Ebermannstadt Gemeinsam geht"s besser. Die Bürgermeister von zwölf Kommunen zwischen Wiesenthau und Waischenfeld, Kunreuth bis Wiesenttal haben sich deshalb zu einer Allianz zusammengeschlossen und ein klares Bekenntnis zur interkommunalen Zusammenarbeit abgelegt. Am Dienstag hat das Gremium in Ebermannstadt einstimmig ein 290 Seiten starkes, landkreisübergreifendes Entwicklungskonzept verabschiedet.

Auf der Basis einer umfassenden Bestandaufnahme mit Beteiligung von Bürgern und Gemeinderäten sowie einer Schülerbefragung wurden zunächst Stärken und Schwächen der jeweiligen Kommunen herausgearbeitet. Daraus wurden Handlungsfelder und Zielformulierungen für die Kommunen abgeleitet. Zu den aktuellen und bedeutungsvollen Herausforderungen gehören neben der Sicherheit der Daseinsvorsorge der demografische Wandel mit der Überalterung der Gesellschaft, der Bevölkerungsrückgang, die Innenstadtentwicklung mit dem Erhalte der Ortskerne. Der Vorteil der interkommunalen Zusammenarbeit, so die Ebermannstadter Bürgermeisterin Christiane Meyer (NLE), liege vor allem darin, dass im Verbund Angebote geschaffen werden könnten, die eine Kommune allein nicht umsetzen könne. Vorhandene Ressourcen würden effektiver genutzt. Es entstehe ein Netzwerk, von dem Bürger Unternehmen und Vereine profitieren könnten.

Die Probleme sollen strategisch angegangen werden. Gemeindeübergreifend einigte sich das Gremium auf ein Maßnahmenbündel von neun besonders wichtigen Themenfeldern. Ganz oben stehen Leerstands-Management und Siedlungsentwicklung, sowie die Ausweisung von Bauflächen und eine Bauflächen-Strategie. Dahinter folgen die Interkommunale Zusammenarbeit in den Verwaltungen, ein Marketing-Programm "Fränkische Schweiz Aktiv", mit dem der Tourismus angekurbelt werden soll und ein Rückkehr-Programm für junge Erwachsene, um der Abwanderung in Ballungszentren entgegen zu wirken. Ein Spielplatz-Netzwerk, der Ausbau des Radwegenetzes, das für E-Bikes ausgelegt werden soll, die Vermarktung regionaler Produkte und die Sicherung der noch vorhandenen Schulstandorte sind weitere Eckpfeiler des Maßnahmenpaketes.
Wie das Beispiel Ebermannstadt zeigt, herrscht besonders in ländlichen Gebieten eine relativ große Nachfrage nach Eigenheimen. Gleichzeitig stehen in den Ortskernen ältere Wohn- und Wirtschaftsgebäude leer, bzw. werden in den nächsten Jahren leer fallen. Die führt einerseits zu einem Funktionsverlust in den Ortszentren, andererseits entstehen neue Siedlungsgebiete fernab vom öffentlichen Personennahverkehr. Es droht eine Zersiedelung. Deshalb steht dieses Thema auf der Agenda der zwölf Mitgliedsgemeinden ganz oben. Ein Leerstands-Manager soll sich darum kümmern, dass Ortskerne revitalisiert werden und neues Bauland nur in unbedingt notwendigem Maße ausgewiesen wird.
Ein solches Management ist auch für den Tourismus vorgesehen. Alleinstellungsmerkmale sollen deutlicher herausgehoben und überregional beworben werden. "Identität schärfen" und ein "Bewusstsein schaffen für die Region" stehen dabei ganz weit oben. Die interkommunale Zusammenarbeit in den Verwaltungen zielt auf eine Vertiefung der Zusammenarbeit beim Datenschutz, den Bauhöfen, der Standesämter und der Ausbildung von Nachwuchskräften ab.
Um die neun wichtigsten strategischen Maßnahmen auszuarbeiten, die kurzfristig in den nächsten drei Jahren umgesetzt und durch staatliche Zuwendungen gefördert werden sollen, haben die Mitglieder der einzelnen Kommunen 25 Stunden in Mitgliederversammlungen verbracht. Es gab 48 Stunden Gemeindegespräche und die Schülerbefragung nahm 20 Stunden in Anspruch. Hinzu kamen zwölf Stunden Exkursionen, 20 Stunden Beteiligungsveranstaltungen und eine 15-stündige Klausurtagung. Ergänzend dazu wurde ein Paket von 39 weiteren Maßnahmen verabschiedet, das in den nächsten fünf Jahren auf eine Realisierung wartet. Dazu gehört die Gründung eines Zweckverbandes Kommunale Verkehrsüberwachung Fränkische Schweiz ebenso, wie ein allianzweites Öko-Konto, ein gemeinsamer Hochwasserschutz oder die Sicherung der Seelsorge.