Sie haben es "Hotel Insektentraum" genannt. Stolz erklären Heinz Palla und Martin Watzke, wie sie das Insektenhaus zusammen mit den anderen in der Gruppe gebaut haben. "Da steckt ganz schön viel Arbeit drin", sagen sie. Die jungen Männer sind zwei der insgesamt über 50 Teilnehmer der integrativen Ferienkurse und des integrativen Zeltlagers auf Burg Feuerstein.

Bereits seit 15 Jahren verbringen Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung ihre Pfingstferien gemeinsam in dem Jugendhaus. "Hier kommen junge Menschen zusammen, die sonst meist nicht viel miteinander zu tun haben, und alle können voneinander lernen", erklärt Joannis Platis, Bildungsreferent auf Burg Feuerstein. Gemeinsam mit seiner Kollegin Ute Weibbrecht und Cornelia Sperber, Bildungsreferentin des Erzbischöflichen Jugendamtes, leitet er das Programm.

Sich gegenseitig zu akzeptieren und zu tolerieren sei ein wichtiges Ziel der integrativen Ferienkurse, so Platis. Dabei dürfe aber natürlich auch der Spaß nicht zu kurz kommen.

Je nach Alter und Fähigkeiten sind die Kinder und Jugendlichen in drei Gruppen eingeteilt. Während die jüngeren im Haus untergebracht sind, schlafen die Älteren auf dem Zeltplatz. Neben den Gruppenprogrammen gibt es gemeinsame Aktionen wie den Bunten Abend oder den Abschlussgottesdienst, den alle gestalten. Das Wochenmotto der jüngsten Teilnehmer, die zwischen neun und elf Jahre alt sind, heißt: "In sechs Tagen um die Welt."

Zusammen mit ihren Betreuern reisen sie von Kontinent zu Kontinent. Heute ist Asien das Reiseziel. Am Vormittag haben sich die Kinder schon in der Batik-Technik versucht, gerade falten sie Origami-Figuren. Am Abend stehen noch Essen mit Stäbchen und ein Gebet auf dem Programm. "Wir verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz. Die Kinder können kreativ sein, sie können mit ihrem Kopf, aber auch mit ihrem Körper arbeiten - jedes wie es will und kann", betont Platis.

Auch in der Gruppe der 12- bis 13-Jährigen können sich alle einbringen. Unter dem Motto "Weltall - Mission ins Ungewisse" setzen sie sich mit Planeten und Sternen, aber auch mit den Themen Globalisierung und Eine Welt auseinander. "Die Woche macht total viel Spaß", sagt Chiara Zwosta, und ihre Freundin Katharina Wimmer fügt hinzu: "Ohne Eltern ist einfach alles viel entspannter." Wie sie es finden, dass in ihrer Gruppe drei Mädchen mit Down-Syndrom sind? Die zwei Freundinnen zucken mit den Schultern: "Normal."

Die integrativen Angebote auf Burg Feuerstein gab es schon lange, bevor Integration und Inklusion zu gesellschaftlich breit diskutierten Themen wurden. Um auf schwierige Situationen vorbereitet zu sein, haben alle Betreuer, die zum größten Teil ehrenamtlich arbeiten, im Vorfeld eine Schulung mitgemacht.

"Wir haben jeden Abend Reflexionsrunden mit den pädagogischen Mitarbeitern. Außerdem arbeiten wir im Team und können uns so gegenseitig helfen", sagt Paolina Virga, die im Herbst mit ihrem Pädagogikstudium anfangen will und zurzeit ein Praktikum auf der Burg macht.

Zurück auf dem Zeltplatz. Heinz Palla, Martin Watzke und die anderen Teilnehmer haben zu Abend gegessen. Die Kälte und der Regen scheinen ihnen nichts auszumachen. Eine kleine Befürchtung gibt es allerdings noch: "Wir können nur hoffen, dass bald die ersten Bewohner einziehen", sagt Palla und zeigt auf das Insektenhotel. red