"Ich habe alle Karten offen auf den Tisch gelegt. Das war mein Fehler", ist sich Stefan Bauer sicher. Vor zwei Jahren hatte der junge Landwirt aus Oberrüsselbach einen Bauantrag in der Gemeinde Igensdorf eingereicht, denn er möchte und muss eine Kühllagerhalle für sein Bio-Obst errichten.

Damit verbunden war eine Voranfrage, ob er dort auch eine Betriebswohnung bauen könnte. Nicht irgendwo, sondern in der Nähe seiner neu gepflanzten Apfelplantage, gleich neben der kleinen Lagerhalle, die sein Großvater schon errichtet hatte.


Ein Fehler?

Im Nachhinein betrachtet er diese Voranfrage für das Wohnhaus als Fehler. "Es gab Diskussionen wegen der Erschließung", sagt Tina von Minnigerode vom Bauamt. Dorthin würde nur ein Feldweg führen. Zudem war aufgrund verschiedener Aussagen nicht klar, wie die Halle genutzt werden würde. Ob ein zu starker Anliegerverkehr entstehen würde, konnte die Gemeinde damals nicht einschätzen, und für die Betriebsleiterwohnung bei der neuen Kühlhalle sah sie keine Notwendigkeit. Die Gemeinde lehnte ab.

"Das Landratsamt sieht die Erschließung für eine Lagerhalle als ausreichend an. Die Gemeinde nicht. Daher hat die Gemeinde bisher ihr Einvernehmen verweigert", erklärt Pressesprecher Holger Strehl vom Landratsamt Forchheim. Warum die Gemeinde so entschieden hat, kann Stefan Bauer bis heute nicht nachvollziehen, da ihm gegenüber nie Gründe genannt worden seien. Auch eine Einladung an den Bauausschuss, sich die Situation vor Ort anzuschauen, sei bislang nicht angekommen.


Gespräche gesucht

Der Landwirt suchte noch mehrmals die Gespräche mit der Gemeinde. "Ich kann doch meine Äpfel nicht auf der Straße lagern", ärgert sich Bauer. Seinen Hofladen hat er in der alten Gastwirtschaft, die ebenfalls im Familienbesitz ist. Das Anwesen liegt in der Kurve am Berg in Oberrüsselbach. Und abgesehen davon, dass es kein herkömmlicher Feldweg ist, der zur Halle führt, sondern ein geteerter Flurbereinigungsweg, hatte sich Stefan Bauer wegen einer Erschließung erkundigt, wenngleich er nicht versteht, warum er Wasser und Kanal an der Kühlhalle für seine Äpfel braucht. Er rannte der Gemeinde laut eigener Aussage ein halbes Jahr wegen einer Erschließungsvereinbarung hinterher.


Anwalt genommen

Erst als er sich über den Bauernverband einen Anwalt nahm und dieser ein Schreiben an die Gemeinde schickte, erhielt Bauer ein Erschließungsangebot, das sich auf 520.000 Euro belief. Für die Halle braucht er aber weder Wasser noch Kanal, und den Strom kann er über den Energieversorger Bayernwerk setzen lassen, dazu brauche es keine gemeindliche Einverständnis.

Am meisten jedoch ärgert er sich über die Steine, die man ihm grundlos in den Weg gelegt habe. Denn man wolle ja ökologischen Anbau und regionale Bioprodukte.

Zehn Hektar beträgt Stefan Bauers Anbaufläche, die er komplett auf Apfelanbau umstellen möchte. Auf drei Hektar wächst bereits Kernobst, die andere Fläche wurde bereits gerodet, denn vom Süßkirschenanbau möchte sich der Landwirt verabschieden. Und er möchte expandieren, hat deshalb weitere fünf Hektar Grund erworben.

"Ich musste Kühlkapazität mieten", berichtet Bauer. Das bedeutet nicht nur, einige Tausend Euro für das angemietete Kühllager zu bezahlen, sondern auch einen Fahrweg zum Kühllager. "Wir erzeugen Bio. Nun müssen wir die Äpfel 15 Kilometer weit transportieren", sagt Bauer kopfschüttelnd. Vor allem bewirtschaftet er auch eine Hanglage mit einem für den Weinanbau geeigneten Traktor. Das ist keiner der üblichen großen und breiten Geräte, wie sie in der Landwirtschaft im Einsatz sind.


In andere Gemeinde umsiedeln

Dass Stefan Bauer seine Landschaftspflege nicht ebenfalls bei der Halle ansiedeln kann, ist ihm klar. Dieses Gewerbe muss im Gewerbegebiet sein. Auch in anderen Gemeinden sucht Stefan Bauer nun nach Grund, um mit Wohnhaus und Kühllager komplett ansiedeln zu können. Denn für eine Gemeinde, die ihn nicht möchte, will er auch keine Gewerbesteuern bezahlen.

Der Bauantrag für das Kühllager wird nun nochmals diskutiert. Inzwischen hat es eine wichtige Veränderung gegeben: "Seit diesem Jahr bin ich Vollerwerbslandwirt", erklärt Bauer. Somit handele es sich um ein privilegiertes Bauvorhaben, das die Gemeinde nicht ablehnen könne.