltes wohl nicht mehr hinkriegen werde. Unter anderem auch das Kolpingshaus war Platzek ein Dorn im Auge: Hier würden Millionen verplant, die "nachweislich nicht da sind" - bei gleichzeitigen Millionendefiziten - etwa im Königsbad.