Die Gebäude schießen in Forchheim derzeit wie Pilze aus dem Boden. Besonders zu spüren bekommt diesen Bauboom der Leiter des städtischen Bauamtes.

"In den letzten zwei Jahren wurde in Forchheim so viel gebaut, wie vielleicht in den letzten Jahrzehnten nicht mehr", sagt Bauamtsleiter Gerhard Zedler. Vom Paradeplatz über Kindergärten bis zu den Gewerbegebieten - an allen Ecken und Enden in der Stadt werden Gebäude errichtet.

Die Bauanträge sind nicht nur zahlreich. Die Bauprojekte würden auch immer größer, sagt Zedler. Allein das geplante Siemens-Parkhaus sei mit seiner Höhe von 22 Metern eine neue Dimension für die Stadt. Die Baubehörde mit ihren knapp 30 Mitarbeitern stoße langsam an ihre Grenzen. "Wir sind am Ende unserer Leistungsfähigkeit. Wir bewältigen derzeit so viel Baumasse. Wir sind wirklich am Limit", sagte Zedler nach einer erneuten Marathon-Sitzung des Bauausschusses am Montag.

Zuvor hatte Stadtrat Markus Schmitt (CSU) unter dem Applaus der Ausschusskollegen die Arbeit von Zedlers Behörde ausdrücklich gelobt. In dem Lobgesang sonnte sich auch der Oberbürgermeister und stimmte die Lobeshymne gleich mit an. "Es gibt kaum eine Stadt, die so schnell mit Baugenehmigungen ist", sagte ein sichtlich zufriedener Franz Stumpf (CSU/WUO). Eine flotte Baubehörde sei schließlich für das Wirtschaftswachstum wichtig.

Wirtschaft fördern ist das Ziel

Von Zedler gibt es dazu keinen Widerspruch. "Wir verstehen uns als eine Dienstleistungsbehörde, die eng mit der Wirtschaftsförderung kooperiert", sagt Zedler. Gleichzeitig bereiten ihm nicht nur die anstehenden Großprojekte von Siemens, Hegele und Co. gelegentlich Kopfschmerzen. Beispielsweise die Eidechsen (siehe Seite 12), die den Hegele-Neubau verkomplizieren. Auch "Kleinvieh" macht eben Mist. Zumal das Bauland für Wohnhäuser knapp ist, weil sich die Stadt nicht schamlos in der Fläche ausdehnen will.

Den kleinen Häuslebauer will die Stadt freilich auch nicht vergrätzen. Der Wirtschaftsboom lockt Menschen an. Die wollen möglichst schön wohnen. Das weiß auch Zedler. "Die Leute haben es eilig." Da gibt es die Familie, die im Neubaugebiet "Am Eselsberg II" ein Häuschen am Hang für sich und die wachsende Kinderschar errichten will. Dummerweise weicht der Bauplan gleich vierfach von den Vorgaben des Bebauungsplanes ab.

Eine Zwickmühle für Zedler und die Stadt, die keine Präzedenzfälle schaffen will und Nachahmer fürchtet. Denn Ausnahmen machen Arbeit. Gleichzeitig ist jeder Einzelfall anders. Die Familie kann noch hoffen, dass Zedler doch Gnade vor Recht gewährt. Der Bauausschuss hat die Sache vertagt. Zedler schaut sich die Sache nochmal an.

Mit Tricks Bauordnung umgehen

Das Problem für die Baubehörde: Die Familie ist kein Einzelfall. Da gibt es noch einen Bürger, der für seinen Wohnwagen einen Schuppen auf der grünen Wiese bauen will. Mit einem bemerkenswerten Appell begründete der Antragsteller dieses Vorhaben: "Ich glaube an das Gute im Stadtrat."
Schließlich könne auch er mit einem Trick die Bauordnung umgehen. Wie? Man verpachtet die Wiese an einen Bauern. Landwirte dürfen Schuppen (fast) überall hinstellen, weil sie privilegiertes Baurecht genießen. Auf diese Idee wären schon andere am "Auerberg" in Reuth gekommen. Die Sache wurde vertagt.

Gewerbeflächen werden weniger - Sportplätze als Alternative

Auch um Nachbarschaftsstreitigkeiten muss sich die Stadt kümmern. Diesmal ist eine Garage etwas zu groß geraten. Die Sache droht zu eskalieren. Der Oberbürgermeister will noch ein allerletztes Mal persönlich schlichten.

Derweil hat Zedler schon die Zukunft im Blick. Die Gewerbeflächen werden knapp. Die Stadt hat ein Auge auf die Sportplätze geworfen. "So wertvolles Bauland können wir nicht den Vereinen überlassen", sagt Zedler. Konkret geht es um das Vereinsgelände der SpVgg Jahn. Laut Zedler wäre der Verein mit einem Umzug einverstanden.