Im Jahr 2013 setzt der Fränkische Tag einen Schwerpunkt beim Thema Landwirtschaft. Monat für Monat wird ein Bereich herausgegriffen und in Form eines Kalenderblatts vorgestellt. Die zwölfteilige Serie beginnt in der Neujahrsausgabe vom 2. Januar. Im Vorfeld äußert sich Werner Nützel vom Bayerischen Bauernverbandes (BBV) zur aktuellen Situation in der Landwirtschaft. Der 51-Jährige fungiert seit 20 Jahren als Geschäftsführer im BBV-Kreisverband Forchheim (3000 zahlende Mitglieder) und seit 1. Oktober 2012 auch im Kreisverband Bamberg (4000 zahlende Mitglieder).

"Landwirtschaft - von heute, für morgen" heißt die aktuelle Kampagne des BBV. Hat die Landwirtschaft denn überhaupt noch eine Zukunft als Erwerbsmodell?
Werner Nützel: Zunächst wollen wir ein realistisches Bild von der Landwirtschaft, von der Tierhaltung und dem Berufsbild Landwirt zeichnen und damit allen Verbrauchern die heutige aktive Landwirtschaft in Bayern näherbringen. Das ist das Ziel unserer Kampagne. Der Beruf Landwirt ist ein Zukunftsberuf, weil weiterhin bei allen Verbrauchern frische, hochwertige Qualitätserzeugnisse aus der Region gefragt sind.

Nachdem es für Deutsche und Europäische Landwirte keinen Außenschutz durch Zölle mehr gibt und damit weltweit Nahrungsmittel nach Europa importiert werden, müssen unsere Landwirte auf Weltmarktniveau ihre erzeugten Nahrungsmittel an den Handel verkaufen. Von diesen niedrigen Erzeugerpreisen können sie ihren Lebensunterhalt für eine Familie und Investitionen für den Betrieb nicht finanzieren. Deshalb brauchen unsere Landwirte weiterhin einen Einkommensausgleich von nur 3 Cent pro Quadratmeter, das sind 300 Euro Betriebsprämie je Hektar und Jahr.

Dieser Betrag wird seit 2005 bis heute von der Europäischen Union gezahlt, um hohe Sozial- und Umweltstandards in der EU finanziell auszugleichen. Die Landwirtschaft wird in Bayern und in Deutschland weiterhin eine Zukunft haben, weil ein jeder sich eine intakte, gepflegte Kulturlandschaft wünscht. Dass unsere Landschaft in Bayern in Ordnung ist, beweisen in den Urlaubsmonaten die vielen Urlaubsgäste in den verschiedenen Regionen in Bayern.

Für junge Leute ist der Beruf Landwirt nicht mehr sehr reizvoll. Woran liegt das und was unternimmt der BBV dagegen?
Die Zahl der bewirtschafteten landwirtschaftlichen Betriebe nimmt pro Jahr um rund 2,5 bis 3,0 Prozent ab. Im vergangenen Jahr haben in Bayern rund 113.000 Landwirte im Haupt- und Nebenerwerb einen sogenannten Mehrfachantrag zur Gewährung einer Betriebsprämie gestellt. Nachdem diese Zahl der Antragsteller jedes Jahr weniger wird, ist die Bereitschaft, den Ausbildungsberuf Landwirt zu ergreifen und mit der Meisterprüfung abzuschließen, insgesamt geringer geworden.

Im Gegensatz dazu entwickeln sich die Ausbildungszahlen in den grünen Berufen sehr gut. Im landwirtschaftlichen Bildungszentrum Nordbayern in Triesdorf gibt es derzeit rund 3000 Schüler und Studenten pro Jahr. Noch vor etwa 20 Jahren waren es erst 2000 Schüler und Studenten im Jahr.

Der BBV veranstaltet zudem mit der bayerischen Landwirtschaftsverwaltung und den berufsbildenden Schulen seit vielen Jahren einen Berufswettbewerb mit der Deutschen Landjugend. Dieser wird 2013 an der Staatlichen Berufsschule München-Land in Riem von Bundesministerin Ilse Aigner am 5. Februar eröffnet. Bundesweit messen mehr als 10.000 junge Fachkräfte der Land-, Forst-, Haus- und Tierwirtschaft sowie aus dem Weinbau ihr theoretisches und praktisches Können. Der Berufswettbewerb wird zeigen, dass grüne Berufe voller Leben stecken. Aus Bayern werden etwa 2000 junge Leute auf Kreisebene antreten. Zum Wettbewerb gehören auch praktische Aufgaben. Dabei ist der kompetente Umgang mit moderner Agrartechnik zwingend erforderlich. Der Berufswettbewerb soll Jugendliche motivieren, einen grünen Beruf zu ergreifen.

Die Zahl der Biogasanlagen ist seit dem Jahr 2000 sprunghaft gestiegen. Wird sich dieser Trend weiter fortsetzen?
Zunächst ist es positiv, dass der Gesetzgeber mit dem Erneuerbare Energiengesetz (EEG) den Neubau von Biogasanlagen finanziell gefördert hat. Nur mit einem Mix verschiedener Energieerzeugungsanlagen, dazu gehören auch die Biogasanlagen, ist die beschlossene Energiewende zu schaffen. Der Landwirt ist ein selbstständiger Unternehmer und er alleine muss entscheiden, ob sich eine Investition lohnt. Nachdem die Rohstoffpreise in den letzten Jahren erheblich gestiegen sind und der Landwirt in der Regel Futtermittel für seine Biogasanlage zukaufen muss, gleichzeitig aber die staatlich garantierte Einspeisevergütung abgesenkt wurde, werden im Ergebnis derzeit keine neuen Anlagen gebaut. Ich gehe davon aus, das unsere Landwirte weiterhin im begrenzten Umfang in neue Biogasanlagen investieren werden. Vorher wird sicher jeder sorgfältig mit seinem Berater betriebswirtschaftlich prüfen, ob sich eine Investition mit wahrscheinlich neuen Schulden lohnt. Dazu stehen unsere Kollegen von der BBV-Landsiedlung und der BBV-Buchstelle zur Verfügung.

Inwiefern hat sich die Rolle des BBV gewandelt?
Der BBV hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten weiter spezialisiert. Als Beispiel will ich hier die Steuerberatung nennen, diese ist seit den 70er- und den 80er-Jahren in die BBV-Tochterunternehmen ausgegliedert worden. Die Investitionsberatung und Betreuung wird seit Jahren von der BBV-Landsiedlung übernommen. Wir als Bayerischer Bauernverband sehen uns als die Berufsvertretung der Landwirte im politischen Bereich und im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit.

Unsere Landfrauen unterstützen seit Jahren hervorragend mit den "Kindertagen auf Bauernhöfen" und den "Tag des offenen Bauernhof" diese notwendige und wichtige Aufgabe. Unsere BBV Geschäftsstellen sind moderne Dienstleister, wenn es um die Umsetzung wichtiger gesetzlicher Auflagen der Landwirte geht. So zum Beispiel muss im Grundsatz jeder Landwirt jedes Jahr einen Nährstoffvergleich erstellen, um nachzuweisen, das seine Böden nicht überdüngt werden. Außerdem muss jeder Landwirt im Rahmen seiner Betriebsprämie strenge gesetzliche Auflagen im Tierschutz, Umweltschutz und Wasserschutz einhalten.

Darüber hinaus unterstützen wir als Betreuungsstelle der Landwirtschaftlichen Sozialversicherungen (LSV) Franken und Oberbayern unsere Landwirte, wenn es darum geht, bei der Landwirtschaftlichen Alterskasse, der Landwirtschaftlichen Krankenkasse oder der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft Fragen zum Beitragsrecht oder Fragen zum Leistungsrecht, wie zum Beispiel einer Altersrente, zu klären.

Was wünschen Sie sich als BBV- Geschäftsführer für das neue Jahr?
Ich wünsche mir weiterhin einen starken Zusammenhalt innerhalb der Landwirte und weiterhin eine positive Einstellung zur Zukunft in der Landwirtschaft. Früher gab es in jeden Dorf noch ein Milchhaus, in dem sind jeden Tag die Milchviehhalter zweimal zusammen gekommen, um ihre frisch gemolkene Milch abzuliefern. Oft waren es 10 bis 20 Höfe, teilweise auch mehr, die Milch erzeugt haben. Auch ohne Internet wurden Fragen und Probleme bei Bedarf am oder im Milchhaus besprochen. Durch diese tägliche Nähe der Bauern zueinander wurde ein starker Zusammenhalt gepflegt und gefördert.

Heute werden Sie in den Dörfern kein Milchhaus mehr finden und in vielen Dörfern keine einzige Milchkuh mehr. Draußen in der Feldflur sind in der Regel nur ein maximal zwei Landwirte mit seiner modernen Landtechnik im Einsatz. Durch den starken Zeit- und Kostendruck gibt es kaum noch eine Möglichkeit, sich am Feldrand mit seinem Berufskollegen auszutauschen. Wir wollen deshalb mit Unterstützung unserer Ortsobmänner und Ortsbäuerinnen auf Gemeindeebene "Stammtische" für Landwirte und Landfrauen neu beleben. Der persönliche Austausch und das persönliche Gespräch ist trotz moderner Medien weiterhin für uns alle sehr wichtig.