Von Julia Heimberger

Nicht zum ersten Mal stand eine polizeibekannte 68-jährige Rentnerin aus Forchheim vor Gericht. Amtsrichterin Silke Schneider war bei der vorliegenden Anklage wegen Beleidigung aufgrund des persönlichen Schicksals der Angeklagten vor der Urteilsverkündigung mitunter etwas ratlos.
Laut der Anklage durch Staatsanwalt Stefan Meyer hatte die schwer alkoholkranke Rentnerin im August 2017 mehrere Polizeibeamte in Forchheim mit drastischen Schimpfwörtern belegt. Die Rentnerin hatte die Polizeiinspektion aufgesucht, um eine Ruhestörung in ihrem Wohnhaus zu melden.

Vor Ort wurde sie jedoch nach einer Ausweiskontrolle mit einem Haftbefehl aus einer früheren Verurteilung konfrontiert: Nach einer nicht gezahlten Geldstrafe wegen Beamtenbeleidigung sollte noch vor Ort in der Polizeiinspektion Forchheim die Haft folgen. Die Rentnerin war anfangs überrascht, da sie ihrer Ansicht nach die Strafe ordnungsgemäß bezahlt hätte.

Sie willigte nach eigener Aussage in die Verhaftung ein, wollte jedoch vorher noch einige persönliche Gegenstände aus ihrer Wohnung holen. Als ihr dies die Beamten verweigerten hätten, wurde sie wütend und aggressiv. Die als Zeugin vorgeladene Polizeibeamtin sagte aus: "Sie hat schon fast um sich geschlagen." Es folgten Beleidigungen wie "Arschlöcher", "Schweine", "Drecksschweine" und "Blödmänner". Erst nach der Einlieferung in die JVA Bamberg beruhigte sie sich wieder.


Alkoholsucht schädigte ihr Gehirn

Aufgrund ihrer langjährigen Alkoholabhängigkeit wurde ein medizinischer Gutachter bestellt. Dieser bestätigte , dass es durch die Alkoholabhängigkeit zu einer krankhaften Veränderung des Gehirns gekommen sei. Neuronale Strukturen im Gehirn seien durch den langjährigen Missbrauch zerstört wurden. Hierdurch seien Gedächtnis und emotionale Kontrolle schwer beschädigt worden. Die Rentnerin sei erheblich schuldunfähig. Der Alkohol sei auch Ursache für die Beleidigungen und Aggressionen gewesen.

Staatsanwalt Stefan Meyer forderte in seinem Plädoyer eine Freiheitsstrafe von drei Monaten, ausgesetzt zur Bewährung für drei Jahre. Bereits früher verhängte Geldstrafen hätten zu keiner Verhaltensbesserung geführt. Sämtliche Therapien und Entgiftungen seien ebenfalls in den letzten Jahren gescheitert.

Amtsrichterin Silke Schneider stimmte dem Strafmaß zu, auch da die Rentnerin sich bereits zu Anfang voll zu ihren Taten bekannte und ausführlich dafür entschuldigte. Die Richterin stellte jedoch fest, dass sich die Beschuldigte nicht zu 100 Prozent reuig zeigte. Vielmehr liefere sie mehrmals fadenscheinige Ausreden, um keine Therapie mehr machen zu müssen.


Keine Therapien auf Staatskosten

Die Richterin sprach daher eindringlich zur Angeklagten: "Sie haben schon so viele Therapien auf Staatskosten genossen und trotzdem saufen Sie weiter. Sie können gerne jedes Jahr kommen und sich Ihre paar Monate Haft abholen." An eine Besserung glaubt die Richterin offensichtlich nicht mehr.