Damals, in der dritten Klasse hat es zwischen Maxi Bröse und Dieter Heißenstein gefunkt. Mit dem Kassettenrekorder auf der Schulter sind die beiden sich auf dem Schulhof begegnet. "Es gab nicht viele, die so einen Ghettoblaster hatten", sagt Bröse. Was in jeder Hinsicht klein - mit zehn Kassettenradios - angefangen hat, hat sich zu einem gemeinsamen Leben für die Sammelei entwickelt.

Heute sind Bröse 29 und Heißenstein 31 Jahre alt. Sie arbeitet in der Elektromontage, er ist Heizungsbauer. Ihre gemeinsame Wohnung in Dormitz zieren mittlerweile 285 Ghettoblaster, und damit ist das "die größte Boombox-Sammlung Bayerns". Schon nach wenigen Minuten ist im Saal klar: Ihr Alleinstellungsmerkmal haut alle um. "Sag mal kennst du die?", die ältere Dame stupst überrascht ihren Mann an. Der Auftritt von den "Frankenblaster" ist eine Überraschung.

"Es gibt viele, die sagen, dass wir spinnen. Die können nicht nachvollziehen, dass wir eine Leidenschaft haben", sagt Heißenstein, "aber ich liebe es einfach." Auch im Saal erblickt man immer wieder ungläubiges, fasziniertes Kopfschütteln. Hier und da muss man auch einfach lachen, wenn man sich vorstellt, dass bei Heißenstein und Bröse keine Bücher in den Regalen daheim stehen: "Man kann sich das wie viele Bücherregale daheim vorstellen", sagt Bröse, "nur noch viel schöner."

Jeder Apparat ist registriert

Es ist eine akribische Liebe zweier Kumpels, die irgendwann beschlossen haben, ihr gemeinsames Hobby aus Kindheitstagen gemeinsam auszuleben. Die Begeisterung für dieses technische Gerät, das seine besten Zeiten in den 1970er und 80er Jahren hatte, ist weltweit verbreitet. Schließlich stehe ein guter Ghettoblaster nicht nur für super Empfang, sondern für eine erfolgreich geführte Ära. "In Berlin besuchen wir jetzt wieder jemanden, der hat über 800 Ghettoblaster zu Hause stehen", sagt Bröse. Es versteht sich als Sammler, über jedes Gerät exakt Buch zu führen: Wie lang, wie viel Watt, wie tief, welches Baujahr... FT-Moderator Josef Hofbauer muss nur auf eines der mitgebrachten Geräte zeigen und schon sprudeln die Daten aus Bröse heraus: "Den hier haben wir für zwölf Euro als Totalschaden gekauft." Heute sehen die Dormitzer ein Unikat in türkiser Flickflack-Lackierung mit grünen Hochleistungsbarometern.

Zwei bis drei Wochen Arbeit stecken in manchen Geräten - die übrigens bis auf einen Ghettoblaster einwandfrei funktionieren. Am Wochenende fahren Heißenstein und Bröse wieder einmal nach Dessau auf das jährliche Boombox-Meeting. Aufhören? Genug? "Niemals! Zur Not wird angebaut", sagt Bröse. Bis heute sieht man den Funken in ihren Augen leuchten. Verliebt - nur in die Ghetto blaster, denn vom Schulhof bis zur Wohngemeinschaft waren die beiden immer nur Freunde.