Gisela Grimm, Margareta Heimann und Adam Bieger sind die ersten "Kunden", die Walburga Heger zur Anprobe der historischen Kostüme für den kleinen Annafestzug begrüßt, der am Samstag um 15.30 Uhr am Rathaus startet. Sie haben die Auswahl zwischen rund 180 Kleidern aus der Zeit zwischen dem 11. und 19. Jahrhundert.
Freilich sind die Trachten nicht wirklich ein paar hundert Jahre alt. "Sie wurden nach historischen Vorbildern geschneidert", erklärt Walburga Heger, die in den letzten 25 Jahren Könige, Ritter und Lakaien, Burg- und Edelfräulein sowie Hofdamen eingekleidet hat.

"Die jungen Mädchen wollen am liebsten Biedermeier. Reifröcke sind untrennbar mit dieser Zeit verbunden. Dazu tragen die Damen ein Korsett und ein reich verziertes Mieder. Zudem putzen sich die Damen mit Schleifen, Borten, Schärpen und Borten heraus. Das macht schon was her", sagt Walburga Heger.

Ihre erste Kundschaft, die sie bei der Kleiderauswahl berät, entscheidet sich für eine Kleidung wie sie bis ins Mittelalter in den Städten getragen wurde. Zwischen 1100 und 1500 hatte jeder Stand seine eigene Kleiderordnung. Die Unterschiede lagen meist nur im Material und dem dazugehörigen Zierrat. "Während die niederen Stände für die Textilherstellung Nessel, Leinen und Hanf oder Schafwolle verwendeten, konnten sich die höheren Stände zusätzlich Importstoffe aus Seide oder veredelte Tuche leisten", erklärt Heger.

Adam Bieger entscheidet sich für eine Schultheiß-Uniform, wie sie wohl im 15. Jahrhundert in Nürnberg getragen wurde. Dazu trug der vornehme Herr eine Strumpfhose und auf dem Kopf ein Berret, eine Art Hut mit breiter Krempe. "Turnschuhe gehen gar nicht. Da muss ich immer wieder darauf hinweisen" erklärt Heger, die darauf achtet, dass die Kleidung auch stilecht bleibt.

Die Damen entscheiden sich dafür, das gleiche Outfit wie im letzten Jahr zu nehmen. Inklusive Hut und Schärpe. "Da weiß ich wenigstens, dass es passt", findet Gisela Grimm. "Im kommenden Jahr", blickt Walburga Heger voraus, "beim großen historischen Festzug, brauchen wir auf alle Fälle wieder neue alte Trachten." Helga Baumann habe schon mit dem Schneidern angefangen.