In der Heinrich-Lades-Halle in Erlangen wurde am Samstagabend oft von "Gänsehautmomenten" und "magischen Momenten" gesprochen. Ein voll besetztes Großes Haus hatte gerade die Co-Produktion der Bläserphilharmonie Forchheim des Musikvereins Forchheim-Buckenhofen und der Musical-Company Nürnberg "Magic Musical Moments" erlebt.

Ein 60 Musiker starkes Blasorchester und 20 Sängerinnen und Sängern entführten das Publikum in die Welt großer Musicals. Die Bläserphilharmonie setzte damit unter Leitung von Mathias Wehr ein weiteres Glanzlicht im Spektrum ihres konzertanten Schaffens. Dieses Projekt-Konzert war ein Novum und Wagnis für den Musikverein, dessen Vorbereitung alle ehrenamtlichen Kräfte gebunden hatte. "Man glaubt nicht, dass hier Amateure spielen", meinte ein Besucher mitten im angeregten Stimmengewirr während der Pause.

"60 gegen 20" funktionierte

Für die Nürnberger Akteure war es eine Gelegenheit, professionelle Vielseitigkeit zu zeigen, die sie schon seit 20 Jahren auf die Bühnen in Mittelfranken bringen. Erstmals allerdings wurden sie von einem Blasorchester begleitet. Dass "60 gegen 20" funktionierte, ist zum einen dem Dirigenten Mathias Wehr zu verdanken, der Tempi und Lautstärke auf die Company abstimmte, zum anderen dem großen technischen Aufwand durch das Team von Tonmeister Peter Hirscher aus Nürnberg. Tolle Lichteffekte setzten die Sänger (Leitung Claudia Dörr) in Szene, als sie durch den Abend tanzten und performten und in raschen Kostümwechseln den Musicalhits Farbe verliehen. Es war aber auch Gelegenheit für die Buckenhofener, Akzente zu setzen bei kurz eingespielten Ouvertüren oder dem "Mambo" aus der "West Side Story". Beim "Dschungelbuch" und "König der Löwen" ließ die Rhythmusgruppe ihre Stöcke fliegen, dass kein Bein im Saal ruhig blieb.

War das nicht John Travolta?

Eindrucksvoll gestaltet war die Rebellion gegen die französische Monarchie des frühen 19. Jahrhunderts mit der geschwungenen Trikolore aus "Les Miserables". In "Cats" bezauberte Claudia Dörr mit dem Welthit "Memory", und in "Grease" meinte man im Tanz der wirbelnden Kleider John Travolta und Olivia Newton-John zu erkennen. Dargeboten wurden außerdem der Liebesbiss aus "Tanz der Vampire", Sequenzen aus "Joseph", "The greatest Showman", "Elisabeth", und der orientalisch bunte "Aladdin".

Der Abend bot der Company Gelegenheit, die deutschsprachige Aufführung des sehr erfolgreichen Broadway-Musicals "Once on this island" vorzustellen, das sie im März und April kommenden Jahres in Schwabach, Schwarzenbruck und Röthenbach an der Pegnitz aufführen wird. Es erzählt die Geschichte von Ti Moune, einem armen Bauernmädchen, das versucht, mithilfe der Götter die soziale Barriere aus Hass und Unterdrückung auf ihrer Karibikinsel zu überwinden und für ihre Liebe zu kämpfen.

MVB-Vorsitzender Bernd Froese dankte dem Dirigenten und der Company-Leiterin für die vielen "magischen Momente", die sie dem Publikum bereiteten. So etwas könne man vorher nicht planen, man müsse den Musik-Emotionen einfach nur Raum geben. Besonders dankte er dem musikalischen Leiter des Musikvereins, Christian Libera, der die Idee zu diesem Abend hatte und das Gelingen aus vielen Puzzleteilen zusammensetzte.

"Es geht nicht höher"

Die Zugaben mit einem Feuerwerk aus "Dirty Dancing", "West Side Story" und "Grease" machten Lust auf das bereits vorliegende Programm des Musikvereins für 2020. Am Ende gab es stehenden Beifall.

Christian Libera, danach gefragt, welchen Gipfel die Bläserphilharmonie noch erklimmen wolle, meinte, dass es "höher" wohl nicht gehe und auch gar nicht das Ziel sei. Vielmehr wolle man neue, teils auch ungewöhnliche Möglichkeiten seitwärts der konzertanten Blasmusik ausprobieren.