Wer am Wochenende oder feiertags ernsthaft krank wird, der weiß künftig von vorne herein, wo ein Arzt zu finden ist: in der neuen Bereitschaftspraxis am Klinikum Forchheim! Ab Mittwoch, 16. Januar, nehmen die niedergelassenen Mediziner in den Räumlichkeiten der Notfallambulanz ihren Betrieb auf. Den ersten Dienst macht der Neunkirchener Allgemeinarzt Dr. Karsten Forberg - am Wochenende in Kombination mit seinem Kollegen Dr. Peter Walter.

Bisher waren Patienten, die kein akuter Fall für die Klinik waren, außerhalb der normalen Praxisöffnungszeiten über die Notdienstvermittlung an den zuständigen Bereitschaftsarzt verwiesen worden - der irgendwo in der Stadt oder im Umland seine Praxis hatte. Ab 16. Januar sollen die Patienten, wenn möglich, in die Bereitschaftspraxis am Kinikum kommen. Sie ist geöffnet mittwochs von 17 bis 21 Uhr, freitags und an Vorfeiertagen von 18 bis 21 Uhr sowie samstags, sonntags und an Feiertagen jeweils von 9 bis 21 Uhr. Für Patienten, die nicht geh- und transportfähig sind, gibt es - wie bisher auch - einen Hausbesuchsdienst. Für lebensbedrohliche Notfälle ist weiterhin der Notarztdienst, der so genannte "Blaulichtdoktor", zusammen mit den Sanitätern der Rettungsdienstorganisationen zuständig.

Die Organisation der Bereitschaftsdienstpraxis wurde von der Kassenärztlichen Vereinigung an die UGeF (Unternehmung Gesundheit Franken) übertragen, den Zusammenschluss von insgesamt rund 50 Ärzten aus der Region.


Eine Überbrückungslösung

UGeF-Geschäftsführerin Michaela Steiert ist sich bewusst, dass es am Klinikum Forchheim "etwas eng zugehen wird", da die Patienten der Bereitschaftspraxis und die Patienten der chirurgischen Notfallambulanz in den gleichen Räumen versorgt werden müssen. "Wir sind jedoch dem Klinikum und seinen Beschäftigten sehr dankbar für diese Überbrückungslösung. Andernfalls hätten die Patienten an jedem Wochenende eine andere Arztpraxis im Landkreis aufsuchen müssen", erklärt Michaela Steiert und fügt hinzu: "Ich bin mir sicher, dass der gute Wille aller Beteiligten eine weitgehend reibungslose Patientenversorgung gewährleistet."

Der Geschäftsführende Klinikdirektor Reinhard Hautmann betont: "Für uns als UGeF-Mitglied war es selbstverständlich, hier auszuhelfen." Die Bereitschaftsdienstpraxis ist nämlich nur übergangsweise in den Räumen der Notfallambulanz am Klinikum eingerichtet. Voraussichtlich im Juli 2013 sind dann die eigenen Praxisräume im Gesundheitszentrum fertiggestellt - unmittelbar vor dem Klinikum Forchheim, wo jetzt die Großbaustelle ist.


Die Vorgeschichte

Der ärztliche Bereitschaftsdienst werde von der Kassenärztlichen Vereinigung organisiert und sei zur Patientenversorgung am Mittwochnachmittag und am Wochenende da, erklärt Michaela Stiert. Dienstverpflichtet seien alle Haus- und Fachärzte, die im entsprechenden Gebiet ihre Praxis haben. Dienstbefreit seien Ärzte wegen schwerer Krankheiten oder ab 65 Jahren.

Bisher habe es eine Bereitschaftsdienstgruppe für die Stadt Forchheim mit rund 60 Ärzten und weitere vier Bereitschaftsdienstgruppen für den Landkreis Forchheim mit insgesamt zirka 50 Ärzten gegeben. Durch den Ärzteschwund auf dem Land und die zunehmende Überalterung der Hausärzte werde die Dienstbelastung für die auf dem Land tätigen Ärzte immer höher, gibt die UGeF-Geschäftsführerin zu bedenken. Zugleich sei eine hohe Verpflichtung zu Bereitschaftsdiensten, die zusätzlich zur normalen Arbeit erbracht werden müsse, für junge Ärzte oftmals ein Grund, sich nicht auf dem Land niederzulassen.

"Während die Ärzte der Stadt Forchheim bisher an zwei Wochenendtagen pro Jahr Dienst hatten, mussten die Ärzte in den Landpraxen an acht bis zwölf Tagen Dienst machen, Arzt-Ehepaare waren also alle zwei bis drei Wochenenden dran", erläutert Michaela Steiert. Mehrere Bereitschaftsdienstgruppen seien inzwischen so weit geschrumpft gewesen, dass sie aufgelöst werden mussten.

In einer Abstimmung aller niedergelassenen Ärzte im Landkreis Forchheim habe sich die Mehrheit dafür ausgesprochen, alle fünf Bereitschaftsdienstgruppen zusammenzulegen und eine Bereitschaftsdienstpraxis am Klinikum Forchheim zu betreiben.

Dr. Ingo Rascher von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) gibt allerdings zu, dass diese Mehrheit knapp gewesen sei. Denn: Die in der Stadt niedergelassenen Mediziner müssen künftig häufiger Bereitschaftsdienste leisten.


Kritik von den Stadtärzten

Zu den Kritikern der Reform gehört Dr. Vera Bassl, die Obfrau der 63 Ärzte in Forchheim. Sie hat bereits öffentlich die Meinung geäußert, dass sich die Versorgung nicht mobiler und älterer Patienten künftig verschlechtere. Die Ärzte des Notfall-Hausbesuchsdienstes müssten bis zu 50 Kilometer weit bis zum Patienten fahren.
KV-Sprecher Ingo Rascher indes versichert: "Die Veränderung hat das Ziel, die ärztliche Versorgung aufrecht zu erhalten."

Ärzte in der Stadt seien zwar "geringfügig stärker" belastet - jedoch komme es zu einer erheblichen Entlastung der Landärzte. Was nun in Forchheim praktiziert werde, sei kein neues Projekt, sondern andernorts bereits erfolgreich erprobt. Dies bestätigt auch Dr. Joachim Mörsdorf, Arzt aus Pretzfeld und Aufsichtsratsvorsitzender der Unternehmung Gesundheit Franken: "Die Erfahrungen in anderen Bereitschaftspraxen, wie zum Beispiel in Scheßlitz und Burgebrach, zeigen, dass dies gut angenommen wird."


Mit Optimismus zur Premiere

Dr. Karsten Forberg, der am 16. Januar mit seinem Dienst Premiere in der Bereitschaftspraxis im Klinikum hat, sagt: "Die Räumlichkeiten sind zwar nicht komfortabel aber ausreichend." Der Wartebereich für die Patienten sei erweitert worden und die Organisation für die Aufnahme sei bereits vorgeplant.
Jedem Arzt, der Bereitschaftsdienst habe, werde von der UGeF eine Medizinische Fachangestellte zur Unterstützung zugeteilt, erklärt der Allgemeinmediziner. Am 9. Januar gebe es noch mal eine Einweisung für alle Ärzte.
"Die erste Schicht wird sicherlich etwas turbulent", befürchtet Dr. Forberg - generell sieht er der Neuregelung aber mit Optimismus entgegen.


Das Wesentliche der neuen Regelung

Das Wichtigste zuerst: In lebensbedrohlichen Notfällen rufen Patienten wie bisher die Nummer 112 - es kommt der Notarzt mit Blaulicht samt Sanitäter.

In Notfällen ohne Lebensgefahr sollen Patienten künftig die Bereitschaftspraxis am Klinikum Forchheim aufsuchen (Öffnungszeiten: Mittwoch 17 bis 21 Uhr, Freitag 18 bis 21 Uhr, an Vorfeiertagen 18 bis 21 Uhr, an Samstagen, Sonn- und Feiertagen 9 bis 21Uhr. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, in dieser Zeit ist durchgehend ein Arzt und medizinisches Fachpersonal anwesend.

Erkrankte, die nicht geh- und transportfähig sind, rufen außerhalb der Öffnungszeiten der Bereitschaftspraxis in Notfällen die Nummer 116117 (Vermittlungszentrale für den Kassenärztlichen Notfalldienst). Hier wird ihnen der Arzt für den Hausbesuch oder sonstige Hilfeleistung vermittelt. Bei Erkrankungen, die auch ein oder zwei Tage Zeit haben, werden die Patienten gebeten, am darauf folgenden Werktag ihre Hausarztpraxis aufzusuchen.